Darum gehts
- Silvesternacht-Tragödie in Crans-Montana: Brand durch Champagner-Wunderkerzen
- Champagner-Pyro verbreitet in Clubs mit Luxusfokus, nicht in Musik-Clubs
- 115 Verletzte durch Feuer in Bar «Le Constellation» am 1. Januar 2026
Eine Tragödie überschattete die Silvesternacht im Schweizer Nobel-Ski-Resort Crans-Montana VS. Über 40 Menschen verloren beim Brand in der Bar «Le Constellation» ihr Leben, rund 115 wurden grösstenteils schwer verletzt. Laut Augenzeugenberichten setzten eine oder mehrere Champagner-Wunderkerzen die Decke des Lokals nach Mitternacht in Brand. Handy-Videos und -Bilder, die nach der Tragödie auftauchten, stützen diese Aussage.
Stellt sich die Frage: Wie gängig ist die Champagner-Pyro in Schweizer Clubs und Bars? Blick hat mit Alex Flach (53), auch bekannt als «Mr. Nightlife», gesprochen. Der Zürcher ist seit über 30 Jahren als Experte im Nachtleben tätig und betreut die Medienarbeit der grössten Schweizer Clubs. «Pyros jeglicher Art hat in geschlossenen Veranstaltungsräumen und/oder ohne entsprechend ausgebildete Fachleute schlicht und einfach nichts zu suchen», sagt Flach angesprochen auf die Katastrophe von Crans-Montana.
Die Wunderkerzen oder Englisch «Sparklers» sind günstig im Netz zu haben. Drei «Eisbrunnen»-Kerzen gibts für 15.95 Franken – inklusive Halterungsclip. In der Beschreibung heisst es: «Geringe Temperatur, weniger Smog, sicher und umweltfreundlich.»
Clubs wollen «Noblesse» vermitteln
Wie verbreitet die Fontänen in der Schweizer Ausgangsszene sind, schätzt der Experte wie folgt ein: «Clubs und Bars, die sich primär auf die Musik fokussieren, verfügen über keine Lounges mit Flaschenservice. Dort gibt es somit keine Eiskübel mit Fontänen auf Gästetischen. Das ist wohl eher ein Ding von Clubs, die ‹Noblesse› vermitteln wollen, um sich an ein Publikum zu wenden, das zeigen will, was es hat.»
Sehen und gesehen werden. Darum geht es also bei der Champagner-Pyro. Bestellt werde sie oft von einem jüngeren Publikum. Die funkelnden Flaschen sehen spektakulär aus und sind somit perfektes Material für eine Instagram-Story. Auf Tiktok sind einige solche Szenen aus Schweizer Clubs zu sehen. Unter anderem gibt es ein Promovideo von 2023 aus dem Club Langstrasse. Dort wurde eine Party ab 16 Jahren mit genau jenem Feuerwerk beworben.
Alex Flach ist vor allem in den renommierten Clubs unseres Landes unterwegs. Dort würde es keine Fontänen geben. «Helsinki, Hive, Friedas Büxe, Supermarket, Nordstern, Nebel Basel, Gonzo, Elysia, Kinker, Studio, Reitschule Bern, Rote Fabrik, Zentralwäscherei: Überall dort sind Champagner-Pyro kein Thema.» Die Liste der Clubs, in denen sowas eine Rolle spielt, dürfte «sehr viel kürzer sein», sagt Flach. «Zumindest bei urbanen Clubs in Grossstädten. Bei Bars ist das Verhältnis vielleicht ausgeglichener.»
Das sagt die Schweizer Bar & Club Kommission
Auch bei der Schweizer Bar & Club Kommission ist die Bestürzung gross. «Unsere Gedanken sind bei den Angehörigen und Freunden der Opfer», sagt Mediensprecher Alexander Bücheli gegenüber Blick.
Zu der Verwendung von Champagner-Pyro sagt Bücheli: «Sogenannte Champagner-Wunderkerzen sind weltweit im Einsatz. Erlaubt ist dabei nur sogenanntes Tisch-Indoor-Feuerwerk. Bei verantwortungsbewusstem Umgang geht von diesen Wunderkerzen keine besondere Gefahr aus.»