Suche nach Vermissten in der Ukraine
SRK vermittelt die letzte Botschaft von Natalyas Mutter

Der Suchdienst des Schweizerischen Roten Kreuzes hat es möglich gemacht. Dank ihm konnte die Ukrainerin Natalya Girard von der Schweiz aus mit ihrer in der konfliktbetroffenen Heimat lebenden Mutter telefonieren.
Mit Wehmut schauen Natalya Girard (l.) und ihre Tochter Sacha ein Foto von Natalyas Mutter an.
Foto: Ruben Ung
Thomas Kutschera

«Ich erinnere mich noch so gut an meine Grossmutter Lydia. Sie war ein gutherziger Mensch. Ich hatte sie so gern», sagt die 20-jährige Sacha. Ihre Mutter Natalya Girard (46) nickt: «Sie war ein leuchtender Stern in meinem Leben.» 

Die beiden in der Westschweiz lebenden Ukrainerinnen sitzen in einem Büro des Suchdienstes des Schweizerischen Roten Kreuzes (SRK) in Wabern BE. Sie sind gekommen, um sich zu bedanken und um SRK-Botschafterin Mélanie Freymond (48) ihre Geschichte zu erzählen. Die zwei Frauen betrachten ein Foto, das Natalya Girards Mutter Lydia zeigt. Leise sagt die Mutter: «Ich bin so froh und dankbar, dass ich meine Mutter noch einmal am Telefon hörte. Das war ein grosses Geschenk.»

«Das ist sicher Ihre Mutter Lydia», sagt Mélanie Freymond zu Natalya Girard. Diese nickt. Die SRK-Botschafterin: «Schön, hat der Suchdienst Ihnen helfen können.»
Foto: Ruben Ung

Nach der Eskalation des Konflikts brach der Kontakt ab

Seit 2006 lebt die Ukrainerin in der Schweiz. Zwei Jahre nach der Ankunft heiratet die ausgebildete Bergbauingenieurin ein zweites Mal, einen Einheimischen, fortan trägt sie den Familiennamen Girard. 2010 kommt Besuch aus der Heimat: Mutter Lydia und Sacha. Letztere lebte zu diesem Zeitpunkt noch bei den Grosseltern in der ostukrainischen Stadt Shakhtarsk nahe Donezk. Sacha kehrt nicht zurück, sie bleibt bei ihrer Mutter. 2014 beginnt in der Ukraine der Konflikt mit Russland.

«
Ich hörte eine Bombe explodieren, ganz in der Nähe meiner Mutter.
Natalya Girard
»

2015 und 2017 besuchen Natalya und die Tochter ihre Angehörigen in der Ukraine. Natalya Girard erinnert sich: «Damals wussten wir nicht, dass wir uns nie mehr wiedersehen würden.» Danach ist nur noch sporadischer Kontakt via Telefon und Skype möglich – und auch dieser wird wegen der Bombardements immer spärlicher. «Sie machten sich bestimmt grosse Sorgen um Ihre Mutter», sagt Mélanie Freymond zu Natalya Girard. Diese nickt: «Und es wurde immer schlimmer. Im März 2022, kurz nach der Eskalation des Konflikts in ihrem Heimatland, ist die Verbindung vollständig abgebrochen. Die Mutter ist damals 83 Jahre alt. Die Trennung machte mir und Sacha sehr zu schaffen. Wir wussten nicht, ob meine Mutter noch lebt. Ich war völlig verzweifelt.»

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Mutter und Tochter mit SRK-Botschafterin Mélanie Freymond. Die 20-jährige Sacha hat ein Bild ihrer Grossmama Lydia in den Händen.
Foto: Ruben Ung

IKRK-Mitarbeitende fanden die Vermisste

Zum Glück habe eine Beratungsstelle sie informiert, dass es einen Dienst gebe, der bei der Suche nach Vermissten helfe – es ist ein unentgeltliches Angebot des SRK. Natalya Girard meldet sich, füllt eine Suchanfrage aus. Mitarbeitende des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) machen Lydia ausfindig, besuchen sie in ihrem Haus in Shakhtarsk. Sie geben ihr eine Telefonkarte, mit der die Seniorin gratis telefonieren kann.

Am 27. Januar 2023 ist es so weit. Bei Natalya Girard in Neuenburg schellt das Handy: Ihre Mutter ist dran. «Ich bin immer noch im Haus, es geht mir gut», sagt diese, «doch ich habe so Heimweh nach euch! Wie geht es euch?» Die beiden haben sich viel zu erzählen. Doch nach ein paar Minuten ist die Leitung tot. Mélanie Freymond hört aufmerksam zu. «Das muss schlimm gewesen sein für euch», sagt sie. Natalya Girard nickt und streicht sich durchs Haar. «Die Stimme meiner Mutter zu hören, hat mir sehr gut getan.»

Es war eines der letzten Gespräche, Lydia starb im September 2023. Natalya Girard: «Ihre Worte werden mich mein Leben lang begleiten.»

Foto: Ruben Ung
So funktioniert der Suchdienst

Der Suchdienst des Schweizerischen Roten Kreuzes hilft weltweit bei der Suche nach Vermissten. Er steht allen in der Schweiz wohnhaften Personen offen, die ein Familienmitglied oder eine ihnen nahe stehende Person vermissen. «Die persönlichen Daten der anfragenden wie auch der gesuchten Person werden streng vertraulich behandelt», sagt Suchdienst-Leiterin Nicole Windlin (Bild). Bei der Suche arbeitet ihr Team mit dem IKRK und den 190 Suchdiensten anderer Rotkreuz-/Rothalbmond-Gesellschaften zusammen. Die gesuchte Person wird vor der direkten Kontaktaufnahme angefragt, ob sie die Zusammenführung wünscht. Aktuell werden rund 550 Familien bei der Suche unterstützt. «Es gab auch schon Bestätigungen von Kriegsgefangenschaft. Aber die meisten Familien mit vermissten Personen aus der Ukraine blieben bisher ohne Nachricht.»

Foto: Ruben Ung

Der Suchdienst des Schweizerischen Roten Kreuzes hilft weltweit bei der Suche nach Vermissten. Er steht allen in der Schweiz wohnhaften Personen offen, die ein Familienmitglied oder eine ihnen nahe stehende Person vermissen. «Die persönlichen Daten der anfragenden wie auch der gesuchten Person werden streng vertraulich behandelt», sagt Suchdienst-Leiterin Nicole Windlin (Bild). Bei der Suche arbeitet ihr Team mit dem IKRK und den 190 Suchdiensten anderer Rotkreuz-/Rothalbmond-Gesellschaften zusammen. Die gesuchte Person wird vor der direkten Kontaktaufnahme angefragt, ob sie die Zusammenführung wünscht. Aktuell werden rund 550 Familien bei der Suche unterstützt. «Es gab auch schon Bestätigungen von Kriegsgefangenschaft. Aber die meisten Familien mit vermissten Personen aus der Ukraine blieben bisher ohne Nachricht.»

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Dieser Beitrag wurde vom Ringier Brand Studio im Auftrag eines Kunden erstellt. Die Inhalte sind redaktionell aufbereitet und entsprechen den Qualitätsanforderungen von Ringier.

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