Darum gehts
Was für eine Idylle! Sonnenstrahlen drängen an diesem frühlingshaften Nachmittag durch die noch kahlen Äste in den Garten. Auf einer Holzbank vor dem umgebauten Bauernhaus in Frauenfeld sitzt Pepe Lienhard (79) und öffnet per Knopfdruck das Eingangstor für die GlücksPost. Frau Christine (56) macht die Haustür auf, freudig stürmt die Schäferhündin Whoopi heraus und wedelt um den Besuch herum. Der Big-Band-Leader hat ein Lächeln auf dem Gesicht. Am 23. März feiert er seinen 80. Geburtstag. Wie passend die Schrift auf seinem Pulli: «Pura Vida» – pures Leben! Die GlücksPost hat ihn zu Lebensthemen befragt.
… 80. Geburtstag
«Da mein Jubiläum auf einen Montag fällt, feiere ich etwas später mit meiner Familie in einem meiner Lieblingsrestaurants ganz privat. Mit dabei sind natürlich meine Frau Christine, meine vier Kinder, ihre Partner und meine Enkel. Da kommen schon ein paar Leute zusammen. Ich habe nie vorausgeplant oder mich gefragt, wie es mal sein wird, 80 zu werden. Auch dachte ich mit 30 nicht, dass ich ‹Swiss Lady› bis 60 oder gar bis 80 spielen würde. Nun, da die Zahl da ist, macht sie mir keine Angst. Ich bin schon länger alt und einfach sehr dankbar, dass ich mich gut fühle, auftreten kann und unsere Band noch existiert. Das ist alles nicht selbstverständlich. Aber klar, 80 ist ein relativ hohes Alter für jemanden, der noch im Musikgeschäft tätig ist.»
Dieser Artikel wurde erstmals in der «GlücksPost» veröffentlicht. Mehr aus der Welt der Schweizer Prominenz, Royals und Sportstars erfährst du immer donnerstags in unserem Heft: zum Abo!
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… das Alter
«‹Jung geblieben› höre ich lieber als ‹rüstig›. Ich habe aber nie versucht, krampfhaft etwas zu sein. Älter werden per se ist nicht lustig, aber ich finde es sehr wichtig, das Alter zu akzeptieren. Auch ich kann nicht mehr rumspringen wie früher, aber ich mache noch immer, was mir Spass macht. Gott sei Dank ist mir das vergönnt! Und ich bin nach wie vor ‹gwundrig›. Neugier und auch Offenheit sind keine Auszeichnungen der Jungen, aber wer nicht mehr neugierig ist, ist alt. Musiker Quincy Jones sagte einst: ‹Mit jungen Menschen kann ich über Musik reden, mit Gleichaltrigen nur über Gebrechen.› Mit dem Alter wurde ich gelassener, früher konnte ich auch mal cholerisch sein. Nicht zuletzt darf ich auch selektiver mit Freundschaften sein. Ich will nur noch mit Leuten zusammen sein, die mir persönlich guttun.»
… die Gesundheit
«Ich bin definitiv fitter als vor zehn Jahren. Ich schaue, dass ich möglichst gesund bleibe, und meine Frau unterstützt mich dabei: Mit dem Essen und auch mit Alkohol wird nicht mehr übertrieben. Auch meine Schritte zähle ich gnadenlos. Früher fuhr ich mit dem Auto ins Café, heute gehe ich und nehme im Gegensatz zu früher immer die Treppe. Man sollte das verbessern, was man kann. Wer nicht mehr gut hört, soll ein Hörgerät kaufen. Meines habe ich kürzlich neu eingestellt. Auch habe ich mir vor ein paar Wochen Linsen in die Augen einsetzen lassen. Einfach genial! Ich sehe Dinge, die ich selbst als Zehnjähriger nicht gesehen habe. Gegen Ende Jahr werde ich wohl meine Kniegelenke operieren. Auch fanden die Ärzte heraus, dass ich an Schlafapnoe leide. Seit ich nun ein Gerät habe, spüre ich absolut neue Energie. All das hat nicht nur meine Lebensqualität verbessert, sondern hat auch positiven Einfluss auf mein Umfeld. In einer Beziehung ist es definitiv nicht lustig, wenn der eine nichts versteht.»
… seine Liebe
«Die Partnerschaft mit Christine ist der wichtigste Grund, warum es mir auch mit 80 so gut geht. Meine Frau hat einen sehr guten Einfluss auf mich und unterstützt mich unglaublich. Was sie alles bewältigt, kann sich niemand vorstellen. Ohne sie würde ich viel weniger Termine und Konzerte erledigen, da Christine alles koordiniert. Sie nimmt mir so viel ab – sei es das Autofahren zu Auftritten oder Personelles, wie der Austausch mit den Musikern vor Ort. Das gibt immer extrem viel zu tun. Und überhaupt ist sie einfach eine sehr liebe und dynamische Frau. Eine gute, respektvolle Partnerschaft ist mir wichtig.»
… seine Familie
«Mit meinen Kindern verstehe ich mich sehr gut. Bei meiner ältesten Tochter Nina daheim geht die Post ab mit drei Kindern, einem Hund und zwei Katzen. Sie und Lara sind natürlich mit Tieren aufgewachsen. Meine beiden Söhne Gregory und Flavio, aus früheren Begegnungen, sind nicht bei mir gross geworden. Erst in ihrem Erwachsenenleben entstand ein regelmässiger Kontakt, da hat Christine sehr viel dazu beigetragen. Wir sehen uns zwar nicht sehr oft, aber ich freue mich jeweils sehr, Flavio und Gregory zu sehen. Mit ihnen allen feiere ich nun meinen 80. Eine herzige Familie, die wir haben.»
… seine Jubiläumstour
«Am 27. Mai startet meine ‹Celebration Tour›. Wir besuchen elf Städte in der Deutschschweiz. Damit feiere ich, dass ich so lange auf der Bühne stehen durfte, dass unsere Musik noch immer funktioniert und die Leute immer noch kommen. Es ist für mich ein Dankeschön ans Publikum und meine Weggefährten, die von nah und fern kommen werden. Wir werden 25 Leute auf der Bühne sein, die Big Band, verstärkt mit Streicherinnen und unseren fünf tollen Stimmen. An meinem Geburtstag erscheint ein gleichnamiges Doppelalbum, auf dem eine neue Version der ‹Swiss Lady› à la Kool & the Gang zu hören ist, die ‹Celebration Swiss Lady›. Zudem sind Lieder aus den vergangenen 60 Jahren drauf – aus der Zeit des Sextetts, der Big Band und mit Udo Jürgens. ‹Die Krone der Schöpfung› liegt mir sehr am Herzen. Auf der Tour spielen wir ein paar Highlights aus früheren Programmen wie ‹Bohemian Rhapsody› oder ‹Spiel mir das Lied vom Tod› und Big Band Standards. Daneben gibt es viel Neues wie den Song ‹Where’s My Husband› der Sängerin Raye. Nach der Tour ist keinesfalls fertig! Eine Abschiedstour werde ich nie machen und auch nie eine Biografie schreiben. Ich mache so lange, wie es geht, und höre auf, bevor es peinlich wird.»
… seine Pläne
«Dieses Jahr steht einiges an. Am dringlichsten ist, und das kann nun nicht mehr warten, dass wir einiges in Sachen Vorsorge erledigen. Zwar ist die Patientenverfügung gemacht, aber ehrlich gesagt, müssen wir sonst noch einiges anpassen. Das wollen wir vor der Tournee anpacken und erledigen. Nach den Konzerten reisen Christine und ich im Juni nach Kanada und Alaska. Christine will vor allem Bären sehen, ich natürlich Vögel wie Seeadler; ein Tier, das ich faszinierend finde, ist der Seeotter.»
… sein grösster Wunsch
«Im Moment wünsche ich mir, dass ganz viele Leute meine Tour besuchen und wir sie begeistern können. Auch dass Christine und ich es weiterhin so schön miteinander haben und dass ich noch immer arbeiten kann. Könnte ich nicht mehr auf der Bühne stehen, würde ich wohl noch mehr Reisen machen und dabei meiner Leidenschaft, den Tieren und Vögeln, nachgehen. Je nachdem ob und wann ich meine Knie operieren lasse, geht es im Dezember vielleicht noch nach Costa Rica, wo ich den Jabiru-Storch in echt sehen möchte. Auf unserer letzten Reise in Uganda sah ich den Schuhschnabel, in Mexiko den Göttervogel Quetzal und in Sri Lanka die Blauelster Schmuckkitta. Tiere in ihrem Lebensraum zu sehen, gibt mir ein gutes Gefühl. Nur den Paradiesvogel werde ich wohl in diesem Leben nicht mehr sehen. Die Reise zu seinem Gebiet in Neuguinea ist für mich zu umständlich. Was ich sagen kann: Ich habe mich im Leben bis jetzt noch nie gelangweilt!»