Darum gehts
- Schweizer Paar lebt seit März 2026 am Sambesi in Simbabwe
- Für 25’000 Franken kauften sie ein Haus mit 4000 m² Land
- 300 Schulkinder erhalten wöchentlich ein Mittagessen dank lokalem Sozialprojekt
Während die Schweiz unter der Sommerhitze ächzt, trägt Oliver Beccarelli am Vormittag beim Gespräch mit Blick noch einen Pullover, als er am Pool in Simbabwe sitzt. Das Land im Süden Afrikas ist die neue Heimat von Corinne Anliker (54) und Oliver Beccarelli (49). «Von Mai bis August ist hier Winter. In der Nacht sinken die Temperaturen auf rund zwölf Grad. Bis die Sonne kommt und es mit etwa 27 Grad angenehm warm wird, ist es frisch. Da hilft ein Pullover», sagt Abenteurer Beccarelli. Vom Pool aus geniesst er den Blick auf den angrenzenden Fluss Sambesi, beobachtet Nilpferde, Krokodile, Fische und Vögel in freier Natur. «Wir leben abgeschieden im Busch. Unsere Nachbarn hier sind Hippos und Krokodile», sagt der Schweizer und lacht.
Jahrelange Reisen in Afrika
Seit über 20 Jahren ist das Schweizer Ehepaar in ganz Afrika unterwegs, hat Länder und Sitten kennengelernt sowie Beziehungen zu Locals aufgebaut und gepflegt. Das Paar war auf sehr abenteuerlichen Reisen auf dem afrikanischen Kontinent und hat überall immer wieder Neues entdeckt. Afrika wurde daher schon lange zur zweiten Heimat für sie. Auch nach der Rückkehr in die Schweiz nach ihrer grossen Abenteuerreise waren die beiden immer wieder in Afrika, haben dazwischen in der Schweiz Geld verdient und alles gespart für ihr nächstes Projekt in Afrika.
Eigene Visionen an magischem Ort
Ihren Traum haben Corinne Anliker und Oliver Beccarelli in Simbabwe mit harter Arbeit realisiert. «Uns hat es gereizt, nochmals etwas Neues in Angriff zu nehmen», sagt Oliver Beccarelli. Seit Ende März lebt das Ehepaar am Ufer des Flusses Sambesi, wo es 2023 ein Grundstück von rund 4000 Quadratmetern Land samt Haus kaufen konnte. Ein leerstehendes kaputtes Gebäude, ohne Wasser und Strom, aber an traumhafter Lage. Bis zum Kauf hat das Paar auch andere Optionen in Namibia und Botswana geprüft, auch Senegal war Thema. Beccarelli: «Die Übernahme bestehender Lodges war nicht das, was wir uns vorstellen. Wir wollten unsere eigene Vision umsetzen: ein authentisches Afrika.» Mehrmals war das Paar dafür in Simbabwe am Sambesi. Neben der idealen Lage am Fluss habe der Ort auch etwas Magisches verbreitet, ist sich das Paar einig. Corinne Anliker: «Die runden turmähnlichen Mauern des Hauses haben mich irgendwie an das Märchen von Rapunzel erinnert.» So hat das Paar für rund 25’000 Schweizer Franken das Rundhaus inklusive Land gekauft und seither an seinem Traum in der neuen Heimat gearbeitet.
Eigenbau ohne Maschinen mit lokalen Bauhelfern
Während Corinne Anliker weiterhin in der Schweiz arbeitete, bis sie diesen Frühling ganz nach Simbabwe nachzog, war der selbständige Berater Oliver Beccarelli die vergangenen drei Jahre vorwiegend in Simbabwe mit dem Bau beschäftigt. «Durch meinen Job in der Schweiz hatten wir weiterhin ein regelmässiges Einkommen, was uns Sicherheit für den Bau und den Neustart gab», sagt die Marketingfrau im Foodbereich. Beccarelli kümmerte sich vor Ort um den Bau und die nötigen Bewilligungen durch die Behörden, rekrutierte rund 30 Bauhelfer im Dorf und packte bei den Bauarbeiten mit an. «Weder ich noch die Leute aus dem nächstgelegegenen Ort Msuna sind gelernte Bauarbeiter oder Handwerker. Wir haben alles ohne schwere Maschinen und Geräte gemeinsam aufgebaut», sagt Beccarelli nicht ohne Stolz. Ein befreundeter Architekt aus der Schweiz habe ihn bei den Plänen von der Schweiz aus unterstützt und wertvolle Tipps gegeben, und Freunde aus der Schweiz hätten bei Besuchen mitgeholfen. Zudem hat Beccarelli handwerkliches Geschick und scheut sich nicht, kräftig anzupacken. «Diese drei Jahre waren wohl die härtesten meines Lebens. Wir brauchten viel Geduld», sagt er. Das liege vor allem an der Bürokratie in einem Land, das durch schwierige politische Veränderungen, Korruption und Armut noch immer gezeichnet ist. Die Bauhelfer aus dem Dorf Msuma, das rund eine Stunde zu Fuss entfernt liegt, seien entgegen vieler Vorurteile fleissig und sehr lernwillig. Man müsse sich Vertrauen zur Bevölkerung erarbeiten und aufbauen. Beccarelli: «Das sind sehr herzliche, loyale und hilfsbereite Menschen. Sie sind keineswegs dumm, und wir können von ihnen ebenfalls viel lernen. Wir sind Teil der lokalen Community geworden und wollten uns hier von Anfang an integrieren.»
Begegnungen und Austausch mit Einheimischen
Mit den lokalen Baugehilfen hat Beccareli drei typische individuelle, komfortable Cottages erstellt und das baufällige Rundhaus als Haupthaus mit offener Lobby, Küche und Aufenthaltsraum neu als Gästehaus ausgebaut. Im Haupthaus hat auch das Ehepaar sein Schlafzimmer und ein Büro. Was die erste Zeit für Freunde und Bekannte als Unterkunft bei Abenteuerreisen mit dem Ehepaar diente, kann inzwischen offiziell über Reiseanbieter oder beim Paar direkt gebucht werden. Von den berühmten Victoriafällen, wo auch der Flughafen liegt, erreicht man das kleine Paradies mit dem Infinity-Pool in knapp drei Stunden mit dem Auto. Mehrere Nationalparks sind unweit der Shaguri Lodge. Die Schweizer unternehmen mit ihren Gästen Beobachtungstouren zu Land und zu Wasser, übernachten mit Zelten in der Wildnis, besuchen Geheimplätze. Vor allem aber schaffen sie Begegnungen und Austausch mit den Einheimischen. «Uns ist wichtig, dass wir das authentische Afrika für die Gäste erlebbar machen und den Menschen hier auch etwas zurückgeben können.» Jobs seien in der abgelegenen Gegend rar. Mehrheitlich leben die Menschen von der Landwirtschaft. In Msuna gibts rund vier Shops mit Grundnahrung und für die nötigsten Einkäufe. Einen Supermarkt, ein Möbelgeschäft, Restaurantketten mit Pizza und eine Tankstelle gibts in der grösseren Stadt Hwange, wo auch einer der bekanntesten Nationalparks liegt, rund 70 Kilometer von uns entfernt», so Anliker. Umso dankbarer sind die Einheimischen von Msuna, dass sie bei den Schweizern Arbeit zu fairem Lohn gefunden haben. Nicht nur während der Bauphase; einige von ihnen arbeiten weiterhin bei den Schweizern. Wie die alleinerziehende Esther, die als Köchin im Team arbeitet. «Wir suchten jemanden zum Kochen für die Bauarbeiter. Sie brauchten für die harte Arbeit anständiges Essen. Esthers Vater gehörte zu den Arbeitern und empfahl uns seine Tochter. Esther machte das vom Einkauf bis zur Zubereitung so fantastisch, dass wir sie bei uns als angestellte Mitarbeiterin im Team behalten haben», sagt Beccarelli.
Sozialprojekt an lokaler Schule aufgebaut
Durch lokale Kontakte und Gäste der Lodge kam auch das jüngste Projekt der Schweizer zustande. Dafür ist Corinne Anliker hauptverantwortlich. Jeden Mittwoch versorgen sie eine Tagesschule mit gegen 300 Kindergarten- und Primarschulkindern mit Mittagessen. Gekocht wird gemeinsam mit Eltern und Lehrpersonen unter freiem Himmel. Esthers Schwester ist mitverantwortlich und wird dafür entlöhnt. Bekannte aus der Schweiz, die als Lehrpersonen arbeiten, wollten die Schule in Msuna besuchen, was Beccarelli und Anliker organisiert haben. «Wir stellten dabei fest, dass einige Kinder kaum etwas zu essen dabei hatten. Und wir haben erfahren, dass manche Kinder aus armutsbetroffenen Familien oft gar nicht zur Schule gehen, weil sie sich schämen, dass sie nichts dabei haben.» So entstand dieses jüngste Sozialprojekt des kinderlosen Schweizer Ehepaars. Wenigstens einmal pro Woche werden so alle Kinder an der Schule satt. Es sei schon ein ganz anderes Leben, das die Menschen hier führen, sagt Corinne Anliker. «Wasser und genug zu essen ist hier existenziell und keine Selbstverständlichkeit.»
Neue Entdeckungen und Zukunftspläne
Das Schweizer Paar fühlt sich heimisch und zugehörig in seiner neuen Heimat. Und wenn die beiden von der Pflanzen- und Tierwelt und den oft noch unberührten Landschaften, von Touren durch die Kalahari-Wüste schwärmen, sind sie sich einig, dass auch sie in Simbabwe noch einiges zu entdecken haben. Als Nächstes wollen sie sich in den Bergen nach Klettermöglichkeiten für Touren umschauen. Corinne Anliker war in der Schweiz eine begeisterte Kletterin und vermisst das. «Vergleichbar sind die Berge hier mit dem Jura. Da möchte ich Möglichkeiten für Bouldern und Klettertouren erkunden.» Vermisst wird zudem manchmal guter Käse oder Schokolade. «Das bringen uns aber Bekannte und Freunde aus der Schweiz immer mit», sagt Beccarelli und lacht. Ansonsten leben sie ihren Traum und vermissen nichts, was sie zu einer Rückkehr in die Schweiz bewegen könnte. Dennoch sind sie realistisch. Corinne Anliker: «In einem sich immer wieder verändernden Land kann man die Zukunft nicht längerfristig planen und muss flexibel bleiben. Solange die Rahmenbedingungen hier stimmen und es möglich ist, bleiben wir und sind glücklich in unserem Paradies.»