Darum gehts
- Familie Kunz aus dem Baselbiet startet in Norddeutschland neu durch
- Sohn Timo will als Schweizer der deutschen Bundeswehr beitreten
- «Auf und davon: Das Wiedersehen» am Freitag, 7. August, um 21 Uhr auf SRF
Es ist eine schöne Lebenswende. Vergangenen Herbst standen Sacha (57) und Brigitte Kunz (47) vor den Trümmern ihres Gastro-Traums. Der «Küsten-Imbiss» in Dorum-Neufeld beim Kutterhafen lief schlecht, und Sachas Kniearthrose machte das Stehen im Foodtruck zur Qual. Die TV-Auswanderer mussten ihren Betrieb und damit ihren Lebenstraum aufgeben.
Heute zieht Sacha Kunz Bilanz und blickt auf die wohl beste Entscheidung seines Lebens zurück: «Klar ist es mir schwergefallen, den Imbisswagen abzugeben», sagt er zu Blick. «Aber unterm Strich ist es für die ganze Familie eine Erlösung gewesen.»
Statt Existenzangst herrscht heute Sicherheit. Der gelernte Detailhändler arbeitet seit bald einem Jahr fest angestellt an einer Fischtheke. «Wieder einen Chef vor der Nase zu haben, war eine riesengrosse Umstellung und ist mir zunächst schwergefallen», gesteht er. Doch er habe die Kurve gekriegt: «Ich habe mich voll in den Fischverkauf hineingesteigert. Ein tolles neues Metier! Ich habe einen guten Chef, der hinter mir steht, und ich bin nicht mehr umsatzabhängig. Ich habe einfach Spass und mein Leben zurück.»
Kaufland statt Spital
Nicht nur Sacha Kunz, die ganze Familie hat sich neu erfunden. Ehefrau Brigitte wechselte vor wenigen Monaten vom Spitalsekretariat zum Detailhändler Kaufland. «Es ist eigentlich traurig, dass man im Verkauf mehr verdient als in einem Spital, wo du den Kopf ein bisschen mehr beisammenhaben musst», sagt Sacha Kunz. «Das ist krass hier in Norddeutschland. Aber so ist es, und das hat sie zum Wechsel bewogen.»
Dafür startet Tochter Noemi (20) im Medizinwesen durch. Sie steht mitten in den Abschlussprüfungen zur Krankenschwester, hat die schriftlichen Hürden bereits geschafft. «Das Schöne ist: Sie hat bereits jetzt eine feste Stelle in der Notaufnahme im Spital Bremen auf sicher. Sie ist mit 17 Jahren von zu Hause ausgezogen, macht ihren Weg, und wir sind extrem stolz auf sie», schwärmt der Papa.
Radikale Pläne schmieden auch die Söhne Kevin (26) und Timo (20). Kevin arbeitet im Aussendienst einer Solarfirma. Timo führt seinen Getränkewagen noch bis Oktober weiter – und will danach als Schweizer zur deutschen Bundeswehr! Weil Brigittes Vater Deutscher war, besitzen sie und die drei Kinder den deutschen Pass. Nur Sacha Kunz bleibt stolzer Eidgenosse. «Ich bin der einzige Ausländer in der Familie», sagt er und lacht. «Aber für mich ist der Schweizer Pass das A und O, mehr brauche ich nicht.»
«Es gibt keine Rückkehr in die Schweiz!»
Die alte Heimat bleibt für Familie Kunz ein Ferienort für Neujahr. Denn sie haben im Norden endgültig Wurzeln geschlagen und ein Haus gekauft. «Altersgerecht auf einer Ebene, ohne Treppen für mein Knie – und noch näher am Wasser», freut sich Kunz. «Das Leben hier ist einfach viel gechillter, man hat nicht mehr diesen Umsatzdruck wie in der Schweiz. Uns gefällt es hier so sehr, es gibt definitiv keine Rückkehr mehr.»
Wie emotional der Weg in dieses neue Glück war, zeigt SRF am Freitag, 7. August, um 21 Uhr. In der Sondersendung «Auf und davon: Das Wiedersehen» steht die Baselbieter Familie erneut im Rampenlicht. «Dass wir unsere Geschichte weitererzählen können, freut mich sehr», sagt der 57-Jährige stolz.
Dieses Jahr feiern er und seine Brigitte ihre Silberhochzeit. Als Belohnung für die harten Jahre geht es im kommenden Frühling auf eine grosse Kreuzfahrt. «Der Traum hat sich komplett im positiven Sinn verändert», sagt Sacha Kunz abschliessend. «Was wir aufgebaut haben, war richtig. Ich würde es sofort wieder tun.»