137 Prozent mehr Asylgesuche
Bund rechnet mit mehr Eritreern

Während die Zahl der Asylgesuche zurückgeht, häufen sich Anträge von Eritreern. SEM-Vizedirektor Krauskopf war im Februar in Asmara. Das reicht nicht, findet FDP-Ständerat Damian Müller.
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Bundesrat Beat Jans besucht ein Bundesasylzentrum in Basel.
Foto: Keystone

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Die Schweiz intensiviert den Dialog mit Eritrea seit Februar 2026
  • Männer aus Eritrea könnten wegen Wehrdienst wieder fliehen
  • 2025 stiegen Primärgesuche aus Eritrea um 137 % – auf 2191
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Raphael RauchBundeshausredaktor

Probleme zwischen der Schweiz und Eritrea können ganz banal sein. Im Dezember 2024 schickte die Schweiz Geräte nach Asmara, damit die Behörden Dokumente besser kontrollieren können. Doch die Prüfgeräte kamen nicht an: «Da kein persönlicher Adressat angegeben war, lagen die Pakete seit Dezember unberührt im Aussenministerium bei der Post», hält das Staatssekretariat für Migration (SEM) in einem internen Bericht fest. Erst eine Suchaktion brachte die Pakete zum Vorschein.

Andere Probleme sind schwieriger zu lösen. Der Bund geht davon aus, dass die Zahl der Migranten aus Eritrea in den kommenden Jahren zunehmen wird. Zwar meldet Asmara keinen «markanten Anstieg» der Ausreisen. Doch sowohl die Schweiz als auch internationale Organisationen beobachten ein hohes Ausreiseniveau, eine vorsichtige Öffnung der eritreischen Behörden – und Anzeichen dafür, dass ein Teil der Diaspora zwar zurückkehrt, dann aber wieder nach Europa will.

Rückkehrern droht Militärdienst

Wie stark die Migration zunehmen wird, ist unklar. «Während der Migrationsdruck aufgrund des Konfliktrisikos mit Äthiopien und der schwierigen Wirtschaftssituation eher noch zugenommen hat, sind die Fluchtrouten aus Eritrea schwieriger und gefährlicher geworden», schreibt das SEM in einem Bericht, den Blick mithilfe des Öffentlichkeitsgesetzes einsehen konnte.

Ein weiteres Problem: der drohende Militärdienst für Rückkehrer. «Eritreer mit einem Aufenthaltstitel im Ausland erhalten während drei Jahren einen Diasporastatus, welcher sie von nationalen Pflichten befreit», schreibt das SEM. «Nach drei Jahren im Land erlischt dieser Status und sie unterliegen beispielsweise wieder dem Nationaldienst.» Diese Frist soll neu auf ein Jahr verkürzt werden. Dies könnte Männer motivieren, erneut die Flucht Richtung Schweiz anzutreten.

SEM-Vizedirektor in Asmara

Inzwischen hat das SEM den politischen Dialog mit Eritrea intensiviert. Ende Februar 2026 reiste SEM‑Vizedirektor Hendrick Krauskopf (42) zu einem bilateralen Dialog nach Asmara. Ziel war es, die Beziehungen zu vertiefen. Es ist der höchste Schweizer Besuch seit Jahren; zuletzt reiste 2019 ein SEM‑Vizedirektor nach Asmara.

Andere europäische Länder gehen weiter und haben bereits Minister nach Asmara geschickt. Der Bundesrat lehnt einen politischen Dialog mit Eritrea auf höchster Ebene ab: Bern will den Diktator Isayas Afewerki (80), der das Land seit über 30 Jahren mit eiserner Hand regiert, nicht aufwerten. Die Zurückhaltung des Bundes kritisiert FDP-Asylpolitiker Damian Müller (41). Der Luzerner Ständerat zu Blick: «Wer jahrelang Parlamentsaufträge ignoriert, nimmt neue Asylwellen billigend in Kauf. Eritrea ist eine strategische Frage der Migrationspolitik. Jetzt braucht es Führung, Dialog auf höchster Ebene und verbindliche Resultate statt weiteres Zuwarten.»

137 Prozent mehr Primärgesuche aus Eritrea

Während die Zahl der Asylgesuche zurückgeht, häufen sich Gesuche von Eritreern. Verglichen mit 2024 stiegen deren Asylgesuche im Jahr 2025 um 63 Prozent – von 2093 auf 3415 Gesuche. Die Primärgesuche wuchsen sogar von 923 auf 2191 an, ein Plus von 137 Prozent. Als Hauptgrund für den Anstieg 2025 macht das SEM aus, dass vermehrt Personen aus Ostafrika nach Süditalien kämen und dann weiterzögen; die meisten Eritreer waren bereits länger in Libyen.

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