Darum gehts
- Die Thunerseespiele warten 2026 mit dem Musical-Klassiker «Grease» von 1971 auf
- Der Vorverkauf läuft so gut wie noch selten in der Geschichte der Thunerseespiele
- Prominente Gäste wie Albert Rösti, Adolf Ogi, Stefanie Heinzmann und Francine Jordi bei der Premiere
Res Stucki, der 2012 verstorbene Mitbegründer der Thunerseespiele, hatte sich schon vor 20 Jahren um die Rechte für eine Open-Air-Inszenierung des Musical-Klassikers «Grease» bemüht. Der jetzige Erfolg zeigt warum. Der Ticketverkauf für die bis zum 22. August dauernden Vorführungen läuft rekordverdächtig gut. Deshalb ist die Tribüne mit 2900 Plätzen heuer noch etwas grösser als ohnehin schon.
Die Liebesgeschichte um Sandy Dumbrowski (gespielt von Jeannine Michèle Wacker, 37) und Danny Zuko (Matt Posada, 27) und ihre Gangs «Pink Ladies» und «Burger Palace Boys» ist nicht besonders anspruchsvoll, dafür eingängig. Unterstrichen durch die in Originalsprache intonierten Hitsongs wie «Summer Nights» und «You're The One That I Want».
Bei der Premiere vom Mittwoch, 8. Juli, begeisterte insbesondere die Bühnen-Optik mit den USA der 1950er-Jahre im Miniaturformat. Ein Traum in Rosa und Hellblau mit Diner, Tanksäulen, Leuchtreklamen und der Rydell High School, der mit zunehmender Dunkelheit noch ikonischer wirkte.
Tanzen mit Emil
Nicht nur der Vorverkauf zog früh an. Auch die Prominenz unter den Premierengästen erschien noch zeitiger als in anderen Jahren. Allen voran Bundesrat Albert Rösti (58) und alt Bundesrat Adolf Ogi (83), die schon mehr als zwei Stunden vor Beginn über den Roten Teppich schritten und dann schleunigst in den Schatten flüchteten.
Blick wollte von ihnen wissen, wie ein Musical basierend auf ihrem Leben heissen würde. «Was für eine Frage?», konterte Ogi amüsiert. «Natürlich ‹Freude herrscht›. Diese zwei Worte drücken alles aus, was die Welt heute brauchen würde.»
Auch Hobby-Drummer Rösti hatte flugs einen Vorschlag bereit. «Mit Mut und Zuversicht in die Zukunft», schlug er vor. «Oder ‹Das Leben ist zu kurz, um es nicht zu geniessen›.»
Die Kabarett-und Schauspiel-Fraktion war ebenfalls nicht um eine rasche Antwort verlegen. Emil Steinberger (93) meinte: «Am besten ‹Au das no›. Musikalisch würde es in Richtung meiner Anfänge gehen. Wir tanzten in den 1950ern Madison und Rock'n'Roll. Damit begann alles. Und dann wurde es immer braver und ruhiger.»
Birgit Steinegger (77) fand bescheiden: «Wen würde ein solches Musical schon interessieren?» Trotzdem um einen Titel gebeten, nannte sie «Siicher» in Anlehnung an ihre Figur Frau Iseli.
«The WAM and only» oder «The WAM-Man-Show» lauteten die Namensvorschläge von Walter Andreas Müller (80). «Die Stilrichtung: Schlager, Pop etc.»
Auf der Achterbahn des Lebens
Stark vertreten auf der VIP-Liste war in Thun die Sportabteilung. Ski-Olympiasiegerin Dominique Gisin (41) musste nicht lange überlegen: «‹Up and down›. Das ergäbe sicher ein rassiges Mundart-Musical, vorzugsweise im Hip-Hop-Stil.»
Auch ihr Abfahrts-Kollege Beat Feuz (39) lieferte prompt: «‹Der Kugelblitz vom Bumbach›», schlug er mit Bezug auf seine Berner Heimat Schangnau vor. «Die Stilrichtung wäre Schlager. Und es sollte inhaltlich vor allem sehr lustig sein.»
Ein Heimspiel hatten die beiden FC-Thun-Koryphäen Hanspeter «Pudi» Latour (79) und der aktuelle Vereinspräsident Andres Gerber (53). «Zufriedenheit über alles», so Latours Antwort. «Stilmässig dürfte es ein bunter Mix sein. Ich und meine Frau Thilde werden nächstes Jahr 80. Und wir haben so manches gehört.»
Und Andres Gerber meinte: «Am besten ‹Achterbahn›. Musikalisch ginge es wohl in Richtung Rondo Veneziano. Denn ich höre gerne Pop wie auch Klassik.»
Für den Titel «Achterbahn» konnte sich auch Sängerin Stefanie Heinzmann (37) erwärmen, allerdings in der englischen Variante «Rollercoaster». «Aber geben Sie mir doch noch circa dreissig Jahre, damit ein einigermassen ergiebiger Rückblick möglich wird. Jetzt bin ich mitten im Leben», meinte sie strahlend.
Melanie (38) und ihre Mutter Annemarie Oesch (63) von Oesch's die Dritten nannten als Wunschtitel «Es vous Härz», passend zu ihrer nächsten Single. «Und natürlich sollte es unbedingt ein Mundart-Musical sein.»
Etwas mehr Bedenkzeit erbat sich Schlagersängerin Francine Jordi (49). «Die Stilrichtung ist gegeben. Und der Inhalt hätte einen gewissen Tiefgang und sollte den Menschen Freude bereiten. Aber was wäre ein passender Titel?», fragte sie sich.
Schliesslich eilte ihr der Liedermacher Peter Reber (77) zu Hilfe, dessen Hits für das Trio Peter, Sue & Marc 2022 unter dem Titel «Io senza te» in Thun als Musical liefen. Reber: «Crazy Girl», «Love Forever» oder «Wider mau Träne»? Jordi freudig: «Mein Gott, jetzt werden wir romantisch, das gefällt mir.»