Mentalist Luca Gygli verrät
«Menschen verraten unbewusst ganz viel»

Mit seinen Gedankenexperimenten verblüfft der Glarner Luca Gygli ein Millionenpublikum. Der jüngste Mentalist der Schweiz über die Tricks hinter der Kunst, seine erste eigene Tour – und die Schattenseiten des Erfolgs.
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Geheimnisvoll: Mit seinen Illusionen begeistert der Mentalist Luca Gygli sein Publikum. «Es ist ein Cocktail aus Menschenkenntnis, Psychologie und Zauberkunst.»
Foto: Remo Buess

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Luca Gygli, jüngster Schweizer Mentalist, begeistert mit Gedankenlesen und Bühnenprogramm
  • Über 600'000 Follower und 200 Millionen Videoaufrufe weltweit
  • Tourstart «Observe» am 17. September: Mentalismus trifft Comedy
Andrea Germann
Schweizer Illustrierte

Die Handykamera läuft. Luca Gygli (22) steht vor seinem Kleiderschrank in Netstal GL. «Ich lese deine Gedanken über dieses Video», kündigt er geheimnisvoll an. Mit schwarzem Filzstift schreibt er «gelb» und «blau» auf den Spiegel, stellt einige Fragen und bittet sein Publikum dann, an ein Werkzeug zu denken. «Ich glaube, du denkst an einen roten Hammer. Stimmts?» Die Kommentare zeigen: Bei vielen liegt er richtig.

Der Glarner ist der jüngste Mentalist der Schweiz. Bei Auftritten im In- und Ausland errät er Pincodes, Namen oder Bilder, die sich jemand bloss im Kopf vorstellt. Mehr als 600'000 Menschen folgen ihm auf Social Media, seine Videos wurden über 200 Millionen Mal aufgerufen. «Menschen verraten unbewusst ganz viel», sagt der 1,95 Meter grosse Mann beim Kaffeekochen in der Küche seines Zuhauses.
Kann er tatsächlich Gedanken lesen? Gygli schüttelt die dunkelbraunen Locken und grinst. «Nein. Es ist viel Show dahinter. Verschiedene Techniken erzeugen diese Illusion.» Mentalismus sei ein Cocktail aus Menschenkenntnis, Psychologie und Zauberkunst. Mit Fragen nähere er sich Schritt für Schritt der Lösung. «Dabei beobachte ich, wie sich die Person verhält.»

Von Poesie und Pataphysik

Nicht immer gelingt ihm das. «Denkt jemand an einen Promi, den ich nicht kenne, wird es schwieriger», meint er und führt dabei ins Untergeschoss. «Hier ist mein Reich!» Im vergangenen Jahr habe er aufgrund seiner Engagements, viele davon im Ausland, nur zwei oder drei Monate daheim verbracht. Luca öffnet die Tür zu seinem Bürozimmer. An den dunkelgrünen Wänden hängen Skizzen und selbst gemalte Bilder. In einem Regal steht eine ausgestopfte Kohlmeise. Vögel faszinieren Gygli – genauso wie Poesie, Psychologie und Pataphysik, eine Philosophie des Unmöglichen. Wie Gleichaltrige auf seine Interessen reagieren? «Ich kann mich anpassen, aber manchmal fühle ich mich isoliert. Darum sind viele Freunde 30 bis 50 Jahre alt.» Eine Freundin habe er nicht: «Mein Beruf macht Beziehungen leider schwierig.»

Artikel aus der «Schweizer Illustrierten»

Dieser Artikel wurde erstmals in der «Schweizer Illustrierten» publiziert. Näher dran – an Stars, Royals und Menschen mit Geschichten. Hier gehts zum Abo!

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Vom Kindheitstraum in die Krise

Seit zweieinhalb Jahren lebt Luca Gygli vom Mentalismus. Wie viel er verdient, verrät er nicht. Viel lieber spricht er über sein erstes eigenes Bühnenprogramm: Seit dem 17. September tourt er mit «Observe» durch die Theatersäle. Darin verbindet er Mentalismus und Comedy mit der Frage, wie Menschen Entscheidungen treffen und ihre Umgebung wahrnehmen. Er schwärmt: «Ich freue mich riesig. Das ist mein Leben und das, wofür ich brenne.» Die Leidenschaft für Magie entdeckt Gygli mit zehn Jahren während eines Zirkusworkshops. «Ich wollte unbedingt zum Zauberer und am Ende den Trick am Mikrofon präsentieren», erinnert er sich. Obwohl er schüchtern gewesen sei, habe er sich auf der Bühne sofort wohlgefühlt. «Ich wusste, dass das mein Traumberuf ist.» Trotzdem schliesst er eine Ausbildung als Applikationsentwickler ab. Er grinst: «Obwohl ich mit meinen Videos schon damals mehr verdiente.»

Mit einem einzigen Clip gewann er teilweise fast 100'000 neue Abonnentinnen und Abonnenten. «Lief ein Video sehr gut, fühlte ich mich wie ein König. Lief das nächste weniger gut, dachte ich: Ist meine Karriere vorbei?» Irgendwann sei er in ein Loch gefallen. «Der Druck hat mich psychisch kaputtgemacht», gesteht er. Heute setzt er sich bewusst Grenzen, geht in Therapie und arbeitet mit einem Coach. «Und ich gehe sehr viel spazieren.»

Eine Viertelstunde später sitzt Gygli an einem Steintisch mitten im Grünen. Im Hintergrund plätschert die Löntsch. Das Beobachten, auf der Bühne sein wichtigstes Werkzeug, begleitet ihn auch in der Natur. «Hier schreibe ich an neuen Ideen und lasse mich inspirieren», erzählt er. Und fügt geheimnisvoll an: «Man muss nur lange genug hinschauen.»

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