Darum gehts
- Sido begeistert zum 6. Mal beim Open Air Frauenfeld
- Er setzt klare Grenzen, lässt People-Pleasing hinter sich, bleibt im «Hier und jetzt»
- Festival-Voting: Sido bisher jedes Mal Platz 1, Publikum liebt echten Hip-Hop
Seit 25 Jahren prägt der Berliner Rapper Sido (45) die deutschsprachige Hip-Hop-Szene wie kaum ein anderer. Doch wenn es einen Ort gibt, an dem der Ausnahmekünstler die ganz besondere Verbindung zu seinen Fans spürt, dann ist es die Grosse Allmend im Thurgau. Bereits zum sechsten Mal steht Sido im Line-up des Open Air Frauenfeld – dem für ihn «geilsten Hip-Hop-Festival Europas». Blick traf den Berliner hinter den Kulissen zum Interview. Dort sprach er über seinen inneren Wandel, das Ende ungesunder «People-Pleaser»-Zeiten und warum er heute sogar seine eigenen Vorbilder hinter sich gelassen hat.
Blick: Sido, auf TikTok wird viel über die sogenannten Rider gesprochen – also die Liste mit den Wünschen, die Künstler für ihren Backstage-Bereich haben. Gibt es bei Ihnen auch etwas Skurriles?
Ich wünsche mir Handtücher aus dem Eisfach. Das ist eigentlich total unsinnig, weil man sie herausnimmt und sie sofort warm werden. Aber das ist einfach mein persönlicher kleiner Mariah-Carey-Quatsch, den ich mir da erlaube.
Wir sind am Open Air. Würden Sie selbst hier campen? Und was wären drei Dinge, die Sie mitnehmen würden?
Ja, absolut. Ich würde hier campen. Bevor ich bekannt war, habe ich immer auf Festivals gecampt. Das war jedes Mal ein riesiges Rambazamba. Wenn ich heute campen würde, wären meine drei Dinge: eine vernünftige, trockene Campingausrüstung. Gute Freunde, mit denen man als feste Gang zusammenbleibt. Und genug Geld oder richtig geiles Essen. Obwohl – Geld kann man ja quasi auch essen, das schmeckt auch gut.
Was macht das Open Air Frauenfeld Ihrer Meinung nach aus?
Das Frauenfeld ist für mich das geilste Hip-Hop-Festival in ganz Europa. Das war es schon immer. Das Festival macht nach dem Abschluss immer ein Voting, wer der beste Act war, und bisher bin ich jedes Mal, wenn ich hier war, auf Platz 1 gelandet. Ich kriege einfach extrem viel Liebe von den Leuten hier. Jedes Mal, wenn ich im Tourplan sehe, dass ich auf dem Frauenfeld spiele, bin ich glücklich. Dann weiss ich: Das Jahr läuft, das wird gut.
Sido zählt zu den ganz Grossen des deutschsprachigen Hip-Hop. Geboren als Paul Würdig in Ost-Berlin, gelang ihm im Jahr 2012 mit dem Song «Mein Block» der Durchbruch. Heute hat er über 13 Millionen Tonträger verkauft, fünf Nummer-eins-Alben sowie Auszeichnungen wie der MTV Europe Music Award, zwei Echos und ein Swiss Music Award. Von 2012 bis 2022 war er mit Moderatorin Charlotte Würdig (47) verheiratet. Sido hat fünf Kinder, zwei aus der Ehe mit Würdig und drei weitere aus anderen Beziehungen.
Sido zählt zu den ganz Grossen des deutschsprachigen Hip-Hop. Geboren als Paul Würdig in Ost-Berlin, gelang ihm im Jahr 2012 mit dem Song «Mein Block» der Durchbruch. Heute hat er über 13 Millionen Tonträger verkauft, fünf Nummer-eins-Alben sowie Auszeichnungen wie der MTV Europe Music Award, zwei Echos und ein Swiss Music Award. Von 2012 bis 2022 war er mit Moderatorin Charlotte Würdig (47) verheiratet. Sido hat fünf Kinder, zwei aus der Ehe mit Würdig und drei weitere aus anderen Beziehungen.
Wie sind die Leute hier?
Die gehen einfach extrem ab und haben richtig Bock auf echten Hip-Hop. Das hat man ja auch letztes Jahr gemerkt, als das Publikum den Auftritt von Justin Timberlake boykottiert hat, weil es das nicht so geil fand (lacht). Da hat man gemerkt: Die Leute wollen und verteidigen das Frauenfeld als reines Hip-Hop-Festival.
Sie haben vor ein paar Jahren mal gesagt, dass Sie in Ihrer Karriere eigentlich schon viele oder sogar alle Ziele erreicht haben. Sind jetzt mit dem neuen Album «Frieden» neue Ziele für Sie aufgekommen?
Nö, keine Ziele. Ziele habe ich wirklich alle schon erreicht – mehr, als ich jemals zu erträumen gewagt hätte. Es wäre irgendwie vermessen von mir, jetzt noch weitere Ziele zu haben. Aber ich will mir immer Dinge von der Seele reden. Ich habe bestimmt zwei oder drei Jahre für das Album gebraucht und zwischendurch Songs gemacht. Irgendwann habe ich gemerkt: Ey, das hat sogar einen roten Faden. Es klingt alles nach Frieden und nach meinem neuen Mindset. Genau das ist es: «Frieden» ist mein neues Mindset, und deswegen heisst das Album so.
Machen Sie selbst bestimmte Sachen, um Ihren inneren Frieden zu bewahren?
Ja, ich setze mittlerweile ganz klare Grenzen. Das finde ich extrem wichtig: dass man Grenzen hat, sie aufzeigt, sie wahrt und auch dafür sorgt, dass andere Leute diese Grenzen einhalten. Das bewahrt mir meinen Frieden.
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Würden Sie sagen, dass sie vorher ein «People-Pleaser» waren?
Ja, absolut. Das war auch eines meiner grossen Probleme. Ich bin es tief in mir drin immer noch, aber ich wähle jetzt sehr bedacht aus.
Das Wort «Vorbild» taucht bei Ihnen immer wieder auf. Haben Sie selbst eigentlich noch ein Vorbild?
Nee. Musikalisch gibt es zwar ein paar originelle Leute, die ich toll finde – Helge Schneider zum Beispiel, ältere Herrschaften eben. Was Hip-Hop angeht, vielleicht am ehesten noch Notorious B.I.G. Aber sonst habe ich keine Vorbilder mehr. Sagen wir es mal so: Früher hatte ich welche, aber ich glaube, ich habe sie mittlerweile alle überholt. Ich bin heute besser als meine früheren Vorbilder, und deswegen brauche ich keine mehr.
Das heisst, ein Vorbild ist für Sie nur etwas, nach dem man streben kann – aber es geht Ihnen dabei nicht darum, wie diese Menschen ihr Leben leben?
Doch, auch wie sie ihr Leben leben. Aber ich mache dir ein Beispiel: Meine Mutter hat früher die besten Rouladen meines Lebens gemacht. Heute sage ich: Ich mache die besseren Rouladen. Ich habe sie von ihr gelernt, habe meinen eigenen Twist reingebracht und sie für meinen Geschmack verbessert. Meine Mutter war mal mein Rouladenvorbild (lacht). Mittlerweile bin ich mein eigenes Rouladenvorbild – oder eben das Vorbild für andere.