Darum gehts
- Philosophin Kate Manne bei SRF-Soundcheck sexuell belästigt, Vorfall im Juli
- Übersetzer flüstert obszöne Inhalte, behauptet später, es sei ein Gedicht
- SRF klärt intern, keine weiteren Informationen zum Stand der Untersuchung
Eine renommierte Philosophin aus Australien gerät in eine bizarre Situation – und spricht offen darüber. Kate Manne, Professorin für feministische Philosophie an der Cornell University in den USA, war im Juli in der Schweiz zu Gast. Sie wurde von SRF für die Sendung «Sternstunde Philosophie» eingeladen, um über das Thema Übergewicht zu diskutieren – die Sendung erschien vor wenigen Tagen, am 20. August. Doch was als akademisches Interview geplant war, nahm eine verstörende Wendung, wie Manne nun in einem Essay schildert.
Beim Soundcheck kam es zu einem Vorfall, der die Philosophin aus der Fassung brachte. Zunächst traf sie Moderatorin Barbara Bleisch (53), die die Fragen auf Deutsch stellen sollte. Ein Übersetzer wurde Manne vorgestellt, der die Antworten simultan ins Englische übermitteln sollte. «Er war freundlich», schreibt Manne. «Sogar kumpelhaft, ein lustiger Mann in seinen Fünfzigern mit einem englischen Akzent.»
Plötzlich muss sich Manne Obszönitäten anhören
Doch während des Soundchecks sprach der Übersetzer unerwartet schockierend explizite Sätze in ihr Ohr. «Heute Nacht, wenn du dich ausziehst ...» oder «Deine Hüften, deine grenzenlosen Brüste ...» seien nur einige der Aussagen gewesen. Beim Satz «Die Planeten deines Hinterns» habe er die Betonung auf «Hintern» gelegt. Manne beschreibt den Moment als zutiefst irritierend: «Mit seinem Akzent klang er ein wenig wie ein Schauspieler für das Shakespeare Globe Theater. Aber der Inhalt war schockierend explizit, sodass ich völlig aus der Bahn geworfen wurde.»
Die Situation eskalierte weiter. Manne fragte eine Assistentin und eine Tontechnikerin, ob sie die Worte ebenfalls gehört hätten. Die Technikerin bestätigte dies, ohne sichtbare Reaktion. Erst nachdem Manne klarstellte, dass sie die Worte korrekt verstanden hatte, stoppte der Übersetzer mit den obszönen Aussagen. Doch auch beim zweiten Test, nachdem technische Anpassungen vorgenommen worden waren, folgten weitere schmutzige Phrasen.
«Ode to Fat»
Auf Nachfrage erklärte der Übersetzer, es handle sich um ein Gedicht, «Ode to Fat» von Ellen Bass, einer US-amerikanischen Dichterin. Das Werk zelebriere den Körper der Liebsten von Bass. Manne war skeptisch. «Vielleicht war es sein plumper Versuch, seine Unterstützung zu zeigen», schreibt sie. Doch die Wirkung war für sie eindeutig: «Ich bin den ganzen Weg gereist, um für meine Arbeit als feministische Philosophin interviewt zu werden. Diese Gelegenheit hat mich nicht davor bewahrt, sexuell expliziten Inhalt in mein Ohr geträufelt zu bekommen auf eine Art, die erschreckt und verunsichert.»
Blick fragte bei SRF an, wie der Sender nun mit dem Fall umgehen möchte. Die Anfrage ist derzeit in Bearbeitung.