Ruedi Gerbers Film «Tatti» ist eine Ode ans Leben
Wie ein Schweizer Regisseur ein italienisches Dorf gerettet hat

Ruedi Gerber (70) hat wahr gemacht, wovon viele träumen: Er hat vor über 30 Jahren ein Kleinod in der italienischen Maremma gekauft – und jetzt einen Dokfilm darüber gedreht. Nach «Tatti, Paese di Sognatori» schaut man wieder optimistischer auf die Welt.
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Regisseur Ruedi Gerber hat einem italienischen Dorf neues Leben eingehaucht.
Foto: Ladina Bischof

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Ruedi Gerbers Film über Tatti, «Land der Träumer», startete am 19. März
  • Der Schweizer zeigt, wie das toskanische Dorf mit Resilienz überlebt
  • Tattis erster Naturwein entsteht: Kooperation von Gerber und Verniani-Zwillingen
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«Sempre mi trema 'l cor quando ci vai, perché ho paura che non torni mai», besingt Gianni Nannini (71) den Zauber der Maremma. «Mein Herz bebt jeweils, wenn du dort hingehst, weil ich Angst habe, dass du nicht mehr zurückkommst.»

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Schaut man sich Ruedi Gerbers filmisches Liebeslied über diese sumpfige Region in der südlichen Toskana an, kann man die Sorgen der italienischen National-Bardin nur allzu gut nachvollziehen. Vielleicht hat sich der Schweizer Filmemacher tatsächlich von Nanninis Zeilen zu seinem Projekt verleiten lassen, das «Tatti, Paese di Sognatori» («Tatti, Land der Träumer») heisst, in den Kinos läuft – und wohltuender nicht sein könnte.

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Tatti ist ebendieser Ort mitten im malerischen Nirgendwo, dem «Rudi», wie sie ihn dort nennen, mit Magie, Optimismus und Charme wieder Leben eingehaucht hat – obschon die Zeichen schlecht standen. Vor über 30 Jahren übernimmt Gerber das heruntergewirtschaftete Gut Sequerciani in den Hügeln ebendieser Maremma, baut sich ein Leben neben dem Leben als Regisseur auf. Wer bei seinem Film Pseudo-Selbstversorger-Kitsch aus Sicht des reichen Schweizers befürchtet, darf an dieser Stelle beruhigt sein.

Das Dorf als Mehrkomponenten-Kleber

Gerber zeigt unverblümt, mit welchen Problemen der Weiler und seine Bewohner zu kämpfen haben – Stadtflucht, Überalterung, Langeweile. Schnell wird «Tatti» aber zur Geschichte der romantischen Resilienz – ein Dorf wehrt sich gegen den Niedergang. Gerber ist dabei stets Teil der Erzählung, ohne sich selbst in den Mittelpunkt zu rücken. Die Hauptrolle überlässt er anderen – und kaum ist der Film vorbei, möchte man mit seinen Protagonisten bei einem Glas Ciliegiolo über die Zukunft sinnieren. Den Wein baut Gerber selbst an. In Tatti.

Es braucht übrigens keine dreissig Minuten, da hat man sich in die Verniani-Zwillinge verliebt. Marco und Massimo bewirtschaften das Land seit Generationen; sie sind die letzten Bauern, die dem Weiler noch geblieben sind. Gemeinsam mit «Rudi» graben sie wortwörtlich den Boden um, kombinieren altes Wissen mit Gerbers Innovationsgeist. Das Resultat: Tattis erster eigener Naturwein – und ein Dorf, das langsam wieder beginnt zu wachsen. Plötzlich hält eine Art Mehrkomponenten-Kleber den Ort zusammen: das Wir.

Was wäre so ein schöner Film ohne etwas Melancholie? Während der Dreharbeiten wird Marco Verniani, einer der Zwillinge, von seiner Frau verlassen. Sein Freund Ruedi Gerber und die Dorfgemeinschaft fangen ihn auf – das macht man halt so in Tatti. Höchste Zeit, den Koffer zu packen und hinzufahren. Aber Vorsicht: «Sempre mi trema 'l cor quando ci vai, perché ho paura che non torni mai».

«Tatti, Paese di Sognatori» läuft seit dem 19. März in den Kinos. Die Autofahrt ab der Deutschschweiz dauert zwischen sieben und acht Stunden. 

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