Fabian Biasio produzierte Film über kleine Männer
Grosse Autos, Napoleon und weitere Klischees

Dokfilmer Fabian Biasio widmet sich in seinem neusten Werk «Kleine Männer – Klischees auf Augenhöhe» Vorurteilen über Männer mit bescheidener Körpergrösse vom Napoleon-Komplex bis zu ihren Schwierigkeiten bei der Partnersuche. Der Film läuft am 26. Februar auf SRF 1.
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Filmstill aus «Kleine Männer – Klischees auf Augenhöhe»: Regisseur Fabian Biasio interviewt Maja, eine Teilnehmerin eines spontanen Speed-Dates mit Protagonist Emu Järmann in Luzern (aufgenommen im Mai 2025).
Foto: Fabian Biasio

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Regisseur Fabian Biasio hat einen Dokfilm über kleine Männer gemacht
  • Der Film untersucht, ob es kleine Männer im Leben wirklich schwerer haben
  • «Kleine Männer – Klischees auf Augenhöhe» läuft am 26. Februar auf SRF 1
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Jean-Claude GalliRedaktor People

Kleine Männer? Lösen sofort Assoziationen und Bilder aus. Sind Wadenbeisser, Giftzwerge und überlaute Wichtigtuer, die mit grossen Autos ihr Minderwertigkeitsgefühl kaschieren.

Und da wäre auch der Napoleon-Komplex, geprägt durch Therapeuten-Legende Alfred Adler (1870–1937): kleine Männer, die versuchen, ihre fehlende Grösse durch aggressives, machtbewusstes Verhalten wettzumachen. Wobei der französische Kaiser mit 1,67 für seine Zeit im Mittelmass war und der Ruf seiner Kleinheit durch britische Propaganda entstand.

Fabian Biasio (51), zwei Zentimeter kleiner als Napoleon, hat diesem Themenfeld einen Dokfilm gewidmet. SRF 1 zeigt «Kleine Männer – Klischees auf Augenhöhe» am 26. Februar. Erstmals lief das Werk an den Solothurner Filmtagen im Januar, wo Blick den Regisseur und Fotografen traf.

«Grösse ist meistens relativ»

Die erste Frage ist profan: Was heisst überhaupt klein? Biasios Antwort ist eine Quintessenz des Films und des Lebens generell: «Die Grösse liegt im Auge der Betrachtenden und ist meistens relativ.» Heutzutage gilt schon alles unter 1,80 als klein. Und es gibt kontinentale Unterschiede.

«Ich wähle grundsätzlich Themen, die mich selber berühren», sagt Biasio. Und es wirke glaubwürdiger, wenn ein selber Betroffener einen solchen Film mache. Seine Grösse habe gleichermassen als Türöffner und Schutzmechanismus gedient.

«Wirklich gemerkt, dass ich kleiner bin als der Durchschnitt, habe ich erst zwischen 20 und 25 während der Suche nach einer Partnerin.» Der Umstand, dass sich die meisten Frauen einen Partner wünschen, der grösser ist als sie selber, ist zentraler Bestandteil im Film.

«Für die Freundinnen meiner Frau war das auch ein Thema», erzählt Biasio. «‹Der ist schon ein wenig klein›, hiess es über mich.» Der Unterschied ist allerdings minimal. Er misst 1,5 Zentimeter weniger als sie.

Michael Moore als Vorbild

Im Film begleitet Biasio den Theaterpädagogen Emu Järmann bei seiner Partnersuche und organisiert für ihn ein Speed-Dating. Überhaupt setzt Biasio alle Hebel in Bewegung, um das Thema genau auszuloten. Als Dokfilmer dürfe man sich nicht schonen, sagt Biasio. Das habe er von einem seiner Vorbilder, Michael Moore (71), gelernt. «Der US-Regisseur hatte den Mut, den Sehbereich weit zu öffnen.»

So ist im Film auch Biasio selbst zu sehen. Als er in der Türkei zu Recherchezwecken eine Klinik für Wachstumsoperationen besuchte, wurde er dort auch in Unterhosen gefilmt. «Die Szene ist beim Endschnitt rausgefallen. Doch als Regisseur musst du bereit sein, die Hosen runterzulassen, auch im übertragenen Sinn», umreisst er sein Credo.

«Das Einzige, was ich nicht wollte, ist, dass sich die Leute fremdschämen müssen, wenn sie den Film sehen. Dafür war mein Cutter Isai Oswald zuständig.»

Kritik einkalkuliert

Biasios Sohn kommt ebenfalls im Film vor. Das Publikum ist dabei, wenn ihm sein Arzt Wachstumshormone verschreibt. Ohne deren Einnahme wäre er wohl kleiner geblieben als sein Vater. Nun «überholt» er ihn noch während des Drehs.

«SRF fragte mich, ob sich mein Sohn mit dem Film wohlfühle. Das war für mich eine sehr wichtige Frage. Ich konnte sie schliesslich mit Ja beantworten: Mein Deal mit meinem Sohn war, dass wir ihn nicht etwa als ‹Zwerg› darstellen, sondern als ausgezeichneten Fussballer.» Prompt erzielt er im gezeigten Spiel auch ein Tor.

Biasio könnte damit leben, wenn sich jemand über die hohen Kosten dieser Therapie mokieren würde. «Ich bin natürlich froh, dass die Krankenkasse die Kosten übernimmt. Aber sie ist auch gesetzlich verpflichtet dazu.» Und es gäbe ohne solche Behandlung global betrachtet ganz andere Schäden mit weit dramatischeren Dimensionen, gibt er zu bedenken.

Die «dunkle Triade»

Im Film besucht Biasio die polnische Psychologin Monika A. Kozłowska, die mit ihrer Studie von 2023 den Napoleon-Komplex wissenschaftlich untermauerte und eine geringe Körpergrösse eindeutig mit der «dunklen Triade» in Verbindung brachte.

Die «dunkle Triade» bezeichnet die Persönlichkeitsmerkmale von Narzissmus, Machiavellismus und Psychopathie. Das Gefühl der geringeren Grösse führt zu dominanterem Verhalten.

«Schauen Sie beispielsweise die Atombomben-Drohungen des russischen Ex-Präsidenten Dmitri Medwedew an. Dieses Verhalten hat vermutlich auch mit seiner Grösse zu tun. Und könnte je nach Verwirklichung heftigere Schäden als eine teure Arztrechnung auslösen.»

Biasios Film thematisiert weitere Studien, die die Auswirkungen von fehlender Körpergrösse untersuchten. So eine schwedische Erhebung mit 1,3 Millionen Befragten von 2005. Sie belegt, dass sich kleine Männer aufgrund psychischer Probleme doppelt so häufig das Leben nehmen und weniger verdienen.

Doch wirkt «Kleine Männer – Klischees auf Augenhöhe» bei aller Tragik keineswegs trist. Der Tonfall ist mehrheitlich heiter, das Publikum in Solothurn lachte oft. «Der Film soll den Leuten einen Spiegel vorhalten und an einem gesellschaftlichen Tabu ritzen. Gleichzeitig wollte ich damit durchaus auch unterhalten», so Biasio.

PS: Der Autor dieses Textes misst 1,75 Meter.

«Kleine Männer – Klischees auf Augenhöhe», Donnerstag, 26. Februar, SRF 1, ab 20.05 Uhr 

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