Darum gehts
- Michelle Obama schreibt Buch über ihre Auftritte als First Lady
- Repräsentation und Unterstützung junger Kreativer waren wichtige Anliegen
- 56 Millionen Instagram-Follower wünschen sich Obama als Präsidentin
Auf der Liste all der Bedenken, die ich gegen die Kandidatur meines Mannes hatte, und des Chaos, das sie auslösen könnte, standen Garderobefragen ganz unten», sagt Michelle Obama (61). «Doch ich stellte bald fest, dass die Suche nach passenden Kleidern tatsächlich eine Herausforderung war.» Heute, fast 20 Jahre nachdem sie als erste schwarze First Lady ins Weisse Haus eingezogen war, hat die 61-Jährige ein Buch zu ihren Auftritten geschrieben: «The Look», nennt sie es schlicht und schreibt: «Barack konnte denselben Anzug immer wieder anziehen und einfach nur die Krawatte wechseln. Und er brauchte auch nie über seine Frisur nachzudenken.»
Als Michelle Obama 2008 vor den Augen der ganzen Welt zum ersten offiziellen Tanz mit dem frisch gewählten neuen US-Präsidenten ansetzt, trägt sie ein blütenweisses langes Kleid – eine Kreation von Jason Wu, einem in New York lebenden aufstrebenden Designer mit Wurzeln in Taiwan. Die Wahl ist nicht zufällig: «Repräsentation war alles. Es ging uns stets darum, das Weisse Haus möglichst breit zu öffnen. Ich wollte jungen Kreativen von überall eine Plattform geben.»
Michelle engagiert eine Stylistin und schafft mit smarten Kleidern von Jungdesignern, aber auch mit Looks von amerikanischen Modeketten wie J. Crew einen eigenen Stil. Die Obamas geben sich, wie schon die Kennedys, gerne nahbar mit Töchtern und Hund im Garten, lachend, tanzend – dazu gehört auch die Kleider-Optik. Dennoch weigert sich Michelle, in Interviews nur über Mode zu sprechen. «Ich machte es zur Bedingung, auch politische Anliegen wie Bildung und Gesundheit vorzubringen.» Bewertet werden ihre Looks dennoch: Trägt sie schulterfrei, heisst es, die Oberarme der 1.80 Meter grossen Anwältin seien zu maskulin. Zeigt sie sich im Cardigan, findet man sie zu leger. Michelle führt manche Reaktionen auf ihre Herkunft zurück: «Schwarze Frauen haben zwei Möglichkeiten – sie sind angepasst oder authentisch. Wir sind es gewohnt, uns nicht so zu zeigen, wie wir sind.»
Dieser Artikel wurde erstmals in der «Schweizer Illustrierten» publiziert. Weitere spannende Artikel findest du auf www.schweizer-illustrierte.ch.
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Zöpfchen geben mir Freiheit
Ein grosses Kapitel widmet die Mutter der erwachsenen Töchter Malia und Sasha dem Thema Haar, einem Thema, das schwarze Frauen in den USA seit der Sklaverei beschäftigt. Über die Frisur passen sie sich dem Schönheitsideal der weissen Gesellschaft an. «Schon während ich als Anwältin arbeitete, trug keine meiner Kolleginnen einen Afro oder Zöpfe», so Michelle. «Auch unsere Mütter taten das nie.» Als erste schwarze First Lady streckt sie ihr naturkrauses Haar erst recht. «Ich wusste, ich konnte den Leuten nichts anderes zumuten, jedenfalls nicht, bis sie mich besser kannten.» Weil die tägliche Föhntortur ihr Haar auf Dauer schädigt, entscheidet sie sich für Perücken und Haarverlängerungen: «Mein Stylist klärte mich auf, dass auch viele Hollywood-Schauspielerinnen so ihr Haar schützen.»
Jetzt, wo das Weisse Haus hinter ihr liegt, präsentiert sich Michelle Obama mit Lederjacke und Zöpfchenfrisur. So leger hat sie auch Kamala Harris beim Wahlkampf unterstützt. «Zöpfchen sind einfacher in der Pflege, sie geben mir Freiheit», schreibt sie. Ihr neues Buch, eine ebenso modische wie persönliche Reise, widmet sie all ihren Helferinnen und Helfern, Make-up-Artisten, Friseuren, die sie über die Jahre unterstützten. «Und auch den vielen jungen Frauen, die mutig optische Klischees durchbrechen. Ich kann ihnen nur folgen.» Ob sie selber dereinst das höchste politische Amt ihres Landes anstrebt, wie ihre Fans und 56 Millionen Follower auf Instagram immer wieder wünschen, lässt Michelle Obama offen. Aber sie hält für sich als wichtigsten Look fest: «Selbstbewusstsein ist genauso eine Wahl und Haltung wie alles andere auch. Ich halte meinen Kopf hoch.»