Darum gehts
- Isabella Rossellini (74) erhält in Locarno den Excellence Award
- Sie kündigt neue Serie «The Survival of the Friendliest» über Tier-Evolution an
- Rossellini machte 2008 die Kult-Serie «Green Porno» mit über 50 Kurzfilmen
Auf der Piazza Grande flimmern Szenen aus einem aussergewöhnlichen Leben über die Leinwand: Supermodel. Hollywoodstar. Oscarnominierte. Regisseurin. Und mit 55 macht Isabella Rossellini (74) auch noch ihren Master in Tierverhaltensforschung. Das Filmfestival Locarno zeichnet die Tochter von Ingrid Bergman (1915–1982) und Roberto Rossellini (1906–1977) mit dem Excellence Award aus.
Für Rossellini schliesst sich in Locarno ein Kreis. Bereits in den Anfangsjahren des Festivals gewann ihr Vater Roberto Rossellini mit «Deutschland im Jahre Null» den Grossen Preis von Locarno, den Vorgänger des Goldenen Leoparden. «Das ist mein Lieblingsfilm meines Vaters», sagt sie. Er erzählt die Geschichte eines Jungen im zerstörten Berlin nach dem Zweiten Weltkrieg. Vor drei Jahren wurde auch ihr Bruder Renzo Rossellini (84) in Locarno geehrt. «Als kleines Mädchen habe ich immer zu meinem Vater und meinem älteren Bruder aufgeschaut. Ich kann kaum glauben, dass ich jetzt auch dazugehöre.»
Grosse Liebe zu Tieren
Trotz ihrer eindrücklichen Karriere bleibt ein kleiner Wermutstropfen. «Ich habe alles zehn Jahre zu spät gemacht», sagt Rossellini. «Vielleicht habe ich gezögert, weil meine Eltern so berühmt waren.» Nach ihrem ersten Film hätten sie die Kritiken so hart getroffen, dass sie sich fünf Jahre lang von der Schauspielerei zurückzog. «Ich hätte gern früher angefangen – damit ich mehr Zeit für alles gehabt hätte.» Als Model startete sie erst mit 27, als Schauspielerin mit 32.
Ihre Liebe zu Tieren begleitet Rossellini seit ihrer Kindheit. Immer wieder brachte sie streunende Hunde und Katzen nach Hause. «Meine Eltern sagten ständig: ‹Basta! Keine Tiere mehr!›», erzählt sie lachend. Eigentlich wollte sie schon als junge Frau Tierverhalten studieren. Diesen Traum erfüllte sie sich erst Jahrzehnte später – und machte daraus schliesslich auch Kino.
Für den Channel des Sundance Filmfestival lancierte sie 2008 auf Youtube die Kult-Kurzfilmserie «Green Porno». Daraus entwickelten sich später weitere Reihen wie «Mammas» oder «Seduce Me». Rossellini verbindet darin Wissenschaft mit Schauspiel und Humor, führt Regie, entwirft die Kostüme und spielt alle Rollen selbst.
Das Überleben der Freundlichen
In Locarno kündigt sie nun die Fortsetzung an: «The Survival of the Friendliest». Darin erzählt sie von der Evolution der Haustiere – wie aus dem Wolf der Hund oder aus dem Mufflon das Schaf wurde. «Wir sprechen immer vom darwinistischen Überleben der Stärksten. Aber es gibt auch das Überleben der Freundlichsten. Das wurde lange ignoriert», sagt sie. Die Rollen würde sie diesmal zwar lieber anderen überlassen. «Ich hätte am liebsten jemanden engagiert.»
«Ich möchte keine Flugzeuge mehr besteigen müssen», sagt Rossellini. Ausgerechnet auf dem Weg zu ihrer Ehrung war die Businessclass ihres Flugs aus New York überbucht, der Hollywoodstar musste Holzklasse fliegen. Sie nimmt es mit der Gelassenheit eines echten Stars – ohne Allüren. Genauso wie die Hitze in Locarno: Beim Publikumsgespräch trägt sie schwarzen Rollkragen, Strümpfe und einen mit der Wolle ihrer eigenen Schafe verzierten Blazer.