Babyboomer-Hüsli im Visier – alt SP-Nationalrätin Bea Heim
«Viele Ältere ziehen nicht um, weil es für sie keine Vorteile gibt»

Der Bund prüft, Einfamilienhausquartiere zu verdichten, da viele Babyboomer-Häuser unterbelegt sind. Pro Senectute unterstützt freiwillige Anreize, warnt jedoch vor Zwangsmassnahmen und fordert altersgerechten, bezahlbaren Wohnraum in vertrauten Quartieren.
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Der Bund will mit einer Studie herausfinden, wie besser verdichtet werden kann, wenn die Babyboomer aus ihren Häusern ausziehen.
Foto: Thomas Imo/photothek.net

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Tobias BruggmannRedaktor Politik

Selten hat eine Studie des Bundesamtes für Wohnungswesen derart für Aufsehen gesorgt: Der Bund will herausfinden, wie Einfamilienhausquartiere verdichtet werden können, wenn die geburtenstarken Jahrgänge dereinst aus ihren Häusern ausgezogen sind

Die Babyboomer-Generation besitzt einen grossen Teil der Einfamilienhäuser. Viele wohnen heute allein oder zu zweit in Häusern, die einst für Familien gebaut wurden. Gegenüber Blick spricht das Bundesamt für Wohnungswesen von «rund 300'000 Einfamilienhäusern auf grosszügigen Parzellen, die häufig unterbelegt sind und von einer zunehmend älteren Bewohnerschaft bewohnt werden».

Ein grosser Teil der Blick-Leserinnen und -Leser will nicht, dass der Bund Anreize setzt, damit ältere Menschen aus ihren Häusern in kleinere Wohnungen zügeln.

SP-Heim: «Ein Umzug fühlt sich an wie ein Verlust an Heimat»

Alt SP-Nationalrätin Bea Heim findet es richtig, Verdichtungspotenzial zu suchen. «Der Boden in der Schweiz ist ein knappes Gut.» Für viele ältere Leute sei die emotionale Bindung an das eigene Zuhause aber gross, so die Co-Präsidentin der Vereinigung aktiver Seniorinnen und Senioren. «Ein Umzug fühlt sich an wie ein Verlust an Heimat. Dazu kommt, es fehlt an passenden Alternativen. Es mangelt meist an bezahlbaren altersgerechten Wohnungen in derselben Gegend», so Heim. «Viele Ältere ziehen nicht um, weil es für sie keine Vorteile gibt, weder emotional noch finanziell oder sozial.»

Es brauche nun mehr bezahlbaren Wohnraum in bestehenden Quartieren. Heim schlägt zudem die Förderung von Wohnbaugenossenschaften und generationenverbindenden Wohnformen vor. Das bedeutet, dass zum Beispiel die Grosseltern mit den Kindern und Enkeln zwar unter einem Dach, aber in unterschiedlichen Wohnungen leben.

Sie kritisiert aber auch die Diskussion an sich: «Dem Alter wird zunehmend Mitschuld an der Wohnungsnot zugeschoben», schreibt sie. «Das ist ethisch problematisch und grenzt an Diskriminierung.»

Pro Senectute begrüsst Studie

Auch bei Pro Senectute begrüsst man die Studie. «Der Ansatz ist sinnvoll. Für uns ist jedoch zentral, dass solche Lösungen auf Freiwilligkeit beruhen. Wir lehnen obligatorische Vorgaben oder zusätzlichen Druck klar ab», sagt Mediensprecher Peter Burri Follath. Entscheidend sei, wie allfällige Anreize in der Praxis und im jeweiligen Einzelfall umgesetzt werden.

«Unsere Erfahrung zeigt, dass durchaus eine Bereitschaft für Veränderung besteht. Häufig fehlt es jedoch an passenden Alternativen», sagt er. Besonders wichtig sei ein vertrautes Umfeld, die Nachbarschaft und eine gute Anbindung an den öffentlichen Verkehr. «Gerade in Städten ist es oft kaum möglich, eine kleinere und bezahlbare Wohnung im selben Quartier zu finden.»

Die Umzüge müsse man nicht fördern, «sondern ermöglichen», so Peter Burri Follath. «Wo ein freiwilliger Wechsel gewünscht ist, braucht es geeignete, altersgerechte und bezahlbare Wohnungen in vertrauter Umgebung. Ohne entsprechende Angebote laufen wir in Gefahr, dass solche Appelle wirkungslos bleiben.»

Schon jetzt laufen Pilotprojekte in einzelnen Städten: In Lausanne wird ein Wohnungstausch getestet. Die Familien ziehen in die grössere Wohnung der Senioren. Diese ziehen wiederum in die kleinere der Familie. Die Stadt baut derweil die Räume barrierefrei um. Seit Februar 2024 hätten sich gut 60 Haushalte gemeldet. Doch bislang interessieren sich mehr Familien als Senioren für das Projekt. Letztere haben Angst vor höheren Mieten – solange sie in derselben Wohnung bleiben, profitieren sie von stabileren Preisen.

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