Darum gehts
- Virginie Efira rührt Locarnos Publikum auf der Piazza Grande
- Plattform-Unfall am Monte Verità: Eine Frau leicht verletzt, Spital verlassen
- Hitze: 33 Grad nachts, Models trotzen mit Leder-Outfits auf rotem Teppich
Die Emotionen stehen ihr ins Gesicht geschrieben. Bei der Ehrung von Virginie Efira (49) wird die kleinste Regung auf der 26 Meter breiten und 14 Meter hohen Leinwand am Locarno Film Festival wie durch eine Lupe sichtbar: Freude, Aufregung, ein Lächeln in den Augen. Sichtlich gerührt sagt sie: «Locarno ist vielleicht das Festival, das am stärksten an sein Publikum glaubt. Wir sind alle hungrig nach Filmen, die uns berühren, aufwühlen und überraschen.»
Und auch ihr Auftritt auf der Bühne über der Piazza Grande ist ein Hingucker: Die Schauspielerin tänzelt die letzten Schritte – gekonnt vor 6500 Zuschauern auf den bestimmt spitzesten Stilettos des Abends. Nirgendwo sieht man die Stars so gross und kommt ihnen so nahe wie auf der Piazza Grande in Locarno TI. Auch der dänische Schauspieler Claes Bang (59) scheint überwältigt. Er bringt es auf den Punkt: «Wenn man das auf einem kleinen Foto sieht, kann man es sich nicht vorstellen. Es ist grossartig. Danke!»
Das 79. Locarno Film Festival ist diese Woche mit Filmikone Isabella Rossellini (74) gestartet – gestern betrat Monica Bellucci (61) zum ersten Mal die Bühne der Piazza Grande. Ihr gefällt, dass Locarno ein Publikumsfestival ist: «Ich bin selber Cineastin, schon in meiner Jugend habe ich mir manchmal drei Filme hintereinander angeschaut.»
Für das Programm und die grossen Namen ist der künstlerische Leiter Giona A. Nazzaro (61) verantwortlich. Mit Festivalpräsidentin Maja Hoffmann bildet er ein kreatives Gespann. Zwei Künstlerseelen, die für Kultur brennen. In ihrem dritten Jahr an der Spitze des Festivals wirkt die Kunstmäzenin angekommen, auch wenn sie das Scheinwerferlicht lieber meidet. Umso glaubwürdiger wirkt ihr Engagement für die Kultur und deren Kraft für unsere Gesellschaft.
Wie viel ein Film auslösen kann, zeigte sich bereits am Eröffnungsabend bei «Les yeux verts», einem poetischen, langsamen Film über eine Flüchtlingsfamilie, drohende Abschiebung und Trauma. «Die Leute blieben auf der Piazza sitzen und diskutierten miteinander», sagt Hoffmann. Gerade Filme, die sich Zeit lassen, hält sie für wichtig: «Diese Langsamkeit sollte in einer Welt gefeiert werden, in der alles so schnell geht.»
Zu schaffen machte die Hitze
Zu schaffen machte den Festivalgästen vor allem die Hitze. Die Models Xenia Tchoumi (39) und Anja Leuenberger (33) liessen sich davon nicht abschrecken: Beide erschienen in hautengen schwarzen Lederoutfits auf dem roten Teppich – bei tropischen 33 Grad nachts um 22 Uhr.
Ein Schrecken mit Happy End
Glimpflich ging ein Zwischenfall auf dem Monte Verità aus. Beim traditionellen Déjeuner mit Risotto von Politik und Kultur – mit dabei Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider (62) – gab eine neu errichtete Plattform über dem alten Swimmingpool nach. Der Boden brach den Gästen buchstäblich unter den Füssen weg. Eine Frau wurde leicht verletzt. Sie konnte das Spital inzwischen verlassen. Das Festival hat eine interne Untersuchung eingeleitet. Ein Zwischenfall, der schon fast filmreif war.