Darum gehts
- Die SRG-Unterhaltung steht vor der Abstimmung am 8. März unter Kritik
- SRF-Formate wie «Happy Day» und «Donnschtig-Jass» gewinnen Zuschauer
- 2025 erreichte «Happy Day» 633 000 Zuschauer mit 44,7 % Marktanteil
«Die Unterhaltung kann weg!» Solche und ähnliche Voten liest man rund um die Volksinitiative «200 Franken sind genug» immer wieder auf Social Media oder sonst wo. Kurz vor der «SRG-Abstimmung» am 8. März gehen die Wogen hoch, der Ton auf beiden Seiten ist spürbar gehässiger geworden. Auffallend oft am Pranger stehen die Unterhaltungssendungen von SRF. Diese würden niemanden interessieren, könnten locker von den Privaten abgedeckt werden, seien ohnehin kein Service public.
Das erstaunt. Denn nebst der Übertragung grosser Sportevents sind es ja gerade Formate wie «Donnschtig-Jass» oder «Happy Day», die bis heute für emotionale Fernseh-Momente sorgen. Und wenn bei «Game of Switzerland» oder dem Eurovision Song Contest endlich mal wieder die ganze Familie vor dem TV sitzt, kommt sogar ein bisschen Lagerfeuer-Stimmung von früher auf. Mit solchen Sendungen erfüllt SRF (als Teil der SRG) nicht zuletzt den vom Bund vorgegebenen Leistungsauftrag, zu dem die Unterhaltung genauso gehört wie die Bereiche Information, Kultur, Bildung und Sport.
«Gehört zum Auftrag des Service public»
Die Vorgabe lautet zudem, dass die Programme der SRG ein breites Publikum erreichen müssen. «Unsere Formate helfen in diesem Mix mit, verschiedene Bevölkerungsschichten anzusprechen und zu verbinden», sagt Manuela Diethelm, Abteilungsleiterin Unterhaltung a. i. bei SRF. Dennoch sei die Unterhaltung im Rahmen des Service public nicht nur Auftrag, sondern erfülle einen wichtigen Zweck in Abgrenzung zum internationalen Entertainment-Umfeld. «Die Unterhaltung stiftet Identität, spiegelt gesellschaftliche Debatten niederschwellig und stellt Gemeinschaft her», so Diethelm.
Identitätsstiftend und gesellschaftlich relevant, genau das stellen Kritiker in Abrede und nennen dabei – als Negativ-Beispiel – etwa das Datingformat «Alone Together». Nur: Die oft gescholtene Reihe über Singles, die auf einer schwedischen Insel ihr Glück suchen, kam beim Publikum super an: Mit rund 650 000 Starts ist «Alone Together» das auf der Onlineplattform Play SRF bislang erfolgreichste Unterhaltungsformat überhaupt.
Wachsende Kritik trotz Rekordzahlen
Eines kann man der Unterhaltungsabteilung ohnehin nicht vorwerfen: fehlenden Erfolg. Im bekanntlich stark rückläufigen TV-Markt haben gleich mehrere Formate ihre Quote gesteigert. Ja, gesteigert. Zahlen lügen nicht. So erreichte etwa das Samstagabend-Flaggschiff «Happy Day» schon 2023 im Schnitt sehr gute 517 000 Zuschauer/-innen. Doch 2025 waren es sogar 633 000. Der Marktanteil stieg damit von 36,3 auf 44,7 Prozent! Ein Quotengarant ist auch der «Donnschtig-Jass»: Im Schnitt schalteten vergangenen Sommer 476 000 Personen ein, was einem Marktanteil von 42,6 Prozent entspricht. Die Ausgabe vom 14. August 2025 erreichte mit 51,9 Prozent gar einen Rekordwert!
Ebenfalls zugelegt haben im Vergleich zu den Vorjahren die diversen Formate der «SRF bi de Lüt»-Reihe. Und fast schon ein Phänomen ist «1 gegen 100»: 2025 gewann das Quiz leicht Publikum dazu – und das im mittlerweile sage und schreibe 17. Sendejahr. Nicht zu vergessen: der letztjährige ESC in Basel. Das Finale erreichte fast 60 Prozent Marktanteil, zudem war die Show einer der wohl grandiosesten Werbespots für die Schweiz aller Zeiten.
Sicher: Ein Programm mit weniger Unterhaltung wäre durchaus möglich – falls dies in der Konzession dereinst so festgelegt werden sollte. Laut Diethelm zeigt die Erfahrung aus anderen Ländern aber ebenso eindeutig: Sender, die ausschliesslich Informationen oder Kulturbeiträge ausstrahlen, erreichen mit ihrem Programm nur ein Nischenpublikum. Manuela Diethelm: «Das Gegenteil von Unterhaltung ist eben nicht Information, wie einige behaupten – sondern Langeweile.»