Darum gehts
- Jean-Marc Probst veröffentlicht «Der Kleine Prinz» auf Pali in Thailand
- Er besitzt über 10'000 Ausgaben des Buches in verschiedenen Sprachen
- «Der Kleine Prinz» verkauft jährlich sechs Millionen Exemplare weltweit
Er ist gerade auf dem Sprung nach Thailand, wo er die offizielle Veröffentlichung des «Kleinen Prinzen» in Pali, der Sprache der buddhistischen Mönche, vornehmen wird. Der pensionierte Unternehmer Jean-Marc Probst (70) hat Übersetzung, Lektorat und Druck finanziert. Das Suchen und Finden von Sprachen, in die «Der Kleine Prinz» von Antoine de Saint-Exupéry noch nicht übersetzt wurde, ist heute seine grosse Passion. Seit Jahren ist er der grösste Sammler des am häufigsten übersetzten nicht religiösen Buches. Allein in der Schweiz in fast alle Dialekte, auch rätoromanische. Jährlich geht der «Prinz» sechs Millionen Mal über den Ladentisch.
Angefangen hat es im Internat: Ein Lehrer schenkte dem 15-jährigen Jean-Marc «Le Petit Prince» mit dem Kommentar «Ça va te plaire», das wird dir gefallen. Und wie! Das Buch wurde für Probst zu einer Art «Bibel fürs Leben». Die Geschichte handelt vom Piloten, der mitten in der Wüste abstürzt, den Motor zu reparieren versucht und dabei vom Kleinen Prinzen besucht wird. Der Prinz ist von einem winzigen Planeten heruntergekommen und beantwortet keine Fragen. «Was machst du hier?», fragt etwa der Pilot. «Bitte zeichne mir ein Schaf», antwortet der Kleine Prinz mit dem blonden Wuschelhaar. Und so geht es weiter: keine Antworten, nur Fragen.
Mit 25 durfte Probst als ETH-Student an der Eurovisions-Serie «Eine Reise um die Welt» mitmachen. Da entdeckte er in Japan und anderswo, dass der Kleine Prinz überall zu Hause ist. Seine Sammlerleidenschaft war geboren, und sie hat ihn nicht mehr losgelassen. Als beruflicher Vielreiser hat er sich fortan überall nach Ausgaben des «Kleinen Prinzen» erkundigt. Wo er nicht fündig wurde, organisierte er eine Ausgabe im lokalen Idiom.
«Das Wichtigste ist für die Augen unsichtbar»
Heute befinden sich alle Bücher im Museum «Der Kleine Prinz und seine Welt» im Palais Besenval in Solothurn, direkt an der Aare. Probst hat es von Museografen aus Paris einrichten lassen. Der Besuch ist so organisiert, dass jedes Kind gern mitkommt. Allein die riesige Bibliothek mit allen Ausgaben des Weltbestsellers ist ein Hingucker. Probst lebt heute mit seiner Frau in Solothurn in einer Wohnung. «Ich habe nie eine Villa, ein Chalet oder ein Haus am Meer gekauft.» Denn der Kleine Prinz hat ihm Luxusideen ausgetrieben mit seiner Mahnung, dass die Menschen nicht fähig sind, die wichtigen Sachen zu begreifen, nur arrogant und materialistisch sind. «Wer das Buch liest, neigt dazu, ganz anders zu handeln … menschlicher, mit dem Herzen», sagt Probst. Und erinnert an die Frage des Fuchses an den Kleinen Prinzen: «Es ist sehr einfach, man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wichtigste ist für die Augen unsichtbar.»
Probst hat als CEO und Besitzer einer Firma, die Baumaschinen importiert, versucht, nach den Maximen des Kleinen Prinzen zu leben. Er hat das Geschäft vom Vater geerbt, erfolgreich weitergeführt und inzwischen an seine Kinder weitergegeben, «die werden es besser machen als ich», lacht er. Auch da der Einfluss des Kleinen Prinzen: darauf vertrauen, dass es gut kommt.
Dieser Artikel wurde erstmals in der «Schweizer Illustrierten» publiziert. Weitere spannende Artikel findest du auf www.schweizer-illustrierte.ch.
Dieser Artikel wurde erstmals in der «Schweizer Illustrierten» publiziert. Weitere spannende Artikel findest du auf www.schweizer-illustrierte.ch.
Museum rund um den Autoren und sein einzigartiges Werk
Das Museum ist auch dem Leben von Antoine de Saint-Exupéry (1900–1944) gewidmet. Im Militärdienst war er ab 1921 Pilot und brachte ab 1926 für die Aéropostale Flugpost von Toulouse in den Senegal. Die turbulenten Abenteuer als Postflieger hat der Schriftsteller in preisgekrönten Romanen wie «Nachtflug», «Südkurier» oder «Terre des hommes» beschrieben. 1939 flog er erneut für die Armee. Als die Nazis Frankreich besetzten, wurde er ausgemustert. Er emigrierte in die USA, wo er die Regierung zum Eintritt in den Krieg zu motivieren versuchte.
Sein Verleger bekniete ihn, doch bitte ein Buch für Kinder zu schreiben. So zog er sich mit seiner Frau, der salvadorianischen Kunstmalerin Consuelo, die er 1931 in Buenos Aires kennengelernt hatte, zurück und schrieb. Die Liebe zu Consuelo hat ihn dazu inspiriert, dass sich der Kleine Prinz in eine Rose verliebt, eine sehr anziehende, schöne Blume, aber stolz und nie zufrieden. Er hegt und pflegt sie und möchte gern auch von ihr geliebt werden. Man merkt: Antoine und Consuelo führten eine turbulente Ehe. 1943 kam Saint-Exupéry zurück und flog für die Franzosen von Korsika aus Erkundigungsflüge, bis er am 31. Juli 1944 von einer deutschen Messerschmitt abgeschossen wurde.
Der deutsche Pilot Horst Rippert sagte später, wenn er gewusst hätte, wen er da abschiesst, wäre er vorbeigeflogen. Er war ein begeisterter Leser der Fliegerbücher von Saint-Exupéry. Zwei Jahre nach dem Tod hat ein Fischer im Meer bei Marseille ein Armband mit Namen und Adresse von Saint-Exupéry gefunden. Zwei Jahre später ein Taucher das Wrack seines Flugzeugs. Saint-Exupéry hat den «Kleinen Prinzen» noch in New York geschrieben und selbst illustriert, aber seine Erstpublikation nicht mehr erlebt. Das Buch hat er Léon Werth, dem «besten Freund, den ich in der Welt habe», zugedacht, nicht ohne sich bei den Kindern zu entschuldigen, dass er es einem Erwachsenen widmet. Aber: «Ich widme dieses Buch dem Kind, das dieser Erwachsene einmal gewesen ist.» Denn: «Alle Erwachsenen waren mal Kinder, aber nur wenige erinnern sich daran.»