Seltsame Bewegungen im Eisschild
Internationales Forscherteam geht Grönland-Rätsel auf den Grund

Der grönländische Eisschild ist bei weitem nicht so starr, wie bisher angenommen. Ein internationales Forschungsteam hat geophysikalische Prozesse entdeckt, die das Eis wie eine zähe Flüssigkeit fliessen lassen und frühere Modelle infrage stellen. Was bedeutet das?
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Robert Law von der ETH Zürich hat gemeinsam mit seinen Kollegen Erstaunliches über den grönländischen Eisschild herausgefunden.
Foto: Universität Bergen

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Neue Studie zeigt, dass Grönlands Eisschild in ständiger Bewegung ist
  • Tiefeis in Nordgrönland ist zehnmal weicher als bisher angenommen
  • Studie der Universität Barcelona: Schmelzwasserproduktion seit 1990 von 12,7 auf 82,4 Gigatonnen gestiegen
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Marian NadlerRedaktor News

Lange Zeit galt der grönländische Eisschild als eine weitgehend starre, träge Masse, die lediglich unter ihrem eigenen Gewicht langsam Richtung Küste kriecht. Doch neue Entdeckungen revidieren dieses Bild grundlegend: Das Eis im Inneren Grönlands ist in ständiger, wirbelnder Bewegung. Das zeigt eine neue Studie, die in der Fachzeitschrift «The Cryosphere» veröffentlicht wurde.

An dem Forschungsprojekt waren auch Wissenschaftler der ETH Zürich beteiligt. Blick beantwortet die drei wichtigsten Fragen zum Grönland-Durchbruch.

Was genau geschieht im Inneren des Eises?

In Tiefen von bis zu 3000 Metern finden geophysikalische Prozesse statt, die das Eis in einen Zustand versetzen, der eher an zähe Flüssigkeiten als an Festkörper erinnert. An diesem Punkt beginnt die thermische Konvektion – ein Prozess, bei dem warme, leichtere Materie aufsteigt und kalte, dichtere absinkt. So entsteht eine Art Kreislauf, der Wärme verteilt.

Laut dem Chefautor der Studie, Robert Law von der ETH Zürich, dehnt sich warmes Eis am Grund aus und steigt in Form von Strömungen nach oben, während kaltes Eis absinkt. Dadurch wird Wärme viel schneller transportiert, was das Temperaturprofil des Eisschilds stark verändert und frühere Modelle seines Fliessverhaltens infrage stellt. Mitautor Andreas Born, Professor an der Universität Bergen, vergleicht diese Dynamik gegenüber dem Wissenschaftsnachrichtendienst phys.org mit einem «kochenden Nudeltopf».

Was bedeutet die Entdeckung konkret?

Die Forschungsergebnisse lassen vermuten, dass das Tiefeis in Nordgrönland rund zehnmal weicher ist als bislang gedacht. Damit könnten künftig Modelle zur Entwicklung der Eisschilde genauere Prognosen zum Meeresspiegelanstieg liefern. «Unsere Entdeckung könnte helfen, die Unsicherheiten in Berechnungen zur zukünftigen Eismassenbilanz und zum globalen Meeresspiegel deutlich zu verringern», erklärt Born gegenüber phys.org.

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«Aber weicheres Eis allein bedeutet nicht zwangsläufig, dass es schneller schmilzt oder der Meeresspiegelanstieg stärker ausfällt. Wir benötigen weitere Studien, um dies eindeutig zu klären», fügt Law hinzu.

Wie bedrohlich ist die Schmelzlage in Grönland?

Die systemische Bedrohung ist akut und wird durch klimatische Extreme verschärft. Wissenschaftler der Universität Barcelona berichteten kürzlich in «Nature Communications», dass die Schmelzwasserproduktion seit 1990 von 12,7 auf 82,4 Gigatonnen pro Jahrzehnt gestiegen ist – eine mehr als sechsfache Steigerung. Ein Totalverlust des Eises würde den Meeresspiegel um sieben Meter anheben.

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