Darum gehts
- Muriel Baumeister (54) spricht über ihren Kampf gegen den Alkoholismus
- Mit 1,4 Promille verursachte sie einen Unfall, Tochter sass im Auto
- Schauspielerin hat drei Entzüge hinter sich, seit zehn Jahren lebt sie trocken
Muriel Baumeister (54) ist trockene Alkoholikerin. Heute kann sie sich eingestehen, dass sie krank war. Doch das war nicht immer so. Die Schauspielerin trank jahrelang und rutschte immer mehr in den Alkoholismus hinein. Irgendwann trank sie zehn Gin Tonics an einem Abend – ohne, dass man ihr etwas anmerkte, wie sie einst «Bunte» erzählte. Ein Champagnerfrühstück hier, ein Glas Weisswein da, das gehörte zum Leben von Baumeister dazu.
Mit 1,4 Promille im Blut wurde sie eines Tages von der Polizei angehalten. Muriel Baumeister hatte mit ihrem Auto eine Leitplanke gestreift. Sie war nicht schnell unterwegs, war eigentlich schon am Ende ihrer Fahrt, doch der Unfall war passiert, die Polizistin vor Ort – und Baumeisters Tochter hinten im Auto mit drin.
«Die haben mich geschlachtet»
«Ich habe mich normal gefühlt und das war eigentlich das Schlimme», sagt sie im Interview mit dem Format «Wendepunkt» vom Potsdamer Selbsthilfeverein SEKIZ. Auch die Polizistin sagte, dass sie es Baumeister nicht angemerkt habe, dass diese zu viel Alkohol getrunken hatte – «wenn sie es nicht gerochen hätte».
Es folgte ein Gerichtstermin – und für Baumeister war klar: «Da gehe ich hin, um zu klären, was zu klären ist, weil ich den Fehler ja gemacht habe.» Es war abgemacht, dass der Vorfall nicht an die grosse Glocke gehängt werde, um keine mediale Aufmerksamkeit zu generieren. «Irgendein Arschloch hat dieses Gerichtsverfahren an die Bild-Zeitung verkauft», erinnert sie sich. Plötzlich standen Reporter bei ihr vor der Tür und der Imageschaden war angerichtet. «Die haben mich geschlachtet», erinnert sich die dreifache Mutter. Der Skandal war damals 2016 gross. Also habe sie ein Buch geschrieben, um ihre Sicht der Dinge zu erzählen.
Die Website alkoholkonsum.ch von Sucht Schweiz bietet umfassende Informationen und Unterstützung rund um das Thema Alkoholkonsum. Sie richtet sich an Menschen, die ihren Konsum reflektieren oder verändern möchten, sowie an Angehörige.
Zudem verweist die Seite auf weiterführende Unterstützungsangebote wie Beratungsstellen, Online-Plattformen und Selbsthilfegruppen. Dieser niederschwellige Zugang ermöglicht den niederschwelligen Zugang zu Hilfsangeboten. Tania Séverin: «Wichtig zu wissen, ist, dass Betroffene weder das Haus verlassen noch die eigene Identität preisgeben müssen, um sich zu informieren und Hilfe zu erhalten.»
Die Website alkoholkonsum.ch von Sucht Schweiz bietet umfassende Informationen und Unterstützung rund um das Thema Alkoholkonsum. Sie richtet sich an Menschen, die ihren Konsum reflektieren oder verändern möchten, sowie an Angehörige.
Zudem verweist die Seite auf weiterführende Unterstützungsangebote wie Beratungsstellen, Online-Plattformen und Selbsthilfegruppen. Dieser niederschwellige Zugang ermöglicht den niederschwelligen Zugang zu Hilfsangeboten. Tania Séverin: «Wichtig zu wissen, ist, dass Betroffene weder das Haus verlassen noch die eigene Identität preisgeben müssen, um sich zu informieren und Hilfe zu erhalten.»
Drei Entzüge waren nötig
Besonders ärgert die Österreicherin die Doppelmoral der Schauspielbranche und Gesellschaft: Einem Mann hätte man einen solchen Fehltritt verziehen. «Männer können sich zu Tode saufen – ich will jetzt keine Namen nennen –, die flechten dann werbewirksam einen Korb und dann war es das. Als Frau in der Branche war es ein No-Go», so Baumeister.
In der Schweiz leben schätzungsweise 250'000 alkoholabhängige Menschen. Das entspricht fast der Einwohnerzahl der Städte Bern und Lausanne zusammen. Laut Sucht Schweiz haben die Behandlungseintritte aufgrund von Alkohol bis 2018 abgenommen, steigen seither aber wieder an. Im Jahr 2022 haben knapp 40'000 Personen wegen einer Suchtproblematik eine Behandlung in einer ambulanten (64 Prozent) oder stationären (36 Prozent) Suchthilfeeinrichtung aufgenommen. Die Hälfte davon sind hauptsächlich aufgrund einer Alkoholproblematik in Behandlung.
83 Prozent der Schweizer Bevölkerung trinkt ab 15 Jahren Alkohol. Dieser Anteil hat sich in den letzten 30 Jahren kaum verändert.
Menschen mit Alkoholproblem oder -abhängigkeit werden als willensschwach oder unzuverlässig eingestuft und für ihre Abhängigkeit selbst verantwortlich gemacht. Die gesellschaftliche Abwertung und Ausgrenzung stellt für Betroffene eine zusätzliche Bürde dar. Die Stigmatisierung hat weitreichende Folgen: Sie stigmatisieren sich oft selbst und entwickeln ein geringeres Selbstwertgefühl. Deshalb zögern sie die Hilfesuche so lange wie möglich heraus oder verzichten vollständig darauf.
Alkoholmissbrauch kann in allen Gesellschaftsschichten vorkommen, unabhängig von Status und Bildung. Jeder kann von problematischem Alkoholkonsum betroffen sein.
Der funktionale Alkoholkonsum, wie ihn Oliver Baer erlebte, vermittelt der konsumierenden Person den Eindruck, dass sie ihren Konsum unter Kontrolle hat und dass er keine Konsequenzen für sie oder ihre Angehörigen hat. Alkohol wird oft als «Bewältigungsstrategie» eingesetzt, um eine schwierige Phase zu überstehen. Sucht Schweiz gibt zu bedenken, dass Alkohol nie eine gute «Hilfe» ist, um «besser zu funktionieren».
Bei Alkohol kann man recht genaue Angaben machen, was ein risikoarmer Konsum ist. Auf der Website www.alkoholkonsum.ch erfahren Interessierte, wo sie mit ihrem Konsum stehen, wie man es schafft, weniger zu trinken und wo man Unterstützung bekommt, wenn der Alkoholkonsum zu viel wird oder bereits geworden ist.
In der Schweiz leben schätzungsweise 250'000 alkoholabhängige Menschen. Das entspricht fast der Einwohnerzahl der Städte Bern und Lausanne zusammen. Laut Sucht Schweiz haben die Behandlungseintritte aufgrund von Alkohol bis 2018 abgenommen, steigen seither aber wieder an. Im Jahr 2022 haben knapp 40'000 Personen wegen einer Suchtproblematik eine Behandlung in einer ambulanten (64 Prozent) oder stationären (36 Prozent) Suchthilfeeinrichtung aufgenommen. Die Hälfte davon sind hauptsächlich aufgrund einer Alkoholproblematik in Behandlung.
83 Prozent der Schweizer Bevölkerung trinkt ab 15 Jahren Alkohol. Dieser Anteil hat sich in den letzten 30 Jahren kaum verändert.
Menschen mit Alkoholproblem oder -abhängigkeit werden als willensschwach oder unzuverlässig eingestuft und für ihre Abhängigkeit selbst verantwortlich gemacht. Die gesellschaftliche Abwertung und Ausgrenzung stellt für Betroffene eine zusätzliche Bürde dar. Die Stigmatisierung hat weitreichende Folgen: Sie stigmatisieren sich oft selbst und entwickeln ein geringeres Selbstwertgefühl. Deshalb zögern sie die Hilfesuche so lange wie möglich heraus oder verzichten vollständig darauf.
Alkoholmissbrauch kann in allen Gesellschaftsschichten vorkommen, unabhängig von Status und Bildung. Jeder kann von problematischem Alkoholkonsum betroffen sein.
Der funktionale Alkoholkonsum, wie ihn Oliver Baer erlebte, vermittelt der konsumierenden Person den Eindruck, dass sie ihren Konsum unter Kontrolle hat und dass er keine Konsequenzen für sie oder ihre Angehörigen hat. Alkohol wird oft als «Bewältigungsstrategie» eingesetzt, um eine schwierige Phase zu überstehen. Sucht Schweiz gibt zu bedenken, dass Alkohol nie eine gute «Hilfe» ist, um «besser zu funktionieren».
Bei Alkohol kann man recht genaue Angaben machen, was ein risikoarmer Konsum ist. Auf der Website www.alkoholkonsum.ch erfahren Interessierte, wo sie mit ihrem Konsum stehen, wie man es schafft, weniger zu trinken und wo man Unterstützung bekommt, wenn der Alkoholkonsum zu viel wird oder bereits geworden ist.
Irgendwann war für sie Schluss. Es musste ein Entzug her. Der erste in einer Klinik, die «sehr gut und sehr teuer» war, blieb erfolglos. Der zweite Entzug in einer Einrichtung, «die weder gut noch teuer» war, nützte ebenfalls nichts. Baumeister wies sich schliesslich in die Psychiatrie in der Berliner Charité ein – und diesmal kam sie trocken raus. «Das war so schrecklich, da wollte ich nie wieder hin», lautet ihr Fazit.
Das ist nun schon zehn Jahre her. Muriel Baumeister kämpft aber noch jeden Tag mit sich und ihrer Krankheit. «Es gibt jeden Tag einen Moment, wo es kippen könnte», gesteht sie – dennoch fühle sie sich gut und habe gemerkt, dass das Leben auch ohne Alkohol möglich sei.