So berichtete Stephan Klapproth über die Anschläge
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«10 vor 10» vom 11.9.2001:So berichtete Stephan Klapproth über die Anschläge

«Erschütterte mich zutiefst»
SRF-Legende Klapproth erinnert sich an 9/11

Vor 25 Jahren stand die Welt still. Der damalige «10 vor 10»-Moderator Stephan Klapproth erinnert sich.
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Stephan Klapproth war vor 25 Jahren in einer «10 vor 10»-Sitzung, als er die Bilder aus New York zum ersten Mal sah.
Foto: Screenshot

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Stephan Klapproth erinnert sich an 9/11, 25 Jahre nach den Anschlägen
  • Er moderierte live, als der erste Turm des WTC kollabierte
  • Fast 3000 Tote, «Krieg gegen den Terror» forderte Hunderttausende Opfer bis 2009
Regula Elsener
Tele

Ein Vierteljahrhundert!» Stephan Klapproth (68) schüttelt beim Gespräch mit TELE ungläubig den Kopf. «Kaum zu glauben, wie lange das schon her ist.» Tatsächlich jähren sich die Terroranschläge vom 11. September 2001 demnächst zum 25. Mal. Mehrere Sendungen (siehe Textbox) erinnern an den Tag, der sich – insbesondere in der westlichen Welt – ins kollektive Gedächtnis eingebrannt hat.

Klapproth hatte damals Moderationsdienst bei «10 vor 10». Wie immer traf sich die Redaktion um 14.15 Uhr, um die Themen der Sendung zu besprechen. Im Hintergrund liefen auf einer Fernsehwand verschiedene ausländische Nachrichtensender. «Mitten in der Sitzung schreckte einer meiner Kollegen hoch und sagte: ‹Seht ihr den Rauch? Ein Flugzeug ist gerade ins WTC geflogen!›» Klapproth, der mit dem Rücken zu den TV-Monitoren sass, war zunächst verwirrt, da auch ein Gebäude gegenüber dem Schweizer Fernsehen in Zürich-Oerlikon den Namen WTC trug. Doch dann fiel sein Blick auf die unfassbaren Bilder, die der US-Nachrichtensender CNN zeigte. «Wie alle dachten wir zuerst an ein schreckliches Flugzeugunglück.»

In Wahrheit aber war um 14.46 Uhr mitteleuropäischer Zeit ein Flugzeug der American Airlines in den Nordturm des World Trade Centers in New York gekracht. Als 17 Minuten später eine Maschine der United Airlines in den Südturm einschlug, wurde klar: Das ist kein Unfall. Ebenso klar war für Vollblutjournalist Klapproth: «Wir müssen sofort auf Sendung gehen!» Bis es so weit war, brauchte es aber eine gehörige Portion Nerven.

«Mein Journalistenherz hat gelitten!»

Er und ein paar Gleichgesinnte wollten vorerst einfach das Livegeschehen aufschalten und im Studio so gut wie möglich erörtern bzw. kommentieren. Grünes Licht dafür hatten sie allerdings nicht, denn der SRF-Chefredaktor war an einer Konferenz und nicht erreichbar.
Das Problem: Die Rechte an diesen Bildern lagen bei CNN – doch für irgendwelche finanziellen Verhandlungen war jetzt definitiv der falsche Zeitpunkt.

Er sei immer ungeduldiger, geradezu hässig geworden, erinnert sich Klapproth. «Mein Journalistenherz hat gelitten!» Mit einem ranghöheren Kollegen brachte er schliesslich durch, dass das laufende Programm unterbrochen und die Sondersendung gestartet wurde. «Wir haben damals quasi den Ruf des Schweizer Fernsehens gerettet», sagt er mit einem Augenzwinkern.

Ein Artikel aus «Tele»

Das ist ein Beitrag aus «Tele». Das Fernsehmagazin der Schweiz taucht für dich nach den TV- und Streamingperlen.

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Nun hatte man Glück im Unglück: Kurt R. Spillmann, den man als Studiogast aufbieten konnte, war gerade auf dem Weg zum Flughafen und daher in unmittelbarer Nähe vom Leutschenbach. Der 2025 verstorbene ETH-Professor galt als Koryphäe für Sicherheitspolitik und Konfliktforschung und als ausgewiesener USA-Experte. Gemeinsam analysierten sie in den nächsten Stunden immer wieder das Geschehen und versuchten das Unerklärliche in Worte zu fassen. Inzwischen hatte ein drittes Flugzeug das Pentagon in Washington getroffen. Eine vierte Maschine stürzte in Pennsylvania ab, nachdem Passagiere Widerstand geleistet hatten: der legendäre «Flug 93».

«Von hier und heute geht eine neue Epoche der Weltgeschichte aus»

Ein Moment ist Stephan Klapproth besonders in Erinnerung geblieben: «Als einer der Twin Towers in sich zusammenbrach, waren wir live auf Sendung. Das Bewusstsein, dass vermutlich gerade tausende Menschen – genaue Zahlen gab es ja noch nicht – vor den Augen der Welt sterben, erschütterte mich zutiefst.» Er überlegt einen Moment und zitiert Goethe: «Von hier und heute geht eine neue Epoche der Weltgeschichte aus, und ihr könnt sagen, ihr seid dabei gewesen.» Als Politologe mit Fokus Amerika hatte er inmitten des Trubels sofort realisiert, dass das hier eine Zeitenwende war.

Dokus zu 9/11 am TV (Auswahl)

«Terror, Trauma, Zeitenwende» Mo., 7. 9., 1.05 Uhr, ZDF
«Was vom Terror übrig blieb» Mo., 7. 9., 21.10 Uhr, NTV
«Die Geiseln des Terrors» (1/2) Di., 8. 9., 20.15 Uhr, ZDF
«Flug 93» Dokudrama (2006), Do., 10. 9., 20.15 Uhr, 4+
«10 vor 10» mit Schwerpunkt 9/11, Do., 10. 9. oder Fr., 11. 9., 21.50 Uhr, SRF 1
«Der Tag, der die Welt veränderte» Fr., 11. 9., 18.50 Uhr, ARD
«9/11: Spezial»Fr., 11. 9., 19.25 Uhr, ZDF
«Terror mit weltweiten Folgen» Fr., 11. 9., 21.20 Uhr, ORF 2

«Terror, Trauma, Zeitenwende» Mo., 7. 9., 1.05 Uhr, ZDF
«Was vom Terror übrig blieb» Mo., 7. 9., 21.10 Uhr, NTV
«Die Geiseln des Terrors» (1/2) Di., 8. 9., 20.15 Uhr, ZDF
«Flug 93» Dokudrama (2006), Do., 10. 9., 20.15 Uhr, 4+
«10 vor 10» mit Schwerpunkt 9/11, Do., 10. 9. oder Fr., 11. 9., 21.50 Uhr, SRF 1
«Der Tag, der die Welt veränderte» Fr., 11. 9., 18.50 Uhr, ARD
«9/11: Spezial»Fr., 11. 9., 19.25 Uhr, ZDF
«Terror mit weltweiten Folgen» Fr., 11. 9., 21.20 Uhr, ORF 2

Bei den Anschlägen starben fast 3000 Menschen. Als Reaktion darauf rief der damalige Präsident George W. Bush (80) den «Krieg gegen den Terror» aus, dem laut Schätzungen bis 2009 mehrere hunderttausend Personen zum Opfer fielen (u. a. in Irak, Afghanistan oder Pakistan).

«Für die Welt wäre es besser gewesen»

Er sei dankbar, sagt Klapproth rückblickend, dass er in dieser Tragödie eine klare Aufgabe hatte. «Andere Menschen sassen zu Hause vor dem Fernseher oder sahen die Bilder womöglich unterwegs in einem Schaufenster und waren allein mit ihrer Erschütterung.»
Er selbst hingegen sei voll auf die Sendung fokussiert gewesen. «Ich sagte mir damals: Über deine Gefühle kannst du dir nach Mitternacht Gedanken machen.»

Als er sich spätabends auf seinen Roller setzte und nach Hause fuhr, sei die Anspannung erst mal abgefallen. Gleichzeitig kam ihm das Erlebte unwirklich vor, surreal: «Dass so viele Menschen gestorben waren, ohne dass irgendjemand etwas dagegen tun konnte, blieb auch jetzt kaum zu ertragen.» Grundsätzlich sei er mit den Bildern im Kopf und seinen Emotionen aber gut zurechtgekommen. «Ich konnte – zu meinem Glück – schon immer sehr gut abschalten.»

Zudem habe er sich bewusst dagegen gewehrt, die Terroristen «stärker als nötig in meinen Kopf zu lassen», wie er es formuliert. Genau das sei ja deren Ziel: grösstmögliche Aufmerksamkeit – nicht zuletzt mit Unterstützung der Medien, die grossflächig über die Angriffe und Attentate berichten. «Dem Terrornetzwerk Al Kaida ist dies bei 9/11 mehr als gelungen.» Ein Dilemma, zu dem er sich später in Artikeln, bei Vorträgen oder als Mediendozent immer wieder geäussert hat.

Vollends losgelassen habe ihn das Thema nie, sagt Klapproth. Wie es der Zufall wollte, moderierte er nämlich kurz nach den Anschlägen eine Veranstaltung, an der Al Gore (78) als Redner geladen war. Dieser hatte nur Monate zuvor – trotz landesweit mehr Stimmen – die höchst umstrittenen Präsidentschaftswahlen gegen George W. Bush verloren. Besonders eine Frage trieb Stephan Klapproth lange um: «Wie hätte sich diese Zeitenwende weiterentwickelt, wenn damals nicht Bush mit seiner ‹Krieg gegen den Terror›-Doktrin, sondern Al Gore an der Macht gewesen wäre? Ich persönlich vertrete bis heute die Meinung: Für die Welt wäre es besser gewesen.»

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