Darum gehts
- Peter Maffay (77) geniesst Familienzeit mit seiner siebenjährigen Tochter Anouk
- Er lebt gesund und verzichtet auf Alkohol und Zigaretten
- Maffay betont, dass Gesundheit und Familie für ihn wahres Glück bedeuten
Er gehört seit über fünf Jahrzehnten zu den erfolgreichsten deutschen Musikern. Vor drei Wochen ist Peter Maffay 77 Jahre alt geworden. Griff er früher noch zur Whiskeyflasche, wie er im Gespräch mit Johannes Oerding erzählt, steht heute seine siebenjährige Tochter an erster Stelle.
Sie ist auch der Grund, wieso Peter Maffay zum Zeitpunkt des Interviews mit Blick bereits einige Stunden wach ist. «Wir sind früh aufgestanden, um den wunderschönen Herbstmorgen zu geniessen», sagt er. Er machte seiner kleinen Tochter Frühstück, packte ihr Pausenbrot zusammen und dann ging es für sie ab in die Schule. «Das war bisher ein schöner Tag», sagt Maffay mit einem seligen Lächeln.
Peter Maffay und sein «elektrisierender» Alltag
Seinen aktuellen Lebensabschnitt bezeichnet Peter Maffay als «elektrisierend», was auch an der kleinen Anouk liegt. «Sie gibt unabsichtlich den Ton im Alltag an», lacht der Sänger. Wenn er einen halben Tag von Anouk getrennt ist, «vermisse ich dieses fröhliche Wesen, ihre Art und all das», sagt Maffay, weshalb es ihm wichtig ist, viel Zeit mit der Familie zu verbringen. «Ihre Entwicklung, wie sie jetzt stattfindet, wird sich logischerweise nicht wiederholen. Ich möchte da nicht an Dingen vorbeigehen, die ich nachher vermisse.»
Es mache ihn jedoch auch manchmal nachdenklich, mit 77 Jahren eine so junge Tochter zu haben. «Ich weiss, dass mein Zeitfenster anders aussieht, als das eines jüngeren Papas. Und ich versuche mir darüber immer wieder klar zu werden, was ich tun kann, um eine möglichst lange Perspektive mit meiner Familie und speziell eben mit Anouk hinzukriegen. Das heisst, ich passe schon relativ konsequent auf meine Lebensführung auf», erklärt der Sänger und verrät dabei, dass er aus diesem Grund bereits «vor Jahren» aufgehört habe, Alkohol, Zigaretten «und diesen ganzen Unfug» zu konsumieren. Das bekomme nun noch mehr Bedeutung, denn «die Uhr läuft eigentlich ein bisschen gegen mich». Daher sei er dankbar für jede Stunde, die ihm mit seinen Liebsten gegeben wird. «Und wenn es kürzer ist, als bei anderen, dann ist es halt so», sagt er mit ein wenig Wehmut in der Stimme. Wie lange man Zeit auf der Erde hat, entscheidet aber am Ende sowieso «jemand für uns», wie Peter Maffay es ausdrückt.
Mit diesem «Jemand» meint Peter Maffay Gott. Er ist ein gläubiger Mensch, wie er sagt. Das hat sich mit den Jahren geändert. Zwischenzeitlich trat er sogar aus der Kirche aus. Doch durch viele Begegnungen, die er durch seine Musik mit verschiedenen Menschen machte, begann er, umzudenken. «Ich habe gemerkt, dass diese Instanz für mich wichtig ist, weil sie in Situationen weiterhilft, in denen Menschen nicht mehr weiterhelfen können. Das gibt mir Hoffnung und Kraft.» An ein Leben nach dem Tod oder eine Wiedergeburt glaubt er nicht. Aber Maffay ist der Meinung, dass die Menschen durch Impulse weiterleben, wenn sie aus dem irdischen Leben scheiden. «Ich glaube schon, dass dieser Geist oder diese Spiritualität einen realen Widerhall hat», erklärt er. Dinge, die man hinterlässt, geben einem durch die Erinnerungen ein «zweites Leben».
Was bedeutet für Peter Maffay Glück?
Maffay ist Vater von zwei leiblichen Kindern und einer Adoptivtochter. Seine Eltern sind inzwischen beide verstorben, sein Vater erst vor fünf Jahren im Alter von 94 Jahren. Bei der Erinnerung an seine Eltern beginnt er langsam, selbst nachvollziehen zu können, was der Abschied der Eltern von den Kindern bedeutet, wenn die Eltern gehen. Sein Vater sei sehr souverän, ja fast sarkastisch mit dem eigenen Abschied umgegangen. «Aber das hat mich immer beeindruckt, mit welcher Gelassenheit er aus dem Leben gegangen ist. Wenn man diese Souveränität haben darf und kann, dann ist das sehr viel wert – auch für diejenigen, die dann weiterleben», philosophiert der 77-Jährige.
Peter Maffay hat als Rocker ein turbulentes Leben hinter sich und viel erlebt. Was bedeutet heute für den Musiker Glück? «Gesund zu sein, ist eine unglaubliche Voraussetzung für alles. Ohne Gesundheit ist im Grunde genommen alles gefährdet», sagt er. Ihm ist bewusst, dass das vielleicht pathetisch klinge, «aber wenn man Schicksale anderer Menschen beobachtet, die das Glück nicht besitzen, dann wird einem klar, dass das so ist». Denn nur mit Gesundheit könne man «die Erosion», wie er es humorvoll nennt, hinauszögern. Man könne für ein gesundes Leben ebenso wie eine lange musikalische oder künstlerische Perspektive arbeiten, woraus sich dann möglicherweise «viele andere glückliche Aspekte ergeben, zum Beispiel eine Familie, der man zur Seite stehen kann». Jetzt fühle er sich endlich angekommen in seiner Beziehung zu Ehefrau Hendrikje (39) und den Kindern, «deswegen ist dieses Viertel, Fünftel oder Sechstel meines Lebens jetzt am Ende so elektrisierend», sagt Maffay. «Glück ist für mich nicht ein Augenblick – das kann es sein, wenn man den Sechser im Lotto hat, das ist natürlich Glück. Aber aufs Leben übertragen würde ich sagen, ist Glück eher eine Frage einer bestimmen Lebensphase.»