Darum gehts
- Ralph Wicki führte durch knapp 1600 «Nachtclub»-Folgen auf Radio SRF 1
- Der gebürtige Luzerner studierte zuerst Medizin und startete dann eine Medienkarriere
- Wicki ist ein ausgesprochener Nachtmensch und liebt seine Arbeit als Moderator
Mit wehender Mähne und schwarzem Outfit erscheint Ralph Wicki um 11 Uhr beim Pressehaus. Für das Blick-Interview im Zürcher Seefeld ist der Radio-SRF-Moderator extra etwas früher aufgestanden. Am kommenden Sonntag wird er 65 und pensioniert. Und seit wenigen Stunden ist seine Ära zu Ende: Am Donnerstagabend führte er durch seine 1594. und letzte «Nachtclub»-Sendung.
Blick: Herr Wicki, mögen Sie den Begriff Radio-Legende?
Ralph Wicki: Moderatoren wie Mäni Weber, Elisabeth Schnell oder François Mürner waren Legenden. Sie halfen den Leuten, zu überleben. Das kann ich nicht bieten. Ich bin nicht sehr laut und habe es stets gehasst, Werbung für mich zu machen. Doch ich mag meine Sendung. Und weil ich recht lange durchhielt, wurde ich einigermassen bekannt, und manche Leute nennen mich nun Legende. Aber ich sehe mich nicht so. Meine Leistung ist überschaubar.
Weshalb sind Sie Mitte der 1980er-Jahre als Luzerner in Bern und bei Radio Extra Bern gelandet?
Ich habe in Bern Medizin studiert und gemerkt, dass dieses Vorhaben bei meinem Tempo ewig dauern würde. Ich wollte aber schneller selbständig sein, bin auf Medienwissenschaften umgeschwenkt und konnte zum Glück ein Praktikum bei Radio Extra Bern machen, wo ich hängen blieb. Es nahm mir den Ärmel rein. Jeder Tag war plötzlich anders. Und ich wollte mich auch selber hören in diesem Alter, was beim Radio möglich ist. Es war eine politische Zeit, die Welt schien im Umbruch, und Züri West lieferten den Soundtrack dazu.
Schliesslich landeten Sie beim Radio SRF und verzichteten auf einen klassischen Alltag. Gab es nie den Gedanken an ein Familienleben?
Bei mir war der Job stets wichtiger als alles andere. Unter anderem deshalb habe ich mich gegen Partnerschaft und Kinder entschieden. Mein grosses Ziel war ein solcher Job wie der «Nachtclub»-Posten bei Radio SRF. Als ich ihn jedoch endlich bekam, machte ich buchstäblich in die Hosen. Ich realisierte, was für eine Verantwortung ich trug, und mein Magen rebellierte. Zumal ich technisch eine Niete bin und nach einer stündigen Studioführung bereits selber loslegen sollte. Zuerst erhielt ich nur einen Jahresvertrag. Ich arbeitete hart, weil ich meinen Namen nicht für einen Mist hergeben wollte. Heute werde ich mit Lob überschüttet und weiss manchmal gar nicht, wie mir geschieht. Denn ich mache gar nichts anders als früher.
Waren Sie immer schon ein «Nachtmensch»?
Ich bin recht sensibel. Deshalb ist der Tag zu laut, zu aggressiv, einfach zu viel für mich. Mit dem «Nachtclub» verstärkte sich diese Wesensart. Ich kam schon vorher nie vor 1 Uhr ins Bett, nun wird es 4 oder 5, weil ich zuerst noch die Sendung verdauen muss. Meine Arbeit umfasst immer drei Stufen: Schwanger werden mit einem Thema oder Gast, die Sendung als Geburt und die Nachgeburt samt Reflexion.
Und das hat keine negativen Auswirkungen?
Ich bin noch nachtaktiver geworden und habe auch ein passendes Gesicht bekommen. Ich sehe mittlerweile aus wie ein chinesischer Faltenhund (lacht). Aber das macht nichts. Keith Richards hat auch Falten, aber der ist zusätzlich von einer Palme gefallen. Wobei ich auch nicht immer ein ultragesundes Leben geführt habe.
Sie wirken effektiv sehr vital. Eine optische Täuschung?
Ich kenne viele Leute in meinem Alter, die machen wahnsinnig viel Sport und sind trotzdem dauernd in ärztlicher Behandlung. Ich weiss gar nicht, was ich tun müsste, um krank zu werden. Ich lebe im Moment. Und wenn ich früher mal etwas Komisches spürte, bin ich lieber noch an eine weitere Goa-Party gegangen und habe getanzt. Das gab mir Kraft. Ich bin bis heute einfach glücklich. Wenn du zufrieden bist mit dem, was du machen darfst, geht es dir grundsätzlich besser. Ein gesunder Geist strahlt offenbar auf den Körper ab. Ich hätte nie gedacht, dass Arbeiten derart sinnstiftend sein könnte. Meine Pensionierung sehne ich nicht herbei. Mich muss man hinauskicken. Freiwillig würde ich nicht gehen.
Kommt keine Wehmut auf, jetzt aufhören zu müssen?
Auf einem Auge schon. Ich durfte etwas machen, was manchen Menschen offenbar guttat. Einige haben mir geschrieben, sie könnten dank mir jetzt ohne Tabletten einschlafen. Ich finde es schön, wenn man Menschen eine Freude machen darf, und empfinde solche Aussagen als positiv. Selbst wenn man sie auch anders sehen und mich als Schlafmittel interpretieren könnte (lacht).
Wenn nun ein Privatradio anklopft?
(Denkt nach.) Irgendeine Sendung dürfte es nicht sein. Ich kann auch gut aufhören. Ein ambitioniertes Abendformat müsste ich mir in Ruhe anschauen. Vielleicht wäre es gut, mit jemandem zusammenzuspannen, der oder die viel jünger ist als ich? Vom «Nachtclub» bin ich jedenfalls noch heute überzeugt: live zu senden und mit «gewöhnlichen» Menschen zu sprechen. Mich interessiert das Normale, das, was allen passieren kann. Je normaler, desto besser. Die Chefs wollen oft nicht mehr erkennen, wer eigentlich das Publikum einer Sendung ist. Ihre einzige Angst ist, dass jemand abstellt und nicht mehr zurückkommt.
Was machen Sie nach Ihrem Abschied?
Ich habe keine Angst um mich. Es war mir noch nie langweilig. Am 30. August feiere ich meinen Geburtstag. Dann räume ich auf. Es haben sich in den zwölfeinhalb Jahren «Nachtclub» viele Briefe angesammelt, ein ganzer Schrank voll. Ich habe mich entschlossen, all diese Briefe zu beantworten. Und ich habe auch viele Mails ausgedruckt. Wahrscheinlich werde ich die Antworten von Hand schreiben. Dann habe ich auch Zeit zum Nachdenken darüber, was ich genau sagen möchte. Wenn man am Computer schreibt, wird man meist zu ausführlich. Wie wir auch viel zu viel sprechen. Und das meiste davon ist Stuss. Viele sind heute laut und schreien. So entstehen aber nur Missverständnisse. Wenn ich jemanden beraten würde, würde ich ihm empfehlen, so leise zu sein, dass man ihn unbedingt hören möchte.
Ralph Wicki wurde 1961 in Luzern geboren und ist auch dort aufgewachsen. Mit 10 begann er als Tambour und bezeichnet sich als «rhythmischen Menschen». Den «Steffisburger Marsch» könnte er nach eigenen Angaben heute noch spielen. Der Vater war Chauffeur, die Mutter Hausfrau. Wicki war der Älteste von drei Brüdern. «Ich war scheu und lange der Kleinste in der Klasse. Das prägte mich. Ich wehrte mich früh, grenzte mich ab und hinterfragte alles.» Kurzzeitig hatte er während der Gymnasiumszeit auch politische Ambitionen und kandidierte mit der eigenen Partei «Tell 2000» erfolglos für den Nationalrat. Parallel zum Medienstudium in Bern begann er beim Lokalradio Extra Bern Mitte der 1980er-Jahre seine Radiokarriere, die ihn über Radio 32 zu Radio SRF führte. Im Dezember 2013 begann er als Moderator des Talkformats «Nachtclub» und führte in 1594 Folgen rund 7500 Gespräche.
Ralph Wicki wurde 1961 in Luzern geboren und ist auch dort aufgewachsen. Mit 10 begann er als Tambour und bezeichnet sich als «rhythmischen Menschen». Den «Steffisburger Marsch» könnte er nach eigenen Angaben heute noch spielen. Der Vater war Chauffeur, die Mutter Hausfrau. Wicki war der Älteste von drei Brüdern. «Ich war scheu und lange der Kleinste in der Klasse. Das prägte mich. Ich wehrte mich früh, grenzte mich ab und hinterfragte alles.» Kurzzeitig hatte er während der Gymnasiumszeit auch politische Ambitionen und kandidierte mit der eigenen Partei «Tell 2000» erfolglos für den Nationalrat. Parallel zum Medienstudium in Bern begann er beim Lokalradio Extra Bern Mitte der 1980er-Jahre seine Radiokarriere, die ihn über Radio 32 zu Radio SRF führte. Im Dezember 2013 begann er als Moderator des Talkformats «Nachtclub» und führte in 1594 Folgen rund 7500 Gespräche.