Darum gehts
- Gölä und der Jodlerklub Wiesenberg nehmen die Nationalhymne auf
- Ihre Interpretation am ESAF 2025 in Mollis ist bis heute unvergessen
- Die Produktion bezahlen sie selber, und sie wollen nichts daran verdienen
Es war einer der emotionalsten Momente am ESAF 2025 in Mollis GL, als Mundartrocker Gölä (58) mit dem Jodlerklub Wiesenberg aus Nidwalden die Nationalhymne vortrug und die meisten der über 50'000 Schwingfans aus voller Kehle einstimmten.
Viele schwärmten später von einem Hühnerhaut-Moment, andere waren vor Rührung sogar den Tränen nahe.
Dem bewegenden Resultat ging eine längere Vorbereitungszeit voraus. «Eigentlich wollte ich mit meiner Band eine moderne Version wagen, richtig amerikanisch, wie bei einem Footballspiel», erzählt Gölä gegenüber Blick.
«Die Worte kann ich mir nur schwer merken»
«Doch die Wiesenberger haben mich dann überzeugt, dass das eine Quatsch-Idee war. Sie schmissen alle Elemente raus, die von mir kamen, und arrangierten einen wunderschönen Jodel, der schliesslich den Boden für meinen Teil lieferte.»
Das Resultat war derart eindrücklich, dass der Berner Sänger und sein Management nach dem ESAF immer wieder gefragt wurden, ob es diese Version nicht zu kaufen gäbe.
«Deshalb bin ich kürzlich mit den Wiesenbergern zusammengekommen, und wir haben die Hymne nun passend zum 1. August aufgenommen», sagt Gölä.
Verdienen wollen die beiden Parteien nichts daran. «Die Produktion inklusive Video haben wir aus dem eigenen Sack bezahlt», so Gölä. «Es muss nicht immer alles rentieren, was man macht. Diese Aufnahme ist ein Geschenk von mir und den Wiesenbergern an unser schönes Land, ein ehrliches Zeichen der Dankbarkeit.»
Angesprochen darauf, was für ihn das Schwierigste beim Interpretieren der Hymne sei, meint Gölä in seiner unverblümten Art: «Das Schlimmste ist der Text, diese altertümliche Sprache. Die Worte kann ich mir nur schwer merken. Doch die Werte, die darin vorkommen, finde ich auch heute noch unterstützungswürdig.»
Text sollte so belassen werden
Deshalb war es für ihn auch nie ein Thema, den Text anzupassen. «Er wurde vor knapp 200 Jahren geschrieben, und man sollte ihn so akzeptieren, wie er ist. In einen alten Bluessong pfuscht auch niemand rein. Ich jedenfalls hätte mich nicht dafür eingesetzt, hier etwas umzuschreiben. Die Gründung der Schweiz kann man auch nicht einfach verschieben. Der Text wurde damals mit viel Ehrfurcht verfasst. Belassen wir es also dabei.»
Die Aufnahme wird in der Nacht vom 31. Juli auf den 1. August veröffentlicht und ist auf den gängigen Streamingplattformen erhältlich.
«Es wäre natürlich toll, wenn ein paar Leute den Song bei ihrem Fest am 1. August einsetzen würden», hofft Gölä. Sein Rat, an den er sich auch selber halten will: «Am Morgen zum Nest raus, den Song runterladen und ihn dann am Abend beim Anstossen laut abspielen.»