Die Kolumne
Die SRG gehört allen

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Frank A. MeyerPublizist

Was erlaubt sich da die Schweizerische Radio- und Fernsehgesellschaft?! Die SRG geht auf «Beizentour». Sie möchte mit Zuschauern und Zuhörern diskutieren, über ihre Einstellungen und Meinungen, aber auch darüber, was ihnen am Programm missfällt. Medienverantwortliche treffen Bürgerinnen und Bürger: 

Geht es schweizerischer?

Nun soll die SRG-Beizentour unterbunden werden. So fordert es ein Brief an Medienminister Albert Rösti, in dem es heisst, das gebührenfinanzierte Unternehmen betreibe damit eine Kampagne gegen die Halbierungs-Initiative, die der SRG die Mittel kürzen will.

Im März stimmt das Volk über Wohl und Wehe von Radio und Fernsehen ab. Geht es nach den rechtskonservativen Initianten, sollen sich die Radio- und Fernsehmitarbeiter nicht gegen die existenzgefährdende Initiative wehren dürfen – nicht für ihr Unternehmen und ihre Arbeitsplätze Partei ergreifen. 

Geht es unschweizerischer?

Zu den Wortführern, die sich das freie Wort der von ihnen Angegriffenen verbitten, gehören Thomas Matter und Gregor Rutz, namhafte Vertreter der SVP, die sich gern für Demokratie aussprechen – solange sie ihren Anliegen dient. Eine offene Diskussion über die Halbierungs-Initiative hingegen fürchten sie.

Das ist verständlich: Sympathische Gesichter des Fernsehens und vertraute Stimmen aus dem Radio entfalten in den öffentlichen Diskussionen ihre Wirkung. Sie wehren sich im Interesse einer Institution, die sie zwar verkörpern, die aber letztlich dem Schweizer Volk gehört, bis in den hintersten Winkel, bis in die kleinste Stube des Landes.

Noch sorgt ein gemeinsames Mediennetz für die Verbindung der sprach- und konfessionskulturell zerklüfteten Alpenrepublik: Die Schweiz im Fextal weiss von der Schweiz in Le Noirmont, weil Fernsehen und Radio immer wieder von der allerorten so ganz anderen Schweiz Kenntnis geben, weil Journalisten im gesamtschweizerischen Auftrag berichten. Nicht jederzeit zur vollsten Zufriedenheit aller Zuschauer und Hörer, in der Regel aber um korrektes Handwerk bemüht.

Die SRG ist ein Gemeinschaftswerk.

Sie fördert die kulturelle Kreativität des Landes, mit Filmen, die sie finanziert oder finanziell unterstützt, mit Konzerten, denen sie die Verbreitung über ihre Funkwellen garantiert, mit Literatur, die sie durch Debattenformate und Hörspiele dem Bürger nahebringt – dem ganz normalen Bürger, dem häufig die Mittel oder die Zeit für kulturelle Aktivitäten fehlen. Die SRG ist die mediale Schweiz.

Die SRG gehört uns allen.

Sie gehört uns durch die Gebühren, die jeder Haushalt zahlt – und von denen keine Medieninvestoren profitieren. Die 335 Franken pro Jahr fliessen in das Gemeinschaftswerk.

Die SRG, die durchaus Kritik verdient, nicht zuletzt wegen ihrer Bürokratie, ist ständig Gegenstand der politisch-kulturellen Auseinandersetzung: Sie hat den charismatischen Debattierer Blocher gross gemacht – Missbrauch des Mediums für die einen; sie widmet sich mit aktivistischer Verve dem Klimathema – Missbrauch des Mediums für die anderen.

Die SRG kann es niemandem wirklich recht machen – ein für das Journalisten-Handwerk typisches Schicksal.

Jetzt soll die Schweiz auf diesen demokratischen Reichtum verzichten: auf eine Fernseh- und Radio-Infrastruktur, um die uns Demokraten überall in Europa beneiden. In Zukunft soll nur noch auf Sparflamme flackern dürfen, was die heimischen Stuben erhellt und Licht in Politik, Kultur und Wirtschaft bringt.

Was aber ist mit den privaten Medien? Mit dem gedruckten Tafelsilber der helvetischen Republik: der «Neuen Zürcher Zeitung» und dem Blick, mit all den gut gemachten Regionalmedien, gedruckt oder gesendet oder digital verbreitet?

Die mediale Landschaft der Schweiz ist der fruchtbare Boden der Demokratie, denn sie bietet beides: die höchst unterschiedlichen privaten Journalismus-Anbieter und das landesweite Angebot der SRG.

Ja, das bedeutet Konkurrenz – gottlob! Konkurrenz ist das Lebenselement der freien Gesellschaft. Die aber bedarf eben auch der Gemeinsamkeit. So wie sie zusammengewachsen ist zur heutigen medialen Infrastruktur.

Wer diese kunstvoll ausgewogene Konstruktion zerstören will, zerstört ein unverzichtbares Kernelement der Schweizer Demokratie.

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