Asia Argento erhält in Locarno den Life Achievement Award
«Ich bin eine Einzelgängerin und sehr verletzlich»

Am Donnerstag erhielt Asia Argento am Locarno Film Festival den Ehrenleopard für ihr Lebenswerk, am Freitag sprach sie in der «Conversation»-Reihe über ihre Karriere. Die Aufregung um ihre Anschuldigungen im Fall Harvey Weinstein hat sich etwas gelegt.
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Asia Argento am Donnerstag auf dem roten Teppich des Locarno Film Festival. Das hellblaue Kleid stammt von Jil Sander.
Foto: Imago

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Asia Argento wurde am Locarno Film Festival für ihr Lebenswerk ausgezeichnet
  • Sie schien in Locarno entspannter als zwei Jahre zuvor beim NIFFF in Neuenburg
  • 2017 gehörte sie mit Rose McGowan zu den Galionsfiguren der MeToo-Bewegung
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Jean-Claude GalliRedaktor People

«Welch grosse Ehre», sagt Asia Argento (50) strahlend, als sie am Donnerstagabend beim Locarno Film Festival den Life Achievement Award entgegennehmen darf, gehüllt in ein hellblaues Jil-Sander-Kleid.

Und auch am Mittag danach verströmt sie bei der «Conversation»-Reihe auf dem Palexpo-Gelände gute Laune, nun in schlichten Jeans, einem weissen T-Shirt und Converse-Sneakers.

Kein Vergleich mit der Frau, die Blick vor zwei Jahren am Filmfestival NIFFF in Neuenburg traf – übermüdet und leicht gereizt.

Argento und MeToo

Damals waren ihre Aussagen zum früheren Starproduzenten Harvey Weinstein (74) auch noch um einiges präsenter. 2017 hatte sie ihm als eine der ersten Schauspielerinnen sexuelle Übergriffe vorgeworfen und so die MeToo-Bewegung entscheidend lanciert.

Am Kern ihrer Meinung hat sich bis heute nichts geändert. «Abgesehen von seiner Verurteilung kam für mich nichts Gutes dabei heraus. Für die Frauen im Allgemeinen nicht», so Argento. 

«Ausser vielleicht, dass es in der jüngeren Generation ein grösseres Bewusstsein dafür gibt, was Vergewaltigung und Einverständnis wirklich bedeuten.»

Sie scheint ihre Mitte jedoch wiedergefunden zu haben. Und das Interesse an ihrem Werk und ihrer Person in Locarno TI bekommt ihr sichtlich.

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Schillernde Figur, illustre Familie

Asia Argento ist der Inbegriff einer schillernden Figur. Die römische Schauspielerin und Regisseurin ist die Tochter von Horrorfilm-Legende Dario Argento (85) und der Schauspielerin Daria Nicolodi (1950–2020). Wenn sie ihre Eltern sehen wollte, musste sie ihnen zur Arbeit folgen. Ihr eigenes Leinwanddebüt feierte sie als Elfjährige 1986 in «Demons 2».

Argento sagt: «Ich habe weite Teile meiner Kindheit bei Filmdrehs verbracht. Es gefiel mir dort fast besser als im richtigen Leben. Die Dinge waren klarer geregelt, alles war übersichtlicher.»

Doch verklären möchte sie ihre Vergangenheit nicht. «Die meisten der Probleme, die man als Erwachsener hat, sind in der Kindheit begründet. Und bereits die eigenen Eltern kämpfen oft mit ähnlichen Schwierigkeiten.»

Damit ist unter anderem die Alkoholsucht ihrer Mutter gemeint. Sie selber war ebenfalls länger abhängig.

2016 sorgt sie durch ihre Beziehung zum US-Starkoch Anthony Bourdain für Aufsehen, der sich 2018 das Leben nimmt. Aus ihren Beziehungen mit Regisseur Michele Civetta (50) und Musiker Marco «Morgan» Castoldi (53) stammen ihre Kinder Anna Lou (geboren 2001) und Nicola Giovanni (geboren 2008).

«Musste Rechnungen bezahlen»

Ihre künstlerische Karriere sieht sie nüchtern. «Ich habe auch in vielen mittelmässigen Filmen mitgespielt. Aber irgendwie musste ich meine Rechnungen bezahlen», scherzt sie.

Argento sagt: «Beim Kino hat man immer mit sehr vielen Leuten gleichzeitig zu tun. Im Grunde genommen bin ich jedoch eine Einzelgängerin und sehr verletzlich. Wahrscheinlich hätte ich mir einen anderen Beruf suchen müssen. Aber die Filmleidenschaft war stärker.»

Oder wie Locarno-Direktor Giona A. Nazzaro (61) die Auszeichnung begründet: «Asia ist eine Künstlerin, die stets über den Tellerrand hinausschaut und persönliche Risiken auf sich nimmt.»

Das 79. Locarno Film Festival geht am 15. August mit der Gala-Preisverleihung zu Ende. 

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