Darum gehts
- Dolly Parton, US-Musiklegende, starb am 25. August 2026 und prägte Tennessee nachhaltig
- Ihr Swarovski-Dulcimer brachte 2020 250'000 Dollar für wohltätige Zwecke ein
- Parton spendete Millionen für Covid-Impfstoff und unterstützte die Queer-Community
Dolly Parton wurde letztlich viel wichtiger für mein Leben, als ich je gedacht hätte. Als ich 2018 anfing, den Appalachian Dulcimer (ein Saiteninstrument, Anm. d. Red.) zu spielen, lebte ich in New York – dorthin war ich einige Jahre zuvor dank eines Stipendiums an der Manhattan School of Music aus Zürich gezogen. Ich hatte mich dank meines ersten Dulcimers, den ich in einer kleinen Werkstatt in den Appalachen gekauft hatte, Hals über Kopf in die Kultur und Musik dieser Region verknallt. Fünf Jahre später hatten wir genug von New York – und landeten nicht zuletzt wegen des Folk-Instruments schliesslich in Nashville.
Wer sich ernsthaft mit dem Dulcimer beschäftigt, kommt an Dolly schlicht nicht vorbei. Wenn man Lieder wie «Coat of Many Colors» oder «My Tennessee Mountain Home» auf dem Dulcimer lernt, begreift man schnell, wie tief verwurzelt dieses Instrument in ihrer Musik ist. Und wer könnte Dollys legendäres, komplett mit Swarovski-Kristallen besetztes Instrument vergessen, das 2020 für eine Viertelmillion Dollar für gute Zwecke versteigert wurde? Es ist das perfekte Symbol für Parton: Glamour und tiefste Folk-Tradition auf einem einzigen Instrument vereint.
Egal, wo man Geschichten über sie hört: Man spürt sofort, dass Dolly eine Form von radikaler Herzensgüte besessen hat – gepaart mit riesigem, verschmitztem Humor.
Dolly Parton war für Tennessee so viel mehr als nur eine Musiklegende – sie war das wirtschaftliche und kulturelle Herz dieser Region. Vor allem in Nashville hat sie Spuren hinterlassen, die weit über Hits und Alben hinausgehen.
Schon als Kind stand Dolly hier auf der Bühne und hat diesen Ort über Jahrzehnte hinweg mit Benefizkonzerten, Auftritten und ihrer Strahlkraft geprägt. Ohne Ikonen wie sie, die das Erbe der Stadt mit Stolz wachhielten, wäre Nashvilles Herz heute nicht dasselbe.
Ihr Einfluss reicht weit über Musik und Wirtschaft hinaus: Als Tochter eines Predigers im konservativen Süden war Dolly ihrer Zeit immer voraus. Sie hat den oft abwertend verwendeten Stereotyp des «Redneck» zeitlebens mit Würde getragen und ihn auf ihre ganz eigene Art zugänglich gemacht – indem sie zeigte, wie viel Tiefe, Poesie und Stolz in den Wurzeln der einfachen Landbevölkerung steckt.
Ob durch die Millionenspende für den Covid-19-Impfstoff, ihren Einsatz für den Umweltschutz oder ihre kompromisslose, offene Unterstützung für die Queer-Community – Dolly hat bewiesen, dass man seine Wurzeln nicht leugnen muss, um Barrieren einzureissen.
Darüber hinaus hat sie etwas geschafft, das nur ganz wenigen Künstlerinnen gelingt: Sie hat das musikalische Erbe der Appalachen nicht nur bewahrt, sondern es stolz auf die grössten Pop-Bühnen der Welt getragen. Ausserdem hat Dolly eine Superkraft: Sie hat den Dulcimer nie als folkloristisches Gimmick missbraucht, sondern seine Seele intakt gelassen. Darum erinnert sie mich daran, das Gleiche zu tun und die traditionellen Lieder der Appalachen und den Bluegrass zu ehren – auch wenn ich das Instrument persönlich gerne in noch modernere Kontexte setze.
In einem Land voller Reibung verkörpert Dolly das Beste an Tennessee – sie hat so viele Menschen mit ihrer unerschütterlichen Grosszügigkeit, humorvollen Ehrlichkeit berührt, durch eine tief verwurzelte Liebe zur Gemeinschaft. Und ich hoffe, eines Tages mal Dollys Swarovski-Dulcimer sehen zu dürfen.
«Don’t get so busy making a living that you forget to make a life» – Dolly Parton (1946–2026)