«Keine einzige neue Sendung wurde Publikums-Hit»
Ex-Chef Dominik Kaiser kritisiert sinkende Qualität von 3+

Lange Zeit war es komplett still um Dominik Kaiser. Mit einem «TELE»-Interview meldet er sich zurück. Er verliert offene Worte darüber, wie sich 3+ seit dem Verkauf verändert hat.
Kommentieren
1/6
Gründer Dominik Kaiser spricht offen über die Entwicklung von 3+.

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Dominik Kaiser spricht nach sieben Jahren erstmals über den Verkauf von 3+
  • Er kritisiert CH Media für Sparmassnahmen und sinkende Zuschauerzahlen
  • 2019 Rückzug, heute auf Projektsuche in Asien und der Schweiz
Regula Elsener
Tele

Seit dem Verkauf seiner Sendergruppe an die CH Media 2019 hat sich Dominik Kaiser (56) aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Als «TELE» ihn zum 20-jährigen Jubiläum von 3+ für ein Interview anfragt, sagt er überraschend zu.

Kaiser gibt nicht nur Einblick in die für ihn heftigen Anfangsjahre, sondern auch in sein aktuelles Leben. Das Kapitel «3+» scheint zuerst weit weg. Ein paar Emotionen entlockt es ihm aber noch immer.

Ein Artikel aus «Tele»

Das ist ein Beitrag aus «Tele». Das Fernsehmagazin der Schweiz taucht für dich nach den TV- und Streamingperlen.

Das ist ein Beitrag aus «Tele». Das Fernsehmagazin der Schweiz taucht für dich nach den TV- und Streamingperlen.

Hinweis der Redaktion: Das Interview wurde schriftlich geführt.

TELE: Was geht Ihnen durch den Kopf, wenn Sie heute 3+ einschalten?
Dominik Kaiser:
Ganz ehrlich, ich habe länger nicht mehr geschaut, letztmals vor circa zwei Jahren. Ich habe mich über die Qualität der Eigenproduktionen gewundert. Was von der Sendergruppe übrig geblieben ist, hat nicht mehr viel mit jener zu tun, die ich an CH Media verkauft habe.

Was war denn früher Ihre Intention als TV-Macher?
Tolle Unterhaltungssendungen zu produzieren. Das war der Kern von 3+, das hat 3+ ausgemacht. Die Basis war ein Ökosystem, das wir über Jahre aufgebaut hatten. Und bei dem alles ineinandergriff: von den richtigen Formaten über ein gutes Casting, tolle Geschichten und eine moderne Art, sie zu erzählen, bis hin zu Programmplanung, PR und Social Media, einem intelligenten Programmeinkauf, Sponsoringverkauf und Controlling.

Das ist heute Ihrer Meinung nach nicht mehr so?
CH Media hat diesen Fokus verschoben. Es wurde alles umgestellt, überall gespart. Darum ist wenig erstaunlich, dass in den letzten sechs Jahren keine einzige neue Sendung zum Publikums-Hit wurde und die Zuschauerzahlen zurückgingen.

Wie stark verfolgen Sie denn die Entwicklung der Senderfamilie überhaupt noch?
Nur noch sehr sporadisch. Die neuen Besitzer wollten gleich nach dem Kauf keine relevanten Inputs mehr von mir. Das war damals schmerzhaft – aber ich habe die Situation akzeptiert und schnell komplett losgelassen.

Gehen wir weiter zurück: Vor 20 Jahren wehte Ihnen nicht einfach ein Wind entgegen, sondern eher ein Orkan …
Absolut. Mittlerweile, mit ein paar Jahren Abstand, macht es Spass, sich zu erinnern. Damals aber war es keine einfache Zeit. Alle Medienexperten der Schweiz – im Übrigen auch der Bundesrat – prophezeiten, dass 3+ ein totaler Flop werden würde, und haben dies auch öffentlich kommuniziert. Die Argumente, wieso wir keinen Erfolg haben würden, machten für mich aber keinen Sinn. Die sogenannten Experten schienen die Grundlagen des Privatfernsehens nicht zu verstehen. Gleichwohl fragten wir uns, ob wir etwas Wesentliches übersehen hatten. Natürlich waren deswegen potenzielle Werbekunden vorsichtig und zurückhaltend. Was Neues zu starten, ist immer hart. Aber mit so viel medialem Gegenwind war es noch etwas härter.

Welche Erkenntnisse haben Sie daraus gezogen?
Ich wurde damals darin bestätigt, meinen eigenen Ideen zu folgen. Auch wenn sogenannte Experten anderer Meinung sind. Natürlich bedingt das, dass die Ideen auf soliden Füssen stehen, auch finanziell. Und dass sie Tiefe haben. Was im Umkehrschluss heisst, dass ich mir alle Argumente – auch kritische – aus meinem Umfeld anhöre und weiter (dazu)lerne.

2019, nach dem Verkauf Ihrer Sendergruppe, sind Sie von einem Tag auf den anderen komplett von der Bildfläche verschwunden. Warum?
Das grosse Medieninteresse war nicht nur angenehm. Ich war froh, wieder Privatperson zu sein. Nach langen Ferien nahm ich ein paar Beratungsjobs im Ausland an, merkte aber rasch, dass ich dafür wenig geeignet bin. Ich bin kein Powerpoint-Berater, will Herausforderungen anpacken, ihnen auf den Grund gehen und neue Ideen schnellstmöglich im Markt testen.

Und was machen Sie heute?
Ich habe mich in den letzten paar Jahren an diversen Universitäten (v. a. in den USA) weitergebildet und viel über unsere mögliche Zukunft gelernt. Das Lernen hat mir Spass gemacht, auch weil ich ja nie studiert habe. Nun möchte ich wieder etwas Neues aufbauen und bin auf der Suche nach spannenden Projekten hier und in Asien. Bedingung ist, dass es mich packt, Spass macht, eine Herausforderung ist und Potenzial hat. Wie in meinen drei früheren (Berufs-)Leben mit Computern, Techno und dem Privatfernsehen. Eile habe ich keine.

Externe Inhalte
Möchtest du diesen und weitere externe Beiträge (z.B. Instagram, X und anderen Plattformen) sehen? Wenn du zustimmst, können Cookies gesetzt und Daten an externe Anbieter übermittelt werden. Dies ermöglicht die Anzeige externer Inhalte sowie von personalisierter Werbung. Deine Entscheidung gilt für die gesamte App und ist jederzeit in den Einstellungen widerrufbar.
Was sagst du dazu?
Heiss diskutiert
    Meistgelesen