Die Kolumne
Wem gehört der Schnee?

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Frank A. MeyerPublizist

Eine deutsche Tageszeitung sieht die Schweiz in Gefahr: «Die neue Angst in den Alpen», betitelt «Die Welt» ihren Bericht, in dem sie die «Übernahmewelle in den Skigebieten» zum Thema machte.

In Flims, so berichtet das Blatt, kämpfe der Bürger Christoph Schmidt tapfer für die «knappste Ressource am Berg»: das dortige Skigebiet samt Schnee. Die Gemeinde habe zu wahren, was ihr seit Menschengedenken gehört – gegen US-Investoren wie den globalen Branchenführer Vail Resorts, der sich bereits in Uri, dem Wallis und eben in Graubünden Eigentumsrechte an der winterlich-weissen Pracht gesichert hat.

Angst um die Alpen – Angst um die Heimat! Denn was sind die Alpen anderes als die aus Fels und Schnee geformte Schweiz?

Das Matterhorn, die Freiheitsstatue der Eidgenossenschaft!

Eiger, Mönch und Jungfrau, die Schwurfinger der Eidgenossen!

Ausländische Spekulanten greifen nach dieser Urheimat des Alpenlandes – nach Skigebieten, die zum Heiligsten wahrhafter Patrioten zählen, weil man dort so körperlich wie kunstvoll der zauberhaften Schweiz teilhaftig werden kann. Sie vergreifen sich am grössten Schatz der Nation.

Das Vaterland als Börsengeschäft? Skilifte als Renditevehikel? Berghütten als Goldtöpfe? Alpendörfer als Luxusresorts? St. Moritz als Zukunftsvision? All dies in der Hand von Ski- und Private-Equity-Konzernen! Der Berg-Eidgenosse wird zum Diener fremder Herren!

Wilhelm Tell rotiert im Grab.

Der Bürgenstock, Herzhügel helvetischer Heimat, gehört schon seit Jahren dem Staatsfonds des Scheichtums Katar. Der herrliche Blick über den Vierwaldstättersee, dieses patriotischste Gewässer der Schweizer Geschichte – im Angebot geldgetriebener Globalisten. 

Ja, so weit ist es gekommen. Weshalb? Weil keine finanzkräftigen Eidgenossen zur Stelle waren, um das Projekt in vaterländischer Verantwortung zu betreiben. Und auch diesmal ducken sie sich weg.

Schönste Schweiz steht zum Verkauf. Böser gesagt: Die Schweiz verkauft sich selbst.

Wo bleibt die Initiative von reichen und reichsten Tellensöhnen oder Tellentöchtern? Wo das politische Veto?

Vor allem die populistischen Maulhelden verziehen sich wieselflink in ihren Parteibau, wenn es ums ganz grosse Geld geht. Selbst wenn das Rütli ins Rendite-Visier von Vail Resorts geraten würde – kein SVP-Kämpfer wäre mit Hellebarde auf der heiligsten Heimatwiese zu sichten.

Die Schweiz ist die Schweiz.

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