Bergsturz zerstört Walliser Dorf Blatten
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Katastrophe im Lötschtal:Bergsturz zerstört Walliser Dorf Blatten

Alles verloren beim Bergsturz in Blatten VS
Musikgesellschaft kämpft sich nach Blatten-Katastrophe zurück

Am Eidgenössischen Musikfest, das über Auffahrt in Biel BE stattfindet, werden sie für besonders emotionale Momente sorgen: Die Musikantinnen und Musikanten aus Blatten VS haben beim Bergsturz alles verloren.
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Die Musikgesellschaft Fafleralp Blatten 2024 am kantonalen Musikfest Wallis. Knapp ein Jahr später zerstörte ein Bergsturz ihr Dorf.
Foto: CEWE FOTOSCHAU

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Musikgesellschaft Fafleralp Blatten verlor fast alles beim Bergsturz am 28. Mai 2025
  • Dank Spenden und geliehenen Instrumenten nehmen sie am Musikfest in Biel teil
  • 35 Mitglieder, 6 Uniformen, 10 Instrumente: Ziel ist ein Neuanfang in Blatten
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Andrea Butorin, GlücksPost
Glückspost

Zehn Instrumente und sechs Uniformen: Das ist alles, was der Musikgesellschaft (MG) Fafleralp Blatten nach dem tragischen Bergsturz vom 28. Mai 2025 geblieben ist. Die 35 Vereinsmitglieder haben zum Glück alle überlebt, aber praktisch ihren gesamten Besitz entweder durch den Bergsturz oder durch die anschliessende Überschwemmung des Dorfes Blatten VS verloren. Auch all die Erinnerungsstücke aus dem Vereinslokal wie die historische Vereinsfahne, Fotos, Musiknoten oder Auszeichnungen sind unwiederbringlich weg.

Nicole Kalbermatten (37) und ihre Familie haben durch die Katastrophe ebenfalls ihr Zuhause verloren. Sie ist Mutter von zwei Kindern und arbeitet Teilzeit bei den Bergbahnen in Wiler VS. In der Musikgesellschaft ihres verschwundenen Heimatdorfs, einer Brassband der zweiten Stärkeklasse, spielt sie Flügelhorn und amtet als Präsidentin. Ihr Vater spielt ebenso mit wie ihr Ehemann. Auch ihre Mutter war früher Aktivmitglied, nun hütet sie während der Proben die Enkelkinder.

Berührende Prozession

Rasch hätten sich alle Mitglieder dafür eingesetzt, wieder proben zu können: «Man braucht ein Ziel vor Augen, und Musik machen tut uns gut und lenkt uns ab.» Das Fernziel: die Teilnahme am Eidgenössischen Musikfest in Biel vom 14. bis 17. Mai 2026. Die fehlenden Instrumente wurden zunächst ausgeliehen und später dank Spenden aus der ganzen Schweiz neu gekauft. «Unterschlupf» fanden die Blattner erst beim Nachbarverein aus Ferden VS und aktuell in Kippel VS.

Die ersten Proben und Auftritte nach dem Bergsturz waren sehr emotional: Ganz besonders die Videoaufnahme für Fronleichnam, in der die MG das Fahnenschwingen oberhalb des Lötschentals musikalisch begleitete. «Alle hatten Tränen in den Augen. Mir kam es vor wie eine Abschiedszeremonie für das Dorf», sagt Nicole Kalbermatten.

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Dieser Artikel wurde erstmals in der «GlücksPost» veröffentlicht. Mehr aus der Welt der Schweizer Prominenz, Royals und Sportstars erfährst du immer donnerstags in unserem Heft: zum Abo!

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Viele nostalgische Momente gab es am Jahreskonzert an Ostern. Emotionen wird auch der Auftritt in Biel hervorrufen: Das Selbstwahlstück «Tschäggättä», benannt nach den berühmten Lötschentaler Fasnachtsmasken, hat der britische Komponist Simon Dobson (45) dem Verein quasi auf den Leib geschrieben. Dirigent Christian Pfammatter (53) komponierte ebenfalls: Sein Marsch «The Blue Jacket», mit dem die Blattner in der Disziplin Parademusik durch Biel defilieren werden, ist eine Erinnerung an die alte Vereinsuniform.

In die Zukunft schauen

«Eigentlich sind wir schon ein ambitionierter Verein», sagt die Präsidentin. Am Eidgenössischen Musikfest 2011 erreichten sie in der Parademusik gar den 1. Platz mit Höchstwertung. In Biel aber gehe es in erster Linie darum, sich bei der Bevölkerung für die grosse Unterstützung zu bedanken.

Dank der Spenden besässen sie alles, was es unmittelbar zum Musizieren brauche. In Biel werden sie noch im simplen Tenue auftreten: schwarze Hose, weisses Poloshirt. Bald gibt es aber eine neue Uniform. Ob eine traditionelle, wie es die alte war, oder eine modernere, wird demnächst entschieden. Offen ist noch, ob und wo der Verein ein neues Probelokal erhält – und was das finanziell bedeuten wird.

Der gemeinsam erlittene Schicksalsschlag habe die Musikgesellschaft noch stärker zusammengeschweisst. Nicole Kalbermatten sagt: «Nach all den traurigen und nostalgischen Momenten wollen wir ab jetzt in die Zukunft schauen.» Die Präsidentin hofft, dass der Verein und all seine Mitglieder dereinst ins wiederaufgebaute Blatten zurückkehren können.

Für Vereinsnachwuchs hat die Präsidentin persönlich gesorgt: Ihr sechsjähriger Sohn hat kürzlich angefangen, Cornet zu lernen. Und auch die vier Jahre alte Tochter versucht sich bereits mit einem Mini-Cornet. Gut möglich also, dass bald drei Generationen der Kalbermatten in der MG Fafleralp Blatten spielen.

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