Bauruine statt Hotel
Celerina-Debakel – eine Spur führt in den Kosovo

Seit Jahren zoffen sich zwei Rechtsparteien um ein Hotelprojekt im Engadin. Die Staatsanwaltschaft ermittelt – der Fall ist Teil des Ruvercap-Komplexes.
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Die Gemeinde Celerina zeigt sich von ihrer schönsten Seite.
Foto: Getty Images

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Raphael RauchBundeshausredaktor

Vor zwei Wochen soll es im Einkaufszentrum von Pfäffikon SZ zum Showdown gekommen sein: Ein Architekt soll auf einen Millionär losgegangen sein. Wie Insider berichten, waren lautstarke Drohungen zu vernehmen. Der Grund: Beim Architekten liegen die Nerven blank. Er hat in das Hotel Misani in Celerina GR investiert, das seit Jahren für Negativ-Schlagzeilen sorgt. Der mutmassliche Angreifer bestreitet den Vorfall, der Millionär reagierte nicht auf eine Anfrage von SonntagsBlick.

Das Ferienparadies im Oberengadin zeigt sich dieser Tage von seiner schönsten Seite – Schnee auf den Dächern, sauber gespurte Langlaufloipen, glitzernde Berggipfel im Morgenlicht. Doch das Wintermärchen ist trügerisch. Eine offene Baugrube stört seit Jahren die Idylle in Celerina. Einst stand das Hotel Misani hier für Gastfreundschaft. Heute ist es ein Fall für die Staatsanwaltschaft.

Hunderte Millionen futsch

Recherchen von SonntagsBlick zeigen: Das Hotel gehört zum Ruvercap-Komplex, dem Zusammenbruch mehrerer Private-Debt-Fonds der Zürcher Ruvercap Investment AG. In die hatten vor allem Pensionskassen, Kantonalbanken und weitere institutionelle Anleger Hunderte Millionen investiert. Das Geld ist futsch. Die Zürcher Staatsanwaltschaft bestätigt: «Der Sachverhalt Misani ist Teil eines hängigen Strafverfahrens.» 

Das Schicksal des Hotels Misani ist mit einem Mann verknüpft, über den kaum jemand etwas weiss – gegen den jedoch im Kosovo wegen mutmasslichen Millionenbetrugs ermittelt wird: Der kosovarische Staatsbürger F. P.* stammt aus Prizren, lebte länger in der Schweiz und trat hier als Geschäftsmann auf. Die Staatsanwaltschaft seines Heimatlands wirft ihm vor, beim Bau des Luxushotels Lakeside in Vermica (Kosovo) mit fiktiven Rechnungen Steuern hinterzogen zu haben. P. soll mindestens 23 Scheinrechnungen in Höhe von mehr als 18 Millionen Euro ausgestellt haben, um einen künstlichen Geldkreislauf zu erzeugen.

Schandfleck im Dorfkern

In der Schweiz wiederum streiten mehrere Firmen darüber, wer der rechtmässige Besitzer des Hotels Misani ist. Im Kanton Schwyz läuft hierzu ein Zivilverfahren, auch das Zürcher Handelsgericht beschäftigt sich mit den Eigentumsverhältnissen. Celerina würde den Schandfleck im Dorfkern am liebsten beseitigen, stösst mit diesem Wunsch aber auf eine Wand aus Anwälten und hängigen Verfahren. Als die Gemeinde eine Frist setzte, meldeten sich gleich beide Firmen und versprachen, sie könnten bauen, wenn sie als rechtmässige Eigentümer anerkannt würden.

Fest steht: Solange die Eigentumsverhältnisse unklar sind, wird kaum ein Investor in das Hotel-Projekt einsteigen. Fraglich ist auch, ob das bisherige Finanzierungskonzept überhaupt tragfähig ist.

Auch Serbien und Deutschland involviert

Der Ruvercap-Komplex wird in den nächsten Monaten häufiger zu reden geben: Neben der Staatsanwaltschaft Zürich kündigt auch die Staatsanwaltschaft Zug an, demnächst Anklage zu erheben. Derzeit sind Verfahren gegen fünf Personen hängig, die dem Umfeld beteiligter Unternehmen angehören sollen.

Es geht um den Vorwurf der Veruntreuung, ungetreuer Geschäftsbesorgung und Urkundenfälschung. «Im Zuge der Untersuchung wurde ein Rechtshilfeersuchen nach Serbien gestellt», bestätigt die Staatsanwaltschaft Zug. Zu den Beschuldigten zählt ein in Deutschland festgenommener Mann mit Balkan-Hintergrund. Zwar wurde er in die Schweiz ausgeliefert, befindet sich aber wieder auf freiem Fuss. 

Gemeindepräsident hofft auf Neuanfang

Die Gemeinde Celerina hofft, dass bald Klarheit herrscht. Andrea Fanconi (44), seit Januar neuer Gemeindepräsident von Celerina, sagt: «Wir setzen uns mit Nachdruck dafür ein, dass auf dem Areal des ehemaligen Hotels Misani wieder ein Projekt entsteht, welches das Dorf belebt und zukunftsgerichtet weiterentwickelt.» Allerdings räumt Fanconi gegenüber SonntagsBlick ein, dass der Handlungsspielraum der Gemeinde beschränkt ist.

Aktuell bestehe ein rechtskräftig bewilligtes Bauprojekt, die Bewilligung sei bis September 2026 gültig. Fanconi weiter: «Im Verlauf des Jahres 2024 wurde festgestellt, dass die Aussenwände des ehemaligen Gebäudes aus Sicherheitsgründen abgebrochen werden müssen.» Die Bauherren sind der Verfügung mittlerweile nachgekommen, die Aussenwände des Misani verschandeln nicht mehr das Ortsbild.

* Name bekannt

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