Fünf Länder sind dieses Jahr nicht am Eurovision Song Contest dabei: Irland, Island, Niederlande, Slowenien und Spanien. Sie boykottieren den Musikwettbewerb wegen der Teilnahme Israels.
Dies zeigen sie nicht nur mit ihrer Nicht-Teilnahme, sondern auch mit dem TV-Programm ihrer öffentlich-rechtlichen Fernsehstationen am ESC-Finaltag. Das niederländische Fernsehen NPO überträgt den ESC-Final am Samstagabend als einzige Nation der fünf Boykott-Länder.
Slowenien zeigt politische Doku
Die irische TV-Station RTÉ setzt zur Hauptsendezeit auf Unterhaltung und zeigt zwei verschiedene Filme. Der isländische Sender RÚV berichtet die ganze Nacht lang live von den Kommunalwahlen, die am Samstag stattfinden.
Der spanische öffentlich-rechtliche Rundfunk RTVE setzt auf eine eigene Musikshow. In der Sendung «La Casa de la Música» treten über 20 spanische Künstlerinnen und Künstler auf.
Für ein politisches Statement hingegen sorgt der slowenische TV-Sender RTV SLO. Zur besten Sendezeit zeigt er anstatt dem ESC-Finale eine gesellschaftspolitische Dokumentation über eine israelisch-palästinensische Satirikerin.
Grossdemonstration in Wien
Am ESC-Finaltag wurde der Israel-Protest auch in der Gastgeberstadt Wien nochmals lauter. Nach mehreren kleineren Demonstrationen während der ESC-Woche, versammelten sich am Samstag mehrere Hundert Personen, um unter dem Motto «Keine Bühne für den Völkermord» zu protestieren.
Mit Parolen wie «Raus Israel, raus aus dem ESC» oder «Boykott Israel» marschierten sie am Samstagnachmittag durch die Wiener Innenstadt bis zur Stadthalle, dem Austragungsort der Musikshow.
«Wir sind dagegen, dass Israel am Song Contest teilnimmt», sagen Grillie (41) und Azade (44) aus Graz. Die türkische Studentin Eylül (25) fügt an: «Russland ist ausgeschlossen, wie es auch Israel sein sollte.»
«Wir wollen zeigen, dass wir aus der ganzen Welt zusammenkommen, um dagegen zu protestieren», sagt Otto Schmidt (21), der für den Protest extra vom Bodensee her angereist ist.
Was ist, wenn Israel gewinnt?
Für die Demonstrierenden ist klar: «Kunst, Kultur und Musik können nie neutral sein.» Israels ESC-Auftritt sei ihrer Meinung nach eine reine Propaganda-Show. Sollte Israel im ESC-Final gewinnen, wäre das eine «Katastrophe», sagt Azade aus Graz. Für Otto Schmidt und sein Freund ist klar: «In diesem Fall würden wir nächstes Jahr noch mehr Leute dazu bringen, dagegen zu demonstrieren.»
Zwischen vielen Palästina-Flaggen wehte auch eine spanische Fahne im Wind. «Wir finden es super, dass fünf Länder den ESC dieses Jahr boykottieren. Eigentlich sollten das alle Nationen machen», so Schmidt.
Der Demonstrationszug wurde von vielen Einsatzkräften der Wiener Polizei begleitet. «Die Wiener Polizei steht uniformiert und zivil im Grosseinsatz», sagt Polizeisprecher Philipp Hasslinger auf Anfrage von Blick. Genaue Zahlen will die Polizei nicht nennen. Hasslinger betont aber, dass die Demonstration ohne nennenswerte Vorfälle verlaufen sei.
Das Finale des Eurovision Song Contest ist am 16. Mai um 21 Uhr auf SRF 1 zu sehen.