Mehr Ladesäulen als Tankstellen
So verrückt fährt Grönland

Auf der grössten Insel der Welt hat es weniger als 400 Strassenkilometer. Verbindungen zwischen den Ortschaften sind nicht vorhanden. Doch erstaunlich viele der nur 7000 Autos fahren mit Strom.
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In Grönlands Hauptstadt Nuuk kann es zu den Stosszeiten auch einmal etwas voller werden auf den Strassen.
Foto: Getty Images

Darum gehts

  • Grönland hat weniger als 400 Strassenkilometer bei einer Fläche von 2,2 Millionen Quadratkilometern
  • Die 13’000 Schlittenhunde übertreffen die Zahl von 7000 zugelassenen Autos
  • Plug-in-Hybride und E-Autos zahlen keinen Einfuhrzoll auf der Insel
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
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Gabriel KnupferRedaktor News

US-Präsident Donald Trump (79) träumt von einer Übernahme Grönlands. Doch wie sieht eigentlich die Mobilität dort aus? Was für ein Autoland ist die grösste Insel der Welt?

Klar ist: Grönland hat eines der ungewöhnlichsten Verkehrssysteme der Welt. So gibt es schätzungsweise 13’000 Schlittenhunde auf der Insel, aber nur rund 7000 zugelassene Autos. Das ist der geografischen Lage und dem Klima geschuldet.

Keine 400 Strassenkilometer

Die Insel im Nordatlantik hat eine Fläche von knapp 2,2 Millionen Quadratkilometern – und ist damit mehr als 50-mal so gross wie die Schweiz. Doch sie verfügt über ein Strassennetz von weniger als 400 Kilometern. Und nur die Hälfte davon ist asphaltiert.

«Der Verkehr findet fast ausschliesslich innerhalb der grössten Ortschaften statt», sagt René Knupfer, der Vater des hier schreibenden Journalisten. René Knupfer war 2016 als Tourist auf Grönland. «In kleineren Orten ist zumindest im Sommerhalbjahr so gut wie alles fussläufig erreichbar. Im Winterhalbjahr kommen oft Schneemobile zum Einsatz.»

Drei Ampeln und ein Tunnel

Grosse Städte sucht man auf Grönland vergebens. 82 Prozent der Fläche werden vom grönländischen Eisschild bedeckt. Insgesamt wohnen nur 57’000 Menschen an der eisfreien Küste, mehr als ein Drittel davon in der Hauptstadt Nuuk. Von Ortschaft zu Ortschaft reist man primär mit dem Flugzeug oder dem Helikopter. Für den Warentransport kommen Schiffe zum Einsatz.

In Nuuk hingegen gibt es ein städtisches Bussystem mit 4 Linien und 18 Bussen, wie «Auto Motor und Sport» berichtet. Täglich nutzen etwa 7000 Personen das Angebot. Auch sämtliche drei Lichtsignale und der einzige Tunnel Grönlands sind auf dem Gebiet der Stadt.

VW-Teststrecke zum Inlandeis

Nach langer Planung wurde in diesem Sommer eine 170 Kilometer lange Schotterpiste zwischen der Stadt Sisimiut und dem Flughafen Kangerlussuaq eröffnet. Sie ist Geländefahrzeugen vorbehalten. Schon seit 2021 existierte eine Piste für ATVs (Quads). Die Strecke gilt als Pilotprojekt für weitere Überlandverbindungen zwischen den Siedlungen.

Interessantes Detail am Rande: VW betrieb von 1999 bis 2004 eine Teststrecke auf Grönland und baute zu diesem Zweck eine 35 Kilometer lange Schotterpiste von Kangerlussuaq zum grönländischen Eisschild. Diese dient heute dem Tourismus: «Über die Piste war es mir möglich, problemlos den Ausgangspunkt für meine Trekkingtour aufs Inlandeis zu erreichen», sagt Knupfer.

Plug-in-Hybride und Stromer sind zollfrei

Doch was für Autos verkehren neben den omnipräsenten Quads auf Grönland? Der Markt ist winzig, wie die Fachplattform «Automobil Produktion» berichtet. Die Händler verkaufen nicht einmal 500 Autos pro Jahr. 

Auf den ersten Blick erstaunlich hoch ist dabei der Stromeranteil. 2000 Steckerfahrzeuge sind auf der Insel registriert, davon 800 reine E-Autos. Das hat vor allem finanzielle Gründe. Auf Verbrenner erhebt die Regierung einen Einfuhrzoll von 100 Prozent. Dieser entfällt für Plug-in-Hybride und E-Autos.

Zwar ist die Kälte für die Akkus der Stromer nicht ideal. Doch bei den kurzen innerstädtischen Routen spielt das keine Rolle. An jedem zweiten Haus hängt eine Wallbox, und es gibt längst mehr Ladesäulen als Tankstellen.

Mitsubishi und Toyota

Das Strassenbild von Nuuk dominieren heute Plug-in-Hybride wie der Mitsubishi Outlander und der Toyota RAV4 oder Stromer wie der Toyota bZ4X oder Subaru Solterra. Ein beliebter Verbrenner ist der günstige Suzuki Swift mit Allradantrieb.

Obwohl Motorschlitten die Hundeschlitten zunehmend verdrängen, wird Grönland noch lange ein Sonderfall bleiben. Für die Insel am Rande der bewohnbaren Welt braucht es eben ganz eigene Verkehrslösungen.

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