Darum gehts
- Seraina Kobler startet als einzige Schweizerin beim Bachmann-Preis 2026
- Die Zürcher Autorin hat zuletzt den Roman «Tal der Schwalben» veröffentlicht
- Die siebenköpfige Jury entscheidet am Sonntag, 28. Juni, über den Sieg
Zum 50. Mal finden am kommenden Wochenende im österreichischen Klagenfurt die «Tage der deutschsprachigen Literatur» mit dem Lesewettbewerb um den renommierten Ingeborg-Bachmann-Preis statt. Die Namensgeberin würde am 25. Juni 100 Jahre alt.
Als einzige Schweizerin unter den 14 Teilnehmenden dieses Jahr: die in Locarno geborene und in Basel aufgewachsene Seraina Kobler (44), die mit ihrer Familie samt fünf Kindern in Zürich lebt.
Die frühere Journalistin hat sich mit ihren Kriminalromanen «Tiefes, dunkles Blau» (2022) und «Nachtschein» (2023) um die Seepolizistin Rosa Zambrano einen Namen gemacht. Zuletzt erschien von ihr im Diogenes Verlag im Frühling 2026 der Endzeitroman «Tal der Schwalben».
Die Teilnehmenden in Klagenfurt werden jeweils von den sieben Jurymitgliedern vorgeschlagen und tragen einen längeren Ausschnitt aus einem bisher unveröffentlichten Prosatext vor.
«Der Preis ist Mythos und Legende»
Kobler liest auf Einladung von Philipp Tingler (56), bekannt aus dem SRF-«Literaturclub». Von ihrer Nomination erfuhr sie, als sie «gerade unter frisch erblühten Hyazinthen neben einem Wartehäuschen stand. Ich sah in die gelben Blüten, den Frühlingshimmel und dachte: Wörthersee!», wie sie im Literaturblog Literatur outdoors erzählt.
Zur heutigen Bedeutung des Wettbewerbes sagt sie: «Für mich ist er Mythos und Legende, ein Fenster in den Prozess der Literaturentstehung, Echtzeit-Anlass und natürlich denkt man immer gleich an Sommer und See. Was er tatsächlich für den Literaturbetrieb bedeutet, das müssen andere beurteilen, ich bleibe auf der Ebene des Textes: Da freue ich mich auf Überraschungen.»
Seit der Premiere 1977 waren sechs Autorinnen und Autoren aus der Schweiz erfolgreich, zuletzt 2015 Nora Gomringer (46). In den 1980er-Jahren ging der Sieg gleich viermal in unser Land, mit grossen Namen wie Erica Pedretti (1930–2022, gewann 1984) oder Hermann Burger (1942–1989, Preisträger 1985).
Kommt es zum «Platsch»?
Der Wettbewerb gilt traditionell als Talentsprungbrett. Die Jubiläumsausgabe tanzt diesbezüglich mit bereits populären Namen wie den beiden deutschen Autorinnen Jovana Reisinger (37) und Caroline Rosales (44) etwas aus der Reihe.
Was noch wenig über die Ausgangslage für einen Sieg aussagt. Denn die Jury lässt sich selten von arrivierten Grössen beeindrucken. Zu den Geheimfavoritinnen gehört Fiona Sironic (30), die auf Einladung der Schweizerin Laura de Weck (45) liest und die jüngst mit ihrem Debütroman «Am Samstag gehen die Mädchen in den Wald und jagen Sachen in die Luft» für Furore sorgte.
Die Chancen für Seraina Kobler sind intakt. Sie wird auf der Reise nach Kärnten von zwei ihrer Kinder und ihrer Schwester samt Hund Abrakadabra begleitet. «Als mein Text in die engere Auswahl kam, hat meine Lektorin spontan gesagt, wenn das klappt, dann komme ich auch mit. Und wir springen zusammen nach der Lesung in den See, antwortete ich ihr. Auf diesen Platsch freue ich mich ganz besonders.»
24. bis 28. Juni, live auf 3sat, Preisvergabe am Sonntag. Neben dem Hauptpreis sind auch vier Nebenpreise ausgeschrieben.