Darum gehts
- Axel Milberg (69) fastet erstmals 17 Tage in einer Klinik am Bodensee
- Der Schauspieler verspürt keinen Hunger, nimmt Sinne intensiver wahr
- Fastenkur: 17 Tage nur Tee, Brühe, Spaziergänge, kein Heisshunger beim Fastenbrechen
Nebel liegt über dem Bodensee, eine gedämpfte Stille dominiert – fast wie die Kulisse eines «Tatorts». Mittendrin sitzt Axel Milberg (69), im Speisesaal der Buchinger-Wilhelmi-Klinik. Wer ihn hier mit einem Dreigangmenü erwartet, liegt falsch. Vor ihm steht: nichts.
Der deutsche Schauspieler fastet. Und zwar zum ersten Mal in seinem Leben. «Ich habe noch nie eine Diät gemacht», sagt er. Millionen kennen ihn als «Tatort»-Kommissar Klaus Borowski – den geheimnisvollen, charismatischen Ermittler mit dem Hang zum Impulsiven. Vergangenes Jahr ging die Figur in den Ruhestand. Vielleicht kein Zufall, dass ausgerechnet jetzt die Zeit reif ist für einen eigenen Reset. «Das Programm hier nennt sich Heilfasten», erklärt Axel Milberg. «Es geht nicht um Gewichtsverlust, sondern um einen Reset des Körpers.»
«Habe nicht eine Minute Hunger verspürt»
17 Tage lang gibt es Tee, Brühe und Spaziergänge. Und das Überraschende dabei: «Ich habe nicht eine Minute Hunger verspürt», so der Schauspieler. Seine Erklärung dafür ist verblüffend einfach: «In all diesen Tagen habe ich nicht ein einziges Mal gekaut.» Wer nicht kaut, sendet kein Startsignal an den Körper. Die Energieversorgung schaltet um – und plötzlich wird es lauter im Kopf. «Man nimmt Gerüche, Geräusche und selbst kleine Reaktionen des eigenen Körpers viel intensiver wahr. Und man ist im Dialog mit sich selber.»
Auch Kommissar Borowski, glaubt Milberg, hätte dem Fasten etwas abgewinnen können. «Das Auflösen von Verbrechen hat schliesslich mit der Neugier am Menschen zu tun.» Nur diesmal richte sich die Ermittlung nach innen.
Dieser Artikel wurde erstmals in der «Schweizer Illustrierten» publiziert. Weitere spannende Artikel findest du auf www.schweizer-illustrierte.ch.
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Für den Schauspieler wurde «Essen wieder Handlung»
Am Ende der Kur, beim sogenannten Fastenbrechen, gibt es einen Apfel und drei Nüsse. Der Heisshunger bleibt aus. «Ich kaute langsamer, schmeckte intensiver, legte das Handy weg. Essen wurde wieder Handlung statt Nebenbeschäftigung.»
Nach der Fastenkur geht es für den Filmstar mit vollem Terminkalender weiter. Es stehen neue Projekte, Lesungen und Dreharbeiten an. Doch etwas hat sich für den gebürtigen Kieler nachhaltig verändert. Als seine Frau Judith Milberg (63) ihn in der Klinik besucht, schaut sie ihn an und sagt nur: «Du hast dein Lächeln wieder.»
Die Ermittlung – nicht in einem Mordfall, sondern bei sich selbst – ist also noch nicht abgeschlossen, wie Axel Milberg zum Schluss erklärt: «Ich kann mir gut vorstellen, von nun an einmal im Jahr zu fasten.»