Wegen «Verkehr '45»
Diese Schweizer Regionalverbindungen bangen um ihre Zukunft

Der Bund plant die Schweizer Verkehrsinfrastruktur zu modernisieren. Doch Kürzungen und Einsparungen sorgen für Proteste – betroffen sind Regionalzüge von Burgdorf bis ins Glarnerland.
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Mit einem landesweiten Projekt will Bundesrat Albert Rösti die Schweizer Verkehrsinfrastruktur modernisieren. Doch die Pläne sorgen für Widerstand.
Foto: Keystone

Darum gehts

  • Röstis «Verkehr ’45» stösst wegen Kürzungen auf Widerstand
  • Berner Gemeinden kämpfen um den Halbstundentakt
  • Auch in Winterthur sowie der Ost- und Westschweiz regt sich Widerstand
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Riccarda CampellRedaktorin Politik

Mehr Züge, weniger Stau, bessere Verbindungen: Mit «Verkehr ’45» will Bundesrat Albert Rösti (59) die Schweizer Verkehrsinfrastruktur fit für die Zukunft machen. Bis am Freitag war die Monstervorlage in der Vernehmlassung. Das Resultat zeigt: Die Ausbaupläne sorgen vielerorts für Widerstand – und wecken die Angst, dass ausgerechnet Regionalbähnli aufs Abstellgleis geraten. Das sind die grössten Streitpunkte.

Im Mittelland gehts dem Halbstundentakt an den Kragen

Heute fährt der Interregio, der die Berner Gemeinden Burgdorf, Langenthal und Herzogenbuchsee via Olten SO mit Zürich und der Ostschweiz verbindet, alle 30 Minuten. Ab 2035 soll er nur noch jede Stunde fahren.

Dagegen wehrt sich Burgdorf. «Dieser seit Jahrzehnten bestehende Verbindungstakt muss weiterhin zwingend gewährleistet bleiben», schreibt die Stadt in ihrer Stellungnahme. Eine Angebotsreduktion sei für Burgdorf, die Agglomeration und den Wirtschaftsstandort Emmental mit mehr als 50’000 Personen nicht tragbar. Auch Langenthal warnt vor den Folgen: «Zürich ist für die Bevölkerung und die Wirtschaft der Region ein wichtiges Zentrum.»

Im Oberland stockt der Ausbau

Nicht nur im Mittelland steht der Halbstundentakt zur Debatte. Auch der geplante Ausbau des Fernverkehrs durch den Lötschberg-Basistunnel könnte ins Stocken geraten. Künftig sollen zusätzliche IC-Züge zwischen Bern und Interlaken sowie zwischen Bern und Brig verkehren. Doch dafür braucht es laut dem Berner Regierungsrat zusätzliche Infrastruktur zwischen Worb und Langnau. Diese fehlt im Botschaftsentwurf.

«Ohne die geplanten Anpassungen der Infrastruktur zwischen Worb und Langnau kann das Angebot im Fernverkehr nicht wie vorgesehen ausgebaut werden», warnt der Regierungsrat. Selbst wenn der Lötschberg-Basistunnel durchgehend doppelspurig befahrbar ist, könnten die geplanten zusätzlichen Verbindungen damit ausbleiben.

Netzausbau zwischen Zürich und Winterthur wird angeblich ausgebremst

Auch in Winterthur wird gespart: Der Bund will auf die geplante Haltestelle Grüze Nord verzichten – zum Ärger des Stadtrats. Die Haltestelle sei «ein wesentlicher Baustein» für die Entwicklung des Bahnhofs Grüze zu einer Verkehrsdrehscheibe. Geplant sind fünf neue Buslinien, die das östliche Stadtgebiet anbinden, sowie beschleunigte S-Bahnen nach Zürich.

Ohne Grüze Nord bleibe die erhoffte Entlastung des überlasteten Winterthurer Hauptbahnhofs jedoch aus, warnt der Stadtrat. Auch der Netzausbau zwischen Zürich und Winterthur werde geschwächt. Angesichts der vergleichsweise geringen Kosten sei die Streichung «weder verkehrlich noch raumplanerisch oder volkswirtschaftlich nachvollziehbar».

Nadelöhr am Walensee bleibt – Verspätungen drohen

In der Ostschweiz fallen geplante Bahnausbauten dem Rotstift zum Opfer. Zwischen Mühlehorn und Tiefenwinkel am Walensee ist die Strecke Zürich–Chur auf rund einem Kilometer nur einspurig. Das führt regelmässig zu Engpässen und Verspätungen.

Der geplante Doppelspurausbau sollte den Fahrplan stabilisieren und den Halbstundentakt im Glarnerland erleichtern. Für die Projektierung waren zehn Millionen Franken vorgesehen. Doch das Vorhaben wurde gestrichen. In der langfristigen Netzentwicklung bis 2045 gilt der Nutzen angesichts der hohen Kosten als zu gering – insbesondere wegen der teuren Tunnelvarianten, die die Region fordert.

Die Ostschweizer Regierungskonferenz geht gegen diesen Entscheid vor: «Wir fordern, dass die Projektierung des Ausbaus im Gebiet Tiefenwinkel weiterhin Teil der Botschaften zum Bahnausbau bleiben», heisst es in einer Mitteilung. Schliesslich sei das Projekt bereits vom Parlament beschlossen und bestätigt worden.

Regionalzug im Jura landet auf dem Abstellgleis

Der Arc Express landet auf dem Abstellgleis. Die geplante Direktverbindung zwischen La Chaux-de-Fonds, Saignelégier und Delsberg sollte die Freiberge im Stundentakt und ohne Umsteigen in Glovelier ans Fernverkehrsnetz der SBB anbinden.

Davon hätte auch die Reisezeit profitiert: Nach Basel oder Pruntrut wären bis zu 30 Minuten eingespart worden. Das Projekt sollte zudem den öffentlichen Verkehr gegenüber dem Auto attraktiver machen. Bis 2040 wird erwartet, dass sich die Personenkilometer auf dem Netz der Chemins de fer du Jura verdoppeln könnten. Trotzdem wurde das Projekt aus dem Programm gestrichen.

Der Verein Arc Express lud deswegen Gemeinden, Institutionen und Bürger dazu ein, bis zum 9. Oktober eine Stellungnahme beim Bundesamt für Verkehr einzureichen. «Eine breite Mobilisierung wird zeigen, dass die Verbesserung des regionalen öffentlichen Verkehrs für den nationalen Zusammenhalt unverzichtbar ist», heisst es in der Mitteilung.

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