«Stars in Town»-Direktor Adrian Brugger plaudert aus dem Nähkästchen
«Das Publikum war ziemlich enttäuscht»

Alles begann vor 20 Jahren beim Pizzaessen. Heute ist Stars in Town aus Schaffhausen ein Festival der grossen Namen. Gründer Adrian Brugger über eine Millionenpleite, lustige Star-Momente – und warum er zuversichtlich in die Zukunft schaut.
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Stars zum Anfassen: Lenny Kravitz und Lewis Capaldi stehen als Pappfiguren in Bruggers Büro. Damit sie auch auf die Bühne kommen, brauche es «Geld, ein gutes Netzwerk und Hartnäckigkeit».
Foto: Nik Hunger

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Adrian Brugger organisiert Stars in Town mit 65000 Besuchern in Schaffhausen
  • Budget von 7,5 Millionen Fr. für Schweizer und internationale Künstler
  • Festival hat 700 Freiwillige und begann 2010 mit Simple Minds
Andrea Germann
Schweizer Illustrierte

Lässig kurvt Adrian «Adi» Brugger (59) mit seinem orangen Citroën Méhari über den Herrenacker in der Schaffhauser Altstadt. Vor der Mainstage von «Stars in Town» hält er an. Wo vor wenigen Stunden noch Tausende feierten, läuft bereits der Abbau. «Hier kommt sein kurzes Fazit», sagt der Festivaldirektor. (Gesamtzahl) Besucherinnen und Besucher kamen zur 15. Ausgabe, auf der Bühne standen Schweizer Acts wie Lo & Leduc und Weltstars wie Lenny Kravitz (62) oder Lewis Capaldi (29). «Dass wir solche Künstler nach Schaffhausen bringen, macht mich sehr stolz.»

Wie ihm das gelingt? «Es braucht Geld, ein gutes Netzwerk und Hartnäckigkeit», erklärt der Unternehmer, der bei Stars in Town ein Budget von rund 7,5 Millionen Franken verwaltet und früher unter anderem als CEO bei Starticket arbeitete. Vieles bleibe unberechenbar: «Ein Act muss im richtigen Moment durch Europa touren, Schaffhausen muss in die Route passen – und am Ende muss auch das Management mitspielen.» Brugger: «Das Festivalbusiness ist ein Haifischbecken.»

Immer auf Achse: Mit seinem Business-Méhari ist der Stars-in-Town-Gründer Adrian Brugger auf dem Herrenacker unterwegs und schaut nach dem Rechten.
Foto: Nik Hunger

Vom Pizzaabend zum Festival

Die Idee entstand vor 20 Jahren beim Pizzaessen mit den Mitgründern Thomas Nyffenegger und Simon Vogel. Vier Jahre später, 2010 ging die erste Ausgabe über die Bühne. Gleich zum Auftakt seien die Headliner Simple Minds vor dem Gotthard festgesteckt und erst kurz vor Mitternacht mit Polizeieskorte eingetroffen. Brugger lacht. «Wir sagten uns: Wenn wir das überleben, schaffen wir auch alles andere.»

Kurz darauf führt er durch das Büro der Stars in Town AG. Fünf Mitarbeitende arbeiten als Festangestellte, während des Festivals kommen rund 700 Freiwillige dazu. «Ohne mein Team wäre das unmöglich, sie leisten einen fantastischen Job.» An den Wänden hängen signierte Instrumente von Künstlern, die in der Vergangenheit aufgetreten sind, darunter eine Gitarre von Bryan Adams und ein E-Bass von Sting. «Spielen werde ich sie wohl nie können», grinst er. «Als Erinnerungsstücke sind sie aber grossartig!»

Mit den Stars hat er so einiges erlebt. Jan Delay (49) etwa vergass nach einem Ausflug in die Rhybadi seine Akkreditierung. «Die Security erkannte ihn nicht und liess ihn nicht mehr rein», schmunzelt er. Und Rita Ora reiste im Privatjet und in der Limousine an, spielte eine Stunde und verschwand gleich wieder. «Das Publikum war ziemlich enttäuscht.»

Publikumsmagnet: Über 65'000 Fans strömten zur 15. Ausgabe des Festivals – unter anderem seinetwegen: US-Rockstar Lenny Kravitz.
Foto: Julius Hatt for Stars In Town

Überhaupt bleibe jeder Act ein Risiko: «Es ist wie im Casino: Du setzt viel Geld auf einzelne Künstler und brauchst Mut.» Wie schnell das schiefgehen kann, zeigte die zweite Ausgabe: Duran Duran sagte kurzfristig ab, zurück blieb ein sechsstelliges Defizit. Zwar gäbe es Versicherungen, doch die Policen seien sehr teuer. «Wir machen das nicht – ausser, die Künstler verlangen es», sagt Brugger. Die Folge: Nyffenegger stieg aus, Brugger und Vogel übernahmen den Schuldenberg. Später zog sich auch Vogel zurück – und dann kam die Pandemie: «Der Druck machte mir Kummer», sagt Brugger. 2024 schloss er sich deshalb der Gadget Entertainment Group an. «Mit den Jahren wird man vorsichtiger. Heute würde ich kein Musikfestival mehr gründen.»

Auch die Familie packt mit an

Eine halbe Stunde später sitzt er im Garten seines Hauses, wenige Autominuten vom Herrenacker entfernt. Hier lebt er mit seiner Frau Regin (60), mit der er seit 30 Jahren verheiratet ist. Das Paar hat drei Kinder. Joni (30), Lukas (27) und Nina (24). Die Musik sei auch daheim allgegenwärtig: «Ich beschalle gerne den ganzen Garten», grinst er. Regin: «Stimmt. Und wenn er tagelang dieselbe Musik hört, weiss ich, an welchen Acts er gerade ist.»

Starkes Team: Adrian Brugger mit Tochter Nina (l.), Partnerin Regin und Sohn Lukas in ihrem Zuhause in Schaffhausen.
Foto: Nik Hunger

Bei den Bruggers ist «Stars in Town» Familiensache. Sohn Lukas begann beim WC-Putzen und Glaceverkaufen, heute gehört er zum festen Team und kümmert sich etwa um Produktionsleitung und Infrastruktur. Nina, die als Primarlehrerin arbeitet, unterstützt, wann immer sie Zeit hat. Nur Joni tanzt aus der Reihe: Der Künstler verbringt den Sommer auf einer Alp und stellt Geissenkäse her. «Er lebt seinen Traum und hat viel von meiner Energie», sagt Adrian Brugger stolz.

Artikel aus der «Schweizer Illustrierten»

Dieser Artikel wurde erstmals in der «Schweizer Illustrierten» publiziert. Näher dran – an Stars, Royals und Menschen mit Geschichten. Hier gehts zum Abo!

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Letztere lässt der Zürcher beim Sport raus – beim Tennis oder beim Klettern. Gerade nach der anstrengenden Festivalphase brauche er Bewegung mehr denn je. «Über den Körper kann ich die Anspannung abbauen und danach besser schlafen», erzählt Brugger, der bald den 60. Geburtstag feiert. Hat er sich schon Gedanken über die Zukunft des Festivals gemacht? «Klar frage ich mich manchmal, wie viele gute Jahre mir noch bleiben», sagt er. Künftig will er mehr Verantwortung abgeben. Ganz loslassen möchte Brugger «Stars in Town» aber nicht: «Dafür habe ich zu viel Herzblut in mir!»

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