Darum gehts
- Frank Feltscher berichtet über die Erdbeben in Venezuela und deren Folgen
- Glücklicherweise geht es seiner Familie gut, aber viele verloren ihr Zuhause
- Länder wie El Salvador und die USA bieten bereits Hilfe und Hilfsgüter an
Blick: Herr Feltscher, die Nachrichten über die schweren Erdbeben in Venezuela sind zutiefst besorgniserregend. Konnten Sie bereits Kontakt zu Ihrer Familie, zu Freunden oder ehemaligen Teamkollegen vor Ort aufnehmen? Und geht es ihnen den Umständen entsprechend gut?
Frank Feltscher: Heute Morgen früh habe ich die traurigen Nachrichten über verschiedene Social-Media-Kanäle mitbekommen. Natürlich habe ich als Erstes versucht, möglichst viele Familienmitglieder zu erreichen. Zum Glück geht es allen den Umständen entsprechend gut. Auf der Insel Margarita war das Erdbeben nicht so stark zu spüren. Meine Grossmutter auf dem Festland, rund 100 Kilometer von Caracas entfernt, ist mit einem grossen Schrecken davongekommen, körperlich geht es ihr gut.
Und dem Rest Ihrer Familie und Freunde?
Meine ehemaligen Teamkollegen (Feltscher spielte auch bei diversen Mannschaften in Venezuela, Anm. d. Red.), mit denen ich noch in Kontakt stehe, sind glimpflich davongekommen. Teilweise wurden jedoch ihre Wohnungen und Einrichtungen stark beschädigt.
Sie haben in der Vergangenheit oft betont, wie viel Ihnen die Heimat Ihrer Mutter bedeutet und wie sehr Sie das Land während Ihrer Zeit dort lieben gelernt haben. Was ging Ihnen durch den Kopf, als Sie von dem enormen Ausmass dieser Naturkatastrophe erfahren haben?
In diesem Moment hatte ich natürlich in erster Linie meine Liebsten im Kopf und habe sofort versucht, mit ihnen in Kontakt zu treten. Gleichzeitig weiss ich, dass die Menschen in Venezuela nach den jüngsten politischen Entwicklungen sehr darauf fokussiert sind, wieder Hoffnung zu schöpfen und etwas Positives für das Land aufzubauen. Umso trauriger ist es, dass Häuser, Infrastruktur und Geschäfte zerstört wurden, die mit viel Einsatz aufgebaut wurden. Besonders tragisch sind natürlich die vielen Opfer. Zudem habe ich die Info bekommen, dass Länder wie El Salvador und die USA bereits Unterstützung angeboten haben, sei es durch Hilfskräfte oder dringend benötigte Hilfsgüter.
Sie haben es angetönt: Venezuela hat in den letzten Jahren bereits extrem schwere wirtschaftliche und politische Zeiten durchgemacht. Wie erleben oder erwarten Sie den Zusammenhalt der Bevölkerung in dieser akuten Extremsituation?
Bekannte aus Caracas erzählen mir immer wieder, dass sich die Stadt weiterentwickelt, mit neuen Geschäften, Lokalen und Veranstaltungen. Trotzdem muss man realistisch bleiben. Venezuela hat noch einen langen Weg vor sich. Es braucht Verbesserungen bei der Infrastruktur, im Gesundheitswesen, bei den Löhnen und in der Wirtschaft, damit langfristig alle Menschen profitieren, nicht nur diejenigen, die wirtschaftlich besser gestellt sind und teilweise in einer eigenen Realität leben. Gerade in solchen Krisensituationen zeigt sich aber oft auch der starke Zusammenhalt der Bevölkerung.
... auch innerhalb der venezolanischen Nationalmannschaft, der «Vinotinto», für die Sie gespielt haben?
Die Vinotinto ist ein sehr starker emotionaler Bezugspunkt für viele Venezolanerinnen und Venezolaner und hat besonders bei Spielen eine verbindende Kraft für das ganze Land. Konkrete Informationen dazu, wie sich die Nationalmannschaft aktuell im Zusammenhang mit dem Erdbeben engagiert oder Hilfsaktionen unterstützt, liegen mir momentan jedoch nicht vor.
Als jemand, der sowohl die Schweiz als auch Venezuela im Herzen trägt: Was können die Menschen hier bei uns tun, um den Menschen in den betroffenen Regionen jetzt am effektivsten und sinnvollsten beizustehen?
Wer aus der Schweiz helfen möchte, sollte auf offizielle und vertrauenswürdige Plattformen setzen. In Venezuela wird auch häufig über Gofundme zu Spenden aufgerufen, dabei ist es aber besonders wichtig, sorgfältig zu prüfen, wem oder welcher Institution man Geld anvertraut. Entscheidend ist, dass die Unterstützung tatsächlich dort ankommt, wo sie am dringendsten benötigt wird.
