«Abbild der heutigen Zeit»
SRF-Radiomoderator Philippe Gerber über «traurige» Basler Fasnacht

Ab 23. Februar steht Basel Kopf: Die Fasnacht, die «drey scheenschte Dääg» beginnen. SRF-Moderator Philippe Gerber kommentiert erstmals den Cortège und den Querschnitt – und freut sich auf den Morgestraich um Punkt 4 Uhr morgens.
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Philippe Gerber (l.) moderiert erstmals die Basler Fasnacht fürs Radio.
Foto: René Ruis

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Ab 23. Februar startet in Basel die berühmte Fasnacht mit Cortège.
  • SRF-Moderator Philippe Gerber kommentiert erstmals den Morgestraich, Cortège und Querschnitt.
  • Morgestraich beginnt pünktlich um 4 Uhr, Cortège läuft von 14–16 Uhr.
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Gabrielle Jagel
Tele

Ab Montag, 23. Februar, herrscht in Basel der alljährliche Ausnahmezustand. Während dreier Tage taucht die Stadt ein in die närrische Zeit. Neu kommentiert und moderiert SRF 3-«Morgenshow»-Mann Philippe Gerber für SRF 1 den Cortège und den Querschnitt.

Was bedeuten für den begeisterten Fasnächtler die «drey scheenschte Dääg»?

TELE: Am Montag heisst es für Sie früh aufstehen, sehr früh …
Philippe Gerber: Richtig, doch seit ich die «Morgenshow» von SRF 3 moderiere, ist das fast zur Gewohnheit geworden. Ich werde also wie immer um 2 Uhr aufstehen. Diesmal ist mein Arbeitsweg aber nur kurz, weil ich nicht weit von Basel wohne.

Sie kommentieren erstmals für SRF die Basler Fasnacht bzw. den Cortège und den Querschnitt. Sind Sie schon etwas aufgeregt?
Ehrlich gesagt, scho es bitz (lacht). Die erste Moderation ist ja vor dem Morgestraich. Das ist es, was mich am meisten nervös macht, denn du darfst dir vieles erlauben, aber niemals am Morgestraich zu spät sein. Der beginnt um Punkt 4 Uhr, keine Minute früher oder später. Die Vorfreude ist auch überall zu hören: Aus fast jedem Schulhaus oder Keller hört man Piccolos und Trommeln.

Ein Artikel aus «Tele»

Das ist ein Beitrag aus «Tele». Das Fernsehmagazin der Schweiz taucht für dich nach den TV- und Streamingperlen.

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Wie haben Sie sich vorbereitet?
Ich weiss und kenne zum Glück natürlich viel aus eigener Erfahrung. Aber dennoch muss ich alles nochmals durchchecken. Vieles wird dir verziehen, aber zu einer Larve Maske zu sagen, wäre ein absolutes No-Go, ebenso vom Umzug statt vom Cortège zu sprechen oder von Konfetti statt Räppli. Fasnächtler sind sehr sensibel. Schlimm wäre, wenn eine Clique gezeigt wird und ich kein Wort über sie verlieren würde, weil ich bei einem anderen Thema bin. Da verstehen sie dann keinen Spass! (Lacht.)

Und wenn Sie doch mal etwas nicht wissen?
Das kann vorkommen, darum habe ich beim Cortège von 14 bis 16 Uhr den Experten Simon Thiriet an meiner Seite. Er macht das seit Jahren und ist mein Rückhalt. Ihm darf ich auch mal eine blöde Frage stellen (schmunzelt). Meine Aufgabe ist, so wie in der Radio-«Morgenshow» mit Marco Thomann, die Leute an der Hand zu nehmen, sie durch die Fasnacht zu führen und ihnen näherzubringen, was sie sehen. Ein Bild zu haben, ist neu für mich. Da muss ich aufpassen, nicht alles zu Tode zu erklären, einfach mal den Mund halten und die Bilder wirken lassen (lacht).

Eva Nidecker hat das zehn Jahre lang moderiert …
Eva hat das super gemacht. Von ihr möchte ich die Lockerheit und Begeisterung mitnehmen und hoffe, dass es auch mir gelingt, diese Freude zu vermitteln.

Wie lautet das Motto?
«Blyyb verspiilt», da feiern und ehren wir den Fasnachts-Nachwuchs und die Nachwuchsförderung. Wenn man aber auf die vielen Sujets der Cliquen schaut, fällt auf: Es wird wegen der weltpolitischen Lage thematisch eine eher schwere, fast etwas traurige Fasnacht sein. Natürlich überwiegt drumherum Heiterkeit: dass man zusammenkommt und zusammenspielt.

Die Basler Fasnacht gehört zum Unesco-Weltkulturerbe, hat sich aber im Lauf der Jahre verändert.
Die Fasnacht ist ein Abbild der heutigen Zeit. So war es zum Beispiel vor einigen Jahrzehnten noch verboten, am späteren Montag- und Dienstagabend zu pfeifen und zu trommeln. Oder die Guggenmusik-Formationen waren früher oft mit verbeulten und angemalten Trompeten beziehungsweise Posaunen unterwegs, dementsprechend schräg hat es getönt. Heute ist es musikalisch viel professioneller und vielseitiger geworden. Die Fasnacht steht nie still, aber es ist noch immer wichtig, dass es Rahmenbedingungen gibt – und an die hält man sich!

Was ist oberstes Gebot oder umgekehrt ein böser Fauxpas?
Man geht nicht verkleidet an die Fasnacht, wenn man nicht aktiv mitmacht. Man schminkt sich nicht, liest keine Räppli vom Boden auf und wirft sie, da unhygienisch. Was ebenfalls gar nicht geht: sich zwischen den Formationen durchschlängeln. Man wartet, bis sie vorbei sind. Und ganz wichtig: Beim Morgestraich dürfen keine Reklamen, Schaufenster, Strassenlampen leuchten. Es muss dunkel sein.

Wie ist das mit der viel zitierten Narrenfreiheit: Gibt es Grenzen?
Es ist wie im normalen Leben: Rassismus oder Gewalt haben keinen Platz, auch Themen unter der Gürtellinie sind heikel. Es darf etwas wehtun, es darf und soll durchaus auch aufrütteln. Die Fasnacht darf kritisch hinschauen, darf dort pieksen, wo es zu spüren ist. Aber es muss anständig bleiben, niemand soll verletzt werden. Das ist ein ungeschriebenes Gesetz, und alle halten sich daran. Nicht zu vergessen: Die Basler Fasnacht ist wertfrei. Es ist egal, wer du bist, woher du kommst – an der Fasnacht sind alle gleich. 

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