Forensischer Psychiater Urbaniok
«Nicht jeder Straftäter ist psychisch krank»

Nach dem Messerangriff in Winterthur stellen sich heikle Fragen: Der mutmassliche Täter war den Behörden seit 2015 bekannt und wurde kurz vor der Tat aus der Psychiatrie entlassen. Der forensische Psychiater Frank Urbaniok ordnet ein, wo Prävention an Grenzen stösst.
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Im Gespräch mit «Durchblick» ordnet der forensische Psychiater Frank Urbaniok den Angriff von Winterthur ein. Das sind seine wichtigsten Aussagen.

Fakten schaffen

(Zu hören bei 04:30)

«Gerade in so aufgeheizten Stimmungen ist es manchmal schwer auszuhalten. Aber in solchen Fällen ist es angezeigt, Geduld aufzubringen, seriös und mit kühlem Kopf alle Fakten auf den Tisch zu bringen, das Ganze ruhig zu analysieren – und erst dann zu beurteilen: Was ist es? Ist etwas falsch gelaufen? Oder ist gar nichts falsch gelaufen?».

Fehlerhafte Kommunikation

(Zu hören bei 06:26)

«Man muss es seriös abklären. Gibt es eine psychiatrische Erkrankung? Und es gibt psychiatrische Erkrankungen zum Beispiel, die mit sogenannten wahnhaften Symptomen einhergehen. Und wahnhafte Symptome führen dann dazu, dass man die Umwelt total verzerrt wahrnimmt, dass man von Dingen ausgeht, die gar nicht existieren. Und diese Menschen neigen dann zu sehr bizarren und sehr ungewöhnlichen Straftaten. Das ist eine mögliche Erklärung. Ob das zutrifft in dem Fall, wie gesagt, weiss ich nicht».

Radikalisierung

(Zu hören bei 12:50 und 15:43)

«Denken Sie an die Staatsverweigerer, denken Sie an extreme radikale Verschwörungstheoretiker und dann gibt es die religiösen Extremisten. Der Mechanismus ist immer der gleiche».

«Es kommt irgendwann der Punkt, an dem eine Person diese radikale Überzeugung zu einem eigenen Weltbild macht. Ich spreche da immer davon, dass es ein Teil der eigenen Identität wird. Das ist der Kipppunkt. Dann ist es nicht mehr nur eine Meinung oder eine Überzeugung, sondern ganz eng verknüpft mit der eigenen Identität. Diese Menschen fühlen sich ganz und gar als Kämpfer für die Gerechtigkeit, als Kämpfer für den wahren Glauben. Und das geht über eine Meinung, über eine Überzeugung oder eine politische Überzeugung hinaus. Es wird dann wie eine Mission, die emotional Teil der eigenen Identität ist».

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Wissenschaft geht uns alle an, sie erreicht aber nur einen Teil der Öffentlichkeit. Darum setzt sich die Gebert Rüf Stiftung dafür ein, Wissenschaft mit Unterhaltung zu verknüpfen und für ein breites Publikum zugänglich zu machen. Mit dem Programm «Scientainment» fördert sie neue Erzählformate, denen es gelingt, für das Alltagsleben der Menschen relevante Themen möglichst niederschwellig, attraktiv und wirkungsvoll zu kommunizieren – so, wie das der «Durchblick» macht.

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