Darum gehts
- SRF streicht «Reporter» 2027 aus TV, ersetzt durch «Kulturplatz»
- «Reporter» erreicht 200'000 Zuschauer, «Kulturplatz» nur 80'000 wöchentlich
- SRG spart bis 2029 insgesamt 270 Millionen Franken, 38 Stellen weg
SRF nimmt die beliebte Reportage-Sendung «Reporter» ab 2027 aus dem linearen TV-Programm. Den Sendeplatz übernimmt «Kulturplatz». Das, obwohl die Kultursendung deutlich weniger Zuschauer anzieht. Medienpionier Roger Schawinski (81) findet dafür klare Worte.
Gegenüber Blick sagt er: «Man kann die Zuschauer nicht zwingen, eine Sendung zu sehen, indem man sie auf einen extrem prominenten Sendeplatz setzt. Bei den öffentlich-rechtlichen Sendern in Deutschland, bei ARD und ZDF, gibt es die Kultursendungen nur am ganz späten Abend. Das kulturinteressierte Publikum findet sie dort.»
Die Zahlen sprechen für sich. «Reporter» erreicht im linearen TV rund 200'000 Zuschauer pro Woche, der «Kulturplatz» kommt bislang nur auf etwa 80'000. Auch bei den Kosten schneidet «Reporter» besser ab: Eine halbstündige Eigenproduktion kostet im Schnitt 48'000 Franken, beim «Kulturplatz» sind es 55'000, wie das SRF auf seiner Website transparent offenlegt. Trotzdem verschiebt SRF den prominenten Sendeplatz.
Der Entscheid steht im Zusammenhang mit dem grossen Sparprogramm der SRG: Bis 2029 sollen rund 270 Millionen Franken eingespart werden, allein bis 2027 sind es 80 Millionen. Bei SRF selbst fallen 38 Vollzeitstellen weg.
Das sagt SRF zur Absetzung
Das SRF selbst begründet den Wechsel damit, dass «Kulturplatz» auf dem früheren Sendeplatz mehr Sichtbarkeit erhalten solle. Schawinski hält davon wenig. «Man wird mit der neuen Programmierung auf diesem wichtigen Primetime-Sendeplatz Zuschauer verlieren. Offenbar nimmt man dies im Kauf, um die verärgerte Kultur-Lobby milde zu stimmen. Die ist total sauer, weil man bei Radio SRF 2 viele Kultursendungen abgesetzt hat.»
Radio SRF 2 hat zuletzt zudem massiv Zuhörer verloren. «Damit hat sich die SRG-Chefetage in die Bredouille gebracht. Denn der Kulturauftrag ist ein zentrales Element der SRG-Konzession. Deshalb ist man wohl händeringend auf diese seltsame Programmierung gestossen», so Schawinski.
Auch die Digitalstrategie der SRG nimmt der Medienunternehmer ins Visier. «Reporter» soll als Marke künftig multimedial weiterleben. Schawinski stellt klar: «Die Digitalstrategie der SRG kann nicht seriös beurteilt werden, da die dazu notwendigen Daten nicht veröffentlicht werden. Offenbar ist man nicht bereit, die Karten auf den Tisch zu legen.»