Darum gehts
- Franz W. Faeh startet am 19. Juni seine letzte Saison im Gstaad Palace
- Der bekannte Küchenchef wurde durch die SRF-Doku «Inside Gstaad Palace» berühmt
- Seit 1987 kochte er international, auch für Thailands König Bhumibol (†88)
Am 19. Juni beginnt im weltbekannten Hotel Gstaad Palace die Sommersaison. Für Küchenchef Franz W. Faeh wird es die letzte Saison vor seiner Pensionierung sein. In der Haute Cuisine ist Faeh seit vielen Jahren ein grosser Name. Doch seit letztem Herbst kennen ihn auch viele, die nicht unbedingt Feinschmecker sind. Mit seiner direkten Art war er der Star der vierteiligen SRF-Doku «Inside Gstaad Palace». Durch sie bekamen Zuschauerinnen und Zuschauer einen einmaligen Einblick hinter die Kulissen des 5-Sterne-Hotels im Berner Oberland. Und damit auch in das Reich von Franz W. Faeh, dem Chef von 55 Angestellten in der Hotelküche.
«Durch die Serie bin ich ungewollt zum Superstar geworden», sagt Faeh. Er könne heute nicht mehr durch die Strassen von Zürich oder Bern spazieren, ohne erkannt und angesprochen zu werden. Damit kann er aber bestens umgehen. Er findet die TV-Serie «sensationell gemacht» – die Angestellten hätten sich trotz des TV-Teams frei gefühlt. Und sie hätten auch kein Blatt vor den Mund nehmen müssen. Hotelchef Andrea Scherz (56) habe seiner Truppe nie dreingeredet. Nur eine einzige Sequenz habe am Ende nicht ausgestrahlt werden dürfen, weil sich jemand allzu persönlich geäussert habe.
Als Kuhhirt angefangen
Kürzlich ist Franz W. Faehs Biographie «Palace retour» erschienen. Darin wird ausführlich sein Werdegang vom Kuhhirten zum Starkoch erzählt. Als Sohn eines Einheimischen und einer gebürtigen Norwegerin ist Faeh im Saanenland aufgewachsen und hat sich schon von klein auf mühelos in beiden Welten dieser Gegend bewegt: Da sein Grossvater und später sein Vater als «Hausfotografen» im «Palace» arbeiteten, kannte er die Welt der Schönen und Reichen. Gleichzeitig war die Familie nicht auf Rosen gebettet; Franz W. Faeh musste schon als Schüler mit anpacken. Erst arbeite er in den Sommerferien als Kuhhirt, später im Bergrestaurant auf dem Wasserngrat.
Faeh durfte schon die Kochlehre im «Palace» machen. Das familiär bedingte Vitamin B dürfte seinen Teil dazu beigetragen haben. Nach der Lehre sammelte er weitere Erfahrungen in anderen Schweizer Häusern, bis er 1987, mit erst 26 Jahren, nach Asien aufbrach. In Hongkong und Bangkok ging sein Weg weiter – so kochte er einst sogar für den thailändischen König Bhumibol alias Rama IX. († 88).
Dieser Artikel wurde erstmals in der «GlücksPost» veröffentlicht. Mehr aus der Welt der Schweizer Prominenz, Royals und Sportstars erfährst du immer donnerstags in unserem Heft: zum Abo!
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Bald nach seiner Rückkehr in die Schweiz wurde er Küchenchef im «Badrutt’s Palace» in St. Moritz GR. «Diese Stelle hat mich bekannt gemacht», sagt er. Im Herbst 2016 schloss sich dann der Kreis. Die beiden Kindheitsfreunde Franz W. Faeh und Andrea Scherz, Letzterer war inzwischen Chef des «Palace», wurden sich rasch und unkompliziert einig, und Faeh startete als «Culinary Director» bei seinem ehemaligen Lehrbetrieb.
Seither sind zehn Jahre vergangen. Franz W. Faehs letzte Saison dauert bis im September. Danach geht er in Pension. «Ich freue mich sehr darauf», sagt er.
Erstmals Grosspapi
Auf ihn wartet ein neues Leben, aber kein neues Umfeld: Faeh und seine Partnerin Regula Kohler (62) wohnen nämlich in Gstaad BE. Die Liebesgeschichte der beiden würde Stoff für einen eigenen Film bieten: Die zwei kannten sich schon als Kinder, wohnten im selben Haus und fanden sich durchaus interessant. Aber das Leben verschlug sie in andere Richtungen. Letzten Herbst funkte es schliesslich zwischen ihnen. «Äs het sech öpper i mis Härz gschliche», sagt er lachend.
Franz W. Faeh hat keine Angst, dass ihn und seine Partnerin der «Pensionskoller» ereilen werde. Dafür haben die beiden zu viele Pläne. Im Mai ist er Grosspapi geworden, weshalb er und Regula Kohler in den vergangenen Betriebsferien nach Kanada reisten, um Faehs Tochter aus erster Ehe und den Enkel in die Arme zu schliessen. Im Winter werden sie sich im Saanenland wiedersehen, worauf Faeh sich schon sehr freut.
Auch seinen Leidenschaften für schnelle Autos und schnelle Skis wird der Bald-Pensionär künftig vermehrt frönen. «Das Skifahren ist in den letzten Jahren definitiv zu kurz gekommen», sagt er, der auf der Piste gern rassig unterwegs ist.
Umzug steht an
Aber nur noch Dolce Vita wäre nichts für ihn. Ganz von der Bildfläche verschwinden wird er nicht: Konkret sei noch nichts, aber er habe bereits zahlreiche Anfragen erhalten. «Ich kann nicht von 200 Prozent auf null gehen, sonst bin ich übermorgen tot», meint er lakonisch.
Dass er auch künftig so nah beim «Palace» wohnen wird, stört ihn gar nicht. Franz W. Faeh kann sich gut vorstellen, dort dereinst als ganz normaler Gast einzukehren: «Ich habe viel für das Haus gemacht und das Haus viel für mich.» Auf Gstaads Gassen wird er mit Sicherheit vielen Stammgästen begegnen. Auch damit hat er kein Problem. Manche von ihnen seien zu Freunden geworden, die bei ihm daheim jederzeit willkommen seien.
Bei allem Respekt für seine letzte Arbeitsstätte: Ein bisschen Distanz sucht Franz W. Faeh künftig dann doch. Grinsend verrät er: «Wir werden in eine Wohnung umziehen, von der aus wir das Palace nicht mehr sehen.»