Darum gehts
- Rabea Lüthi, 28, gewinnt im Januar 2026 den Prix Swissperform Nachwuchspreis
- Preisgeld von 10'000 Franken ermöglicht Brasilien-Reise und berufliche Pläne
- Film «Sami, Joe und ich» 2020 beim Zurich Film Festival ausgezeichnet
Rabea Lüthi (28) kann zeichnen, spielt Tennis, mag Piercings und Tattoos, Silberschmuck («ohne meine Ringe fühle ich mich nackt») und Pflanzen, raucht selbst gedrehte Zigaretten, bezeichnet sich als queere schwarze Person und weiss schon mit zehn Jahren, dass die Schauspielerei passt. «Ich war ein sehr schüchternes und unsicheres Kind. Ich hatte Ängste, traute mich oft nicht zu sprechen und konnte nicht für mich einstehen. In der Musikklasse führten wir zweimal ein Musical auf. Da merkte ich, dass die Bühne für mich ein sicherer Ort ist als das echte Leben. Plötzlich konnte ich laut sein, komisch sein, hässlich sein und empfand keine Scham. Nur eine Form von Euphorie», erzählt Rabea Lüthi.
Während des Gymnasiums – Rabea Lüthi wächst mit der Mutter und drei Brüdern in Basel auf – wählt der Teenager das Freifach Theater und spielt beim Jungen Theater Basel mit. Dort wird Rabea von der Schweizer Regisseurin Karin Heberlein entdeckt und bekommt gleich eine Hauptrolle im Kinofilm «Sami, Joe und ich». «Das Filmbusiness war für mich vor der Anfrage kein Thema. Denn ich dachte, ich passe nicht ins klassische Film-Schönheitsideal. Dann hat es aber doch geklappt. Und es war gar nicht so schlecht», sagt Rabea und lacht. Der Spielfilm wurde übrigens am Zurich Film Festival 2020 das erste Mal gezeigt – und auch ausgezeichnet. Auch der Streaming-Riese Netflix führte «Sami, Joe und ich» in seinem Programm.
«Maloney» und «Tatort»
Dann gehts Schlag auf Schlag: 2024 schliesst Rabea Lüthi das vierjährige Schauspielstudium an der Akademie für Darstellende Kunst Baden-Württemberg ab, spielt in Werbe- und Kurzfilmproduktionen mit, macht Hörspiele und ist auf Theaterbühnen in Zürich, Berlin und Bochum zu sehen. Vor wenigen Wochen war Rabea in Köln an der Filmpremiere der Krimikomödie «Fabian und die mörderische Hochzeit» mit dem deutschen Star Bastian Pastewka – das Talent ist in einer Nebenrolle zu sehen. Wie auch diesen März in einer «Tatort»-Folge. Und dann gab es da die Rolle der ehrgeizigen Jungdetektivin Lea Bleising in der SRF-Serie «Maloney» – neben den Schauspielern Marcus Signer und Stefan Kurt. Eben die Rolle, mit der Lüthi im Januar den Prix Swissperform in der Rubrik «Nachwuchs» erhält. Immerhin dotiert mit 10'000 Franken.
Dieser Artikel wurde erstmals in der «Schweizer Illustrierten» publiziert. Weitere spannende Artikel findest du auf www.schweizer-illustrierte.ch.
Dieser Artikel wurde erstmals in der «Schweizer Illustrierten» publiziert. Weitere spannende Artikel findest du auf www.schweizer-illustrierte.ch.
«Der Preis kam völlig unerwartet. Ich habe mich unglaublich gefreut! Es ist eine Mega-Ehre. Ausserdem ist die Summe sehr grosszügig», schwärmt Rabea Lüthi über die Auszeichnung. «Dieser Betrag ermöglicht mir einen schönen Start ins neue Jahr.» Und Ferien. Rabea Lüthi reist nun einen Monat lang mit Freunden durch Brasilien. «Ich freue mich auf dieses Land, obwohl ich kein Portugiesisch kann und auch sonst nichts mit Brasilien zu tun habe. Aber die Menschen werden mich für einmal nicht als ‹anders› wahrnehmen. Ich kann einfach mal Teil einer Mehrheitsgesellschaft sein, Teil einer Masse, einfach mal unsichtbar sein. Das hatte ich noch nie in meinem Leben», erzählt Rabea Lüthi.
Sperrgut und Liebe
Rabea Lüthi wohnt zur Untermiete zusammen mit zwei Freundinnen in einer kleinen Wohnung in Zürich. Obwohl das Talent heute gut von der Schauspielerei leben kann, ist es schwierig, eine eigene Wohnung in der Stadt zu finden, da Rabea keinen festen Arbeitsvertrag vorweisen kann und kein regelmässiges Einkommen hat. Bei freiberuflich Kunstschaffenden quasi ein Greifen nach dem Wind.
Rabea Lüthis Zimmer ist hübsch und gemütlich. Eingerichtet mit Möbeln, die eine Geschichte erzählen. «Ich liebe Sperrgut. Es gibt nichts Cooleres, als gratis Dinge mitzunehmen. Ich gehe aber auch in Brockenhäuser. Denn ich mag Sachen, die schon einmal geliebt worden sind. Wozu brauchen wir immer wieder Neues, wenn es ja schon so viele Gegenstände gibt?» Eine Beziehung hat Rabea Lüthi momentan nicht. «Aber ich bin kein Kind von Traurigkeit.» Sagts und lacht laut. «Am liebsten bin ich eh alleine. Oder mit einem Menschen, mit dem man gut zu zweit allein sein kann.»
Nachdenklich wird Rabea Lüthi, wenn es um die Zukunft geht. Nicht die eigene. Sondern die der Welt. «Ihr Zustand macht mir wahnsinnig viel Sorgen. Da wir heute Zugang zu so vielen Informationen und Videos haben, bekommt man tagtäglich mit, wie grausam die Welt ist. Trotzdem versuche ich, die Hoffnung nicht zu verlieren.»
Science-Fiction und Ruhm
Gehts um die berufliche Zukunft, steht die zurzeit in den Sternen. Noch ist nicht klar, was Lüthi nach den Ferien auf dem südamerikanischen Kontinent machen wird. Eine Idee ist das Schreiben eines Stücks. Oder das einer Serie. Ein Wunsch wäre auch das Mitspielen in einem Fantasy- oder Science-Fiction-Film oder einer Serie. «Es würde mir Spass machen, in einer Welt mitzuspielen, die sehr weit weg ist von unserer Realität. Ich mag es, wenn aus scheinbar nicht echten Elementen Geschichten geformt werden, die viel mit uns zu tun haben. Aber leider werden solche Genres selten in der deutschsprachigen Filmindustrie produziert.»
Rabea Lüthi wünscht sich zudem eine Gesellschaft, in der Schauspielende nicht idealisiert oder auf Podeste gestellt werden, sondern als das gesehen werden, was sie sind: Menschen, die einfach ihren Beruf ausüben.