Darum gehts
- Hollywood signalisiert Kurswechsel: «Basic Instinct»-Remake soll bewusst «anti-woke» sein
- Der einst geächtete Mel Gibson feiert Comeback mit «Lethal Weapon 5» und Jesus-Film
- Amazon MGM kauft «Basic Instinct»-Drehbuch für 2 Millionen Dollar
Der Provokationsfilm der 90er-Jahre kommt zurück: «Basic Instinct». US-Riese Amazon MGM hat das Drehbuch für ein Remake des Kultfilms von Autor Joe Eszterhas (80) für zwei Millionen Dollar gekauft. Eszterhas verspricht dabei ausdrücklich, ein «anti-wokes» Werk zu liefern. «Ich glaube nicht an Woke und nicht an politische Korrektheit, weil das nicht die Wahrheit ist – und ich mag es, wenn die Wahrheit ausgesprochen wird», sagte er kürzlich im Interview mit dem People-Portal The Wrap. Mehr Details wollte er nicht verraten, kündigte aber an: «Ich werde den Zuschauern einen wilden und orgastischen Ritt bieten.»
Hollywood signalisiert damit einen klaren Kurswechsel. Über ein Jahrzehnt lang bestimmten progressive Werte die Stoffe und Besetzungen – auch als Reaktion auf Kampagnen wie #OscarsSoWhite, die den Mangel an Diversität vor und hinter der Kamera anprangerten. Serien wie «Reservation Dogs» – komplett von indigenen Autorinnen geschrieben und ausschliesslich mit Native Americans besetzt – erzählten erstmals authentisch Geschichten der indigenen Bevölkerung.
«Transparent» stellte zum ersten Mal eine trans Frau ins Zentrum. «Lovecraft Country» verband Horror mit afroamerikanischer Geschichte und Rassismuskritik. Die Branche förderte bewusst neue Stimmen. Studios und Sender installierten Diversity- und Inclusion-Beauftragte, Talentagenturen warben gezielt um queere oder schwarze Autorinnen und Autoren. Dabei entstanden auch neue Regeln und Grenzen. Manche Themen galten plötzlich als heikel, bestimmte Perspektiven hatten Priorität. Konservative Gruppen beklagten, ihre Geschichten fänden keinen Platz mehr.
«Weiss, schlank und attraktiv»
Jetzt schlägt das Pendel zurück. Serien wie die in den USA aktuell gefeierte Netflix-Produktion «The Hunting Wives» setzen auf Überzeichnung, Sex und Tabubruch – und auf einen fast ausschliesslich weissen Cast: Malin Akerman (47) spielt in der Hitserie, die auch bald bei uns anlaufen soll, eine reiche, weisse Texanerin mit Gewehr und Südstaatenakzent.
Als intrigante Femme fatale hat sie nicht nur eine Affäre mit dem Sohn des Pastors, sondern auch mit einer jungen Ehefrau (gespielt von Brittany Snow, 39), die neu zugezogen ist. Eine lesbische Affäre mag zunächst progressiv wirken, doch in «The Hunting Wives» ist sie weniger ein Statement als ein bewusst erotisches, provokatives Element, das mit Voyeurismus spielt. Die beiden Frauen entsprechen dabei dem alten Hollywoodideal: weiss, schlank und attraktiv.
Auch der blonde und blauäugige Filmstar Sydney Sweeney (27) sorgte kürzlich mit einer provokanten Jeanswerbung, in der sie von «ihren guten Genen» schwärmte, für Schlagzeilen. Der eigentliche Aufschrei, eine Entschuldigung oder irgendeine Form von Konsequenz in der Filmbranche blieben aus. «Hollywood ist wieder heiss, geil und weiss», kommentiert die «New York Times». Selbst die Kult-Comedy-Serie «South Park» erklärte jüngst in einer viralen Folge «Woke is dead».
Trump-kritische Late-Night-Show abgesetzt
Der Richtungswechsel spiegelt die politische Lage in den USA wider: Seit Donald Trumps (79) Rückkehr ins Amt des US-Präsidenten ist die Abschaffung von Diversity-, Equity- und Inclusion-Programmen (D.E.I.) erklärtes Ziel – viele Studios folgten. Nach der Fusion von Paramount – einem der ältesten Hollywood-Studios – mit der Produktionsfirma Skydance kündigte das neue Management an, sämtliche D.E.I.-Programme zu streichen. Die Trump kritische «The Late Show» mit Stephen Colbert (61) wurde abgesetzt. Möglich wurde das, weil die neue Konzernstruktur auch das TV-Netwerk CBS umfasst, auf dem die Show lief.
Ins Bild passt da auch, dass Mel Gibson (69), der jahrzehntelang wegen rassistischer und antisemitischer Äusserungen in Hollywood geächtet war, im kommenden Jahr wieder verstärkt auf der grossen Leinwand zu sehen sein wird: zunächst mit der Familienkomödie «Monster Summer» und dem fünften Teil seiner Actionreihe «Lethal Weapon». Parallel arbeitet er am zweiteiligen Bibel-Epos «Die Auferstehung Christi», dessen Kinostart für 2027 angekündigt ist.
Ob «Lethal Weapon 5» oder Eszterhas’ Neuauflage von «Basic Instinct» erfolgreich sein werden, bleibt abzuwarten. Am Ende gilt in Hollywood wie in jedem Geschäft: Entscheidend ist nicht, was Meinungsmacher und Firmen für wichtig halten, sondern allein, was das Publikum sehen will.