Austrian Airlines lässt Bazl-Direktorin am Flughafen sitzen
«Uns wurde das Boarding verweigert»

Francine Zimmermann ist die neue Direktorin des Bundesamts für Zivilluftfahrt. Ein Gespräch über Ärger mit Airlines, Drohnen-Vorfälle – und Subventionen für Hobbyflieger.
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Francine Zimmermann ist die neue Direktorin des Bundesamts für Zivilluftfahrt (Bazl).
Foto: Nathalie Taiana

Darum gehts

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  • Francine Zimmermann: Airlines müssen sich an geltendes Recht halten
  • 2025: Bazl bearbeitete über 8100 Anzeigen zu Fluggastrechten, 2026 bereits 5600
  • Schweiz testet U-Space Zürich seit 2025 für sichere Drohnennutzung im Luftraum
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Raphael RauchBundeshausredaktor

Frau Zimmermann, wann haben Sie sich zuletzt über eine Fluggesellschaft geärgert?
Francine Zimmermann: Ich war kürzlich auf einer Dienstreise in Tunesien. Beim Rückflug nach Genf hiess es am Schalter zuerst, wir hätten 20 Minuten Verspätung. Später wurde der Flug um weitere drei Stunden nach hinten verschoben. Es gab keinerlei Infos. Am Ende sind wir mit fünf Stunden Verspätung in Genf gelandet.

Haben Sie wenigstens einen Getränke- oder Essensgutschein erhalten?
Nein, gar nichts. Weil es sich um eine Airline aus einem Drittstaat handelt und die aus Tunis abflog, gilt die EU-Verordnung über Fluggastrechte nicht; ich kann also auch keine Entschädigung einfordern. Anders wäre es beim Hinflug ab Genf gewesen. Hier sind die Airlines verpflichtet, die Passagiere zu informieren und gegebenenfalls zu entschädigen.

Und wann haben Sie sich zuletzt über die Lufthansa-Gruppe geärgert, zu der auch die Swiss gehört?
Ich möchte betonen, dass sich die Airlines überwiegend korrekt verhalten. Die Lufthansa – und vor allem auch die Swiss – machen vieles sehr gut. Sie liefern einen grossen Beitrag an die internationale Vernetzung der Schweiz – gerade am Hub Zürich. Verspätungen und verpasste Anschlüsse kommen aber auch bei diesen Airlines vor.

Was ist Ihnen konkret passiert?
Ich war auf Dienstreise in Zypern. Obwohl wir keine Verspätung hatten und ich schnell unterwegs war, verpassten andere Passagiere und ich in Wien den Anschlussflug in die Schweiz. Das Flugzeug war zwar noch am Gate, aber uns wurde das Boarding verweigert. Positiv war, dass ich rasch eine Umbuchung für den nächsten Tag sowie einen Link für ein Hotel erhielt. Dazu ist die Airline dank der EU-Fluggastrechte ja auch verpflichtet. Mein Fall für eine Entschädigung ist aktuell bei der Schlichtungsstelle in Wien.

Ziemlich dumm von Austrian Airlines, die Bazl-Direktorin zu verärgern!
Ich bin eine Passagierin wie alle anderen auch und fliege Economy – niemand interessiert, dass ich Bazl-Direktorin bin. Ich erwarte, dass sich eine Airline an geltendes Recht hält.

Sie machen eine Erfahrung, die viele Passagiere teilen: Die Airlines verstossen gegen Passagierrechte und zahlen erst, wenn es juristischen Druck gibt.
Wir sehen an den Zahlen, dass die Beschwerden über die Fluggesellschaften steigen: Im Jahr 2025 behandelten wir über 8100 Anzeigen; im ersten Halbjahr 2026 sind bei uns bereits rund 5600 Anzeigen eingegangen.

Warum erhöhen Sie nicht die Bussen? 1000 Franken Busse kratzt die Swiss mit ihrem dreistelligen Millionengewinn überhaupt nicht.
Es gibt gesetzliche Vorgaben und eine interne Bussenrichtlinie. Sollten wir den Eindruck gewinnen, dass die Bussen zu tief sind, können wir das anschauen. Passagiere können auf der Bazl-Website kostenlos eine Anzeige einreichen und sich über den zivilrechtlichen Weg gegen Airlines wehren.

Ihr Team ist völlig überlastet, Verfahren dauern viel zu lange. Warum bitten Sie Uvek-Vorsteher Albert Rösti nicht um zusätzliche Stellen für die Fluggastrechte?
Die Verfahren nehmen Zeit in Anspruch. Wichtig ist uns, alle Fälle sorgfältig zu prüfen. Unsere Mitarbeitenden leisten dabei täglich ihr Bestes, um die Anliegen möglichst effizient zu bearbeiten.

Sprechen wir über Sicherheit. Sie waren bereits als Vizedirektorin für das Thema Drohnen zuständig. Warum haben Sie das Thema verschlafen?
Wir haben das Thema nicht verschlafen. Im Gegenteil, die Schweiz leistet in diesem Bereich seit über 15 Jahren Pionierarbeit, etwa bei der Bewilligung von komplexen Drohnenflügen ausserhalb der Sichtweite. Heute sind in der Schweiz über 128'000 Drohnenpilotinnen und -piloten registriert. Wir arbeiten daran, dass diese neue Technologie sicher in den Luftraum integriert wird.

In der Schweiz ist nicht geregelt, wer für einen Drohnenabschuss zuständig ist. Der Bundesrat hat im April eine Arbeitsgruppe eingerichtet, die bis heute nicht getagt hat. Warum dauert alles so lange?
Aus unserer Sicht ist klar, dass die Zuständigkeiten rasch geklärt werden müssen. Das Bazl ist bereit, seinen Beitrag zu leisten.

Deutschland diskutiert die Frage, ob AKW-Betreiber Drohnen selbst abschiessen dürfen. Ein Szenario für die Schweiz?
Ein Abschuss ist heikel, da herabstürzende Trümmer massive Schäden verursachen können. Aktuell gibt es in der Schweiz keine rechtliche Basis, die einem Unternehmen wie einem AKW-Betreiber das Recht einräumt, Drohnen eigenmächtig abzuschiessen. Um AKW zu schützen, ist etwa der Überflug eingeschränkt. Wer es trotzdem tut, riskiert eine Busse.

Hat die Schweiz die Zeitenwende noch nicht begriffen?
Wir machen vorwärts. Ein konkretes Beispiel ist der U-Space im Raum Zürich, also digitale Verkehrsregeln für Drohnen. In einem stark benutzten Luftraum wie über Zürich gibt es das Risiko, dass die Luftraumnutzenden sich gefährlich annähern. Seit Ende 2025 läuft ein Testbetrieb. Die ersten Ergebnisse sind positiv.

Warum nur Zürich? Warum gibts keinen U-Space für die gesamte Schweiz?
In den Alpen oder über unbewohntem Gebiet braucht es keine komplexen digitalen Verkehrsdienste. Wir setzen den U-Space dort ein, wo der Flugverkehr am dichtesten ist. Um die sichere Integration der Drohnen zu gewährleisten und die Sicherheit im gesamten Schweizer Luftraum zu verbessern, arbeiten wir zudem an einem Projekt, das alle Pilotinnen und Piloten verpflichtet, im Luftraum elektronisch sichtbar zu sein.

Deswegen sind Hobbyflieger nicht gut aufs Bazl zu sprechen! Was kostet so ein Transponder?
Je nach Gerät zwischen 400 und 4000 Franken – allerdings gibt es Subventionen. Wir können Gesuche für ein solches Gerät noch bis Ende November 2026 mit bis zu 70 Prozent unterstützen.

Wie bitte? Hobbypiloten sind reich genug, um so etwas selbst zu zahlen!
Die Gelder stammen aus der Mineralölsteuer. Wir investieren in Umweltprojekte, die Flugsicherung von Regionalflugplätzen, die Ausbildung von Pilotinnen und Piloten oder eben in elektronische Geräte wie Transponder, um den Luftraum noch sicherer zu machen. Wenn das Fliegen sicherer wird, profitieren davon alle.

Warum stecken Sie nicht mehr Geld in Umweltprojekte? Die Fliegerei ist mitverantwortlich für den Klimawandel.
Das muss die Politik entscheiden. Die Gelder aus der Spezialfinanzierung sind zweckgebunden – und es gibt einen Verteilschlüssel.

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