Darum gehts
- 2024 zählte der Bund 68’040 Staustunden, rund 20 Prozent mehr als im Vorjahr
- Röstis Astra prüft an über 120 Zufahrten Rampendosierungen
- Kantone und Städte rügen den fehlenden Einbezug
Auf den Schweizer Autobahnen stockt es. Vergangenes Jahr zählte der Bund 68’040 Staustunden – rund 20 Prozent mehr als im Vorjahr. Verkehrsminister Albert Rösti (59, SVP) will dem entgegenwirken: Autos sollen künftig nur noch dosiert auf die Nationalstrassen gelangen – mithilfe von sogenannten Rampendosierungen. An über 120 Zufahrten, insbesondere rund um Zürich, Basel und in der Westschweiz, prüft sein Bundesamt für Strassen (Astra) derzeit den Einsatz von Ampelanlagen, die Fahrzeuge gestaffelt auf die Autobahnen lassen sollen. Das Ziel: Staus und Auffahrunfälle vermindern.
Bereits heute gibt es in der Schweiz 15 solcher Anlagen. Doch das Astra plant eine deutliche Ausweitung. Dabei nimmt die Behörde gar in Kauf, dass sich der Verkehr auf den Hauptstrassen stauen könnte. Das sorgt für viel Kritik.
Kantone und Städte hoffen auf Mitarbeit
Laut einer internen Aktennotiz, die dem «Tages-Anzeiger» vorliegt, fiel der Entscheid zur Offensive bereits Ende Januar 2025 – kurz nach dem Volks-Nein zum Ausbau der Nationalstrassen. Kantone und Gemeinden, die von den potenziellen Massnahmen betroffen sind, wurden bisher kaum einbezogen. So prüft das Astra allein im Raum Basel 19 Standorte für neue Rampendosierungen – ohne die betroffenen Behörden zu konsultieren.
Gegenüber dem «Tages-Anzeiger» machen Vertreter der Kantone Basel-Stadt und Schaffhausen ihren Unmut kund – und hoffen, dass das Astra sie vor der effektiven Umsetzung doch noch einbindet. Auch der Schweizerische Städteverband sieht Nachholbedarf. «Mehr Verkehr bedeutet auch zusätzliche Belastungen für den Fuss- und Veloverkehr sowie Auswirkungen auf die Verkehrssicherheit», teilt der Verband der Zeitung mit. Die Städte fordern deshalb, dass die Schnittstellen zwischen Nationalstrassen und städtischem Netz besser abgestimmt werden.
Studien aus dem Ausland zeigen Wirkung
Trotz der Kritik bleibt das Astra bei seinem Kurs. Die Dosierungen seien das «einzige Instrument», um den Zufluss gezielt zu steuern, so die Behörde. Studien aus Deutschland und den Niederlanden würden zeigen, dass sie die Kapazität an Zufahrten um bis zu fünf Prozent erhöhen und Staus sowie Unfälle reduzieren können.
Die Herausforderung: Wird der Verkehr zu stark gebremst, staut es sich auf den Zubringerstrassen. Werden zu viele Fahrzeuge auf die Autobahn gelassen, kommt der Verkehr dort zum Erliegen. Laut dem Astra ist es daher entscheidend, «die richtige Menge Fahrzeuge durchzulassen».