Darum gehts
- Hitzewelle bedroht Renzo Blumenthals Bauernhof in Vella GR massiv
- 18 Kühe verkauft, um Futterknappheit zu bewältigen
- Noch 92 Tiere, Wasser dank Zugang zu Stausee gesichert
«Wir sind in einer sehr prekären Lage», sagt Bauer und Ex-Mister-Schweiz Renzo Blumenthal (49) gegenüber Blick. Die Hitzewelle hat auch auf seinen Betrieb in Vella GR auf 1250 Metern über Meer massive Auswirkungen.
Fotos, die er am Donnerstagmorgen gemacht hat, zeigen braune Flächen, wo einst saftige Wiesen und Weiden waren, und trächtige Kühe, die in Kürze kalben. Seine anderen Kühe sind auf der Alp auf 2000 Metern über Meer. «Da ist es noch halbwegs okay. Aber sie müssen weit gehen, um noch Gras zu finden.»
Er hat ein Viertel weniger Ernte
Der Mister Schweiz von 2005 sagt, was der seit Wochen fehlende Regen für ihn bedeutet. «Ich habe ein Viertel weniger Ernte. Auf den ausgetrockneten Weiden wächst nichts nach. Ende Monat muss ich meine Rechnungen bezahlen. Nun musste ich Massnahmen ergreifen und habe 18 Kühe verkauft.»
Darunter seien auch ein paar Zuchtrinder, die anderen landen beim Metzger. «Ich hatte Glück, dass sie überhaupt genommen wurden. Wie ich überall höre, werden die Metzgereien von Bauern überrannt, die ihr Vieh verkaufen müssen. Entsprechend sind schon viele überlastet, und es wird noch viel schlimmer werden.»
Die Rechnung sei einfach: Schlechte Ernte heisst zu wenig Futter. Also müssen Tiere weg, damit wenigstens die Verbleibenden genug zu fressen haben. «Ein Bauer in der Gegend hat mir gesagt, so etwas habe es in den letzten 80 Jahren nicht gegeben, was wir hier erleben.»
Renzo Blumenthal hat noch 92 Kühe
Was Renzo Blumenthal für seine 18 Kühe und Rinder erhalten hat, kann er nicht genau sagen. «Bezahlt wird nur das Nettogewicht des Fleisches. Wenn die Kühe nun also weit fürs Futter laufen müssen, haben sie weniger Fleisch am Knochen.» Nun verbleiben dem Bauern noch 92 Kühe, Zuchtrinder und Nutzvieh.
Bis Mitte September will er seine Kühe auf der Alp lassen – zum Glück ist die Wasserversorgung gesichert: «Die Bergbahnen haben uns Zugang zum Stausee gegeben, der sonst für die Beschneiungsanlage genutzt wird, sodass wir dort den Wassertrog füllen können. Die Zusammenarbeit ist sehr gut.»
In seinem Dorf seien die Brunnen abgestellt worden, an die Einwohner wird appelliert, Wasser zu sparen. Ob Blumenthal noch weitere Kühe und Rinder verkaufen muss, könne er aktuell nicht abschätzen. «Je nachdem, wie sich das Wetter entwickelt. Ich muss auf jeden Fall verhindern, dass ich an die Winterfutterreserve gehen muss. Denn dann fehlt es im Frühling.»
Die Hitzewelle fordert Existenzen
Er höre von vielen Bauern, die für ihre Kühe bereits die Reserven verfüttern oder jetzt schon den Mais ernten. «Wir sitzen schweizweit im selben Boot. Und sind von demselben Leid betroffen.» Alleingelassen werden sie dabei nicht.
Die Bauern bekommen vom Bund und den Kantonen weiterhin Geld, selbst wenn dürrebedingt gewisse Umweltauflagen nicht eingehalten werden können. Und bei akuter Not dürfen Tiere früher von der Alp ins Tal, ohne dass Direktzahlungen gekürzt werden.
«Das ist alles gut und für uns wichtig. Und bekanntlich stirbt die Hoffnung zuletzt. Wir bräuchten nun zwei Wochen durchgehend Regen, um gut weitermachen zu können. Aber es ist jetzt schon klar, dass die Hitzewelle Existenzen fordern wird. Was wir jetzt erleben, überlebt nicht jeder Bauernbetrieb.»