Ein schriller Ton dringt durch die Gänge des Schulhauses. Türen fliegen auf. Hunderte Kinder stürmen aus den Klassenzimmern auf den Pausenplatz. Mitten im Gewusel sitzt Schauspieler Max Hubacher (32), den linken Arm angewinkelt, als ob er verletzt wäre. Doch hier wird kein Film gedreht. Es ist eine Evakuierungsübung des Kirgisischen Roten Halbmonds an der Schule in Aral im Nordwesten Kirgistans mit mehr als 300 Schülerinnen und Schülern. Der Berner spielt den Verletzten für die Erste-Hilfe-Gruppe. Auf seinem Arm ist eine künstliche Wunde mit Blut aus Konfitüre. «Sieht ziemlich echt aus», sagt er und lacht.
Max Hubacher ist für ein paar Tage in Kirgistan als Botschafter des Schweizerischen Roten Kreuzes (SRK) unterwegs. Seit zwei Jahren setzt er sich im In- und Ausland für die Organisation ein. «Als ich merkte, dass ich einen gewissen Wiedererkennungswert habe, dachte ich mir, dass ich diese Aufmerksamkeit für etwas Gutes nutzen kann.»
Rund 200 schwerwiegende Naturereignisse pro Jahr
In Kirgistan unterstützt das SRK seine Schwestergesellschaft, den Kirgisischen Roten Halbmond, bei der Katastrophenvorsorge und der Anpassung an die Folgen der Klimakrise. Das Land in Zentralasien ist stark davon betroffen: Schlammlawinen, Überschwemmungen und Sturzfluten richten jedes Jahr grosse Schäden an. Rund 200 schwerwiegende Naturereignisse werden jährlich registriert, Hunderttausende Menschen sind gefährdet.
Die Reise beginnt in der Hauptstadt Bischkek. Über zwei Pässe, auf fast 3500 Metern, fährt Max Hubacher innert sechs Stunden Richtung Westen. Auf den Hochebenen treiben Nomaden ihre Pferdeherden durch die Weite. «Es sieht schon ein bisschen aus wie in der Schweiz», sagt Hubacher und blickt aus dem Fenster. Bei einem Zwischenstopp probiert er in einer Jurte Pferdemilch. Er nimmt einen Schluck, verzieht das Gesicht. «Zuhause würde man sagen: gewöhnungsbedürftig.»
Das Schweizerische Rote Kreuz ist in rund 30 Ländern für die Verletzlichsten im Einsatz und leistet dort Nothilfe, beugt Katastrophen vor und stärkt die Gesundheit der Menschen.
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IBAN CH97 0900 0000 3000 9700 0
Das Schweizerische Rote Kreuz ist in rund 30 Ländern für die Verletzlichsten im Einsatz und leistet dort Nothilfe, beugt Katastrophen vor und stärkt die Gesundheit der Menschen.
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Wenn der Fluss plötzlich steigt
Zurück zur Evakuierungsübung. Eine Schülerin setzt sich neben Max Hubacher auf den Boden. Khanzada Bekenova (18) ist seit vier Jahren Freiwillige beim Kirgisischen Roten Halbmond. Sie verbindet Max Hubacher routiniert den Arm. «Durch die Freiwilligenarbeit habe ich viele neue Dinge gelernt», sagt sie. «Vor allem habe ich mehr Vertrauen in mich selbst gewonnen.» Sie gehört zu den rund 600 Freiwilligen in der Region, die unter anderem Kindern zeigen, wie sie bei Notfällen reagieren müssen, etwa bei klimabedingten Naturereignissen. Der SRK-Botschafter ist beeindruckt: «Ich habe in dem Alter kaum über meinen eigenen Tellerrand hinausgeschaut.»
Am Nachmittag besucht Max Hubacher die Schülerin und ihre Familie zu Hause. Er hat einige Sätze in Kirgisisch gelernt. Mit einem breiten Grinsen sagt er, wie er heisst, woher er kommt. Die Eltern von Khanzada Bekenova lachen. Das Heim der Familie steht direkt an einem Bach. Das Wasser plätschert vorbei. Kaum vorstellbar, dass dasselbe Gewässer vor zwei Jahren nach heftigen Regenfällen eine Brücke wegriss. Khanzada Bekenova und ihre Familie hatten Glück.
Anders als die Familie von Zhypargul Sarbalieva (45) einige Dörfer weiter. Sie lebt hier mit ihrem Ehemann und den vier Kindern. Spuren an der Hauswand erinnern an den Tag, an dem vor zwei Jahren eine Sturzflut durchs Dorf raste. «Ich hatte grosse Angst. Wir wussten nicht, was passiert.» Tochter Fatima Zhyinashova (14) zeigt die Fassade: Eine braune Linie, fast einen halben Meter hoch, markiert die Wasserhöhe. «Niemand wurde verletzt», sagt sie. Doch die Ernte war verloren, Wasser drang in die Wände ein. Die Familie erhielt finanzielle Hilfe vom Schweizerischen Roten Kreuz und vom Kirgisischen Roten Halbmond. «Wir sind sehr froh darum», sagt die Mutter. Max Hubacher erklärt: «Spätestens nach Blatten wissen auch wir, was Naturgefahren anrichten können. In der Schweiz haben wir Mittel und Strukturen, um vorzubeugen. Die Menschen hier haben das nicht.»
Bevor das Schlimmste passiert
Nurlan Derbishaliev (40) arbeitet in Kirgistan für das Schweizerische Rote Kreuz. «Als ich ein Kind war, waren die Winter lang und schneereich. Heute sind sie kurz und unberechenbar. Die Sommer sind zu heiss», sagt er. «Unser Ziel ist es nicht, erst dann zu helfen, wenn Häuser bereits von Wasser und Schlamm beschädigt sind, sondern bevor etwas passiert.» Gemeinsam mit dem Kirgisischen Roten Halbmond und den lokalen Behörden wurden Flussbetten ausgebaggert, Ufer befestigt und Entlastungskanäle gebaut. In Kirgistan profitieren jährlich 80'000 Menschen von Massnahmen der vom SRK unterstützten Katastrophenvorsorge, hier in der Region Talas rund 35'000. «Ein Franken, der in Vorsorge investiert wird, spart bei Notfällen sieben Franken», bilanziert Nurlan Derbishaliev.
Max Hubacher steht am Fluss Talas. Es hat geregnet, das Wasser fliesst wilder. «Es fehlen viele Strukturen, die bei uns in der Schweiz selbstverständlich sind: Frühwarnsysteme, staatliche Hilfe, Versicherungen. Gerade deshalb macht es aus meiner Sicht Sinn, hier zu helfen.»
Dieser Beitrag wurde vom Ringier Brand Studio im Auftrag eines Kunden erstellt. Die Inhalte sind redaktionell aufbereitet und entsprechen den Qualitätsanforderungen von Ringier.
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