Darum gehts
- In Celerina GR steht das Luxusprojekt von Patric Simmen als Bauruine
- Schwyzer Gericht verweigert Simmengroup Aufhebung einer Forderung von 935'000 Franken
- Ruvercap-Fonds liquidiert: Anleger verlieren Millionen durch dubiose Finanzkonstrukte
In Celerina GR versprach Architekt Patric Simmen (54) ein Luxusprojekt – übrig bleibt eine Ruine. Seit Jahren liegt das Restaurierungsprojekt auf Eis, die Baustelle verschandelt das Ortsbild. Hinter dem Fiasko steckt der Ruvercap‑Komplex, eines der grössten Finanzdebakel der letzten Jahre. Die Eigentumsverhältnisse des Hotels Misani sind bis heute umstritten.
Nun kassiert Simmen vor Gericht eine Niederlage. Vor dem Kantonsgericht Schwyz versuchte die Simmengroup Holding AG, eine Betreibung über rund 708'000 Franken plus Zinsen und Gebühren – insgesamt gut 935'000 Franken – aufheben zu lassen. Das Gericht zerpflückte die Argumentation, die Simmengroup bleibt auf der Forderung sitzen – und der Druck auf das Projekt im Engadin steigt.
Julius Bär lieh Patric Simmen Geld
Recherchen von Blick zeigen: Das Misani‑Projekt ist Teil eines Geflechts der Zürcher Ruvercap Investment AG – jenes Konstrukts, in dem Pensionskassen, Kantonalbanken und Privatbanken Hunderte Millionen versenkt haben. Mit dabei: die Freiburger und die Bündner Kantonalbank sowie weitere Institute.
Die Bank Julius Bär lieh Patric Simmen Geld, damit Abbrucharbeiten in Celerina fortgesetzt werden konnten. Bereits Anfang Oktober 2019 fehlte es aber erneut an Mitteln; seither ruhen die Bauarbeiten. Patric Simmen wollte sich gegenüber Blick nicht äussern. Die Ruvercap‑Fonds wurden inzwischen liquidiert, Anlegern drohen hohe Ausfälle.
Anklage der Staatsanwaltschaft Zug
Während sich im Engadin und im Unterland Baurecht, Betreibungsämter und Zivilgerichte mit dem Misani‑Fall abmühen, ist auch die Strafverfolgung aktiv. Die Staatsanwaltschaft des Kantons Zug klagt fünf Beteiligte aus dem Ruvercap‑Umfeld an: «Der mögliche Straftatbestand betrifft Veruntreuung, ungetreue Geschäftsbesorgung sowie Urkundenfälschung», bestätigt ein Sprecher. Parallel ermittelt auch die Staatsanwaltschaft Zürich.
Die Spuren aus dem Engadin führen weiter – über Zürich und Zug hinaus bis tief in den westlichen Balkan. Dort taucht ein weiteres Objekt auf, das mit Ruvercap‑Geldern finanziert worden sein soll: eine Batteriefabrik im serbischen Sombor. Es geht um zweifelhafte Eigentümer, verschobene Kredite und eine Übernahme zu einem auffällig aufgeblasenen Preis. Ähnlich wie in Celerina gibt es verdächtige Geldflüsse und den Verdacht, dass Ruvercap‑Anlegergeld am Ende in den Taschen eines bereits verurteilten serbischen Unternehmers landete. Zu den Verlierern gehören die Kunden der Pensionskassen, die am Ende für die krummen Deals zahlen müssen. Für alle Beteiligten gilt die Unschuldsvermutung.