Pestizid-Hammer!
Studie zeigt massive Bodenbelastung in weiten Teilen Europas

Forscher analysierten für die Studie 373 Proben aus 26 Ländern. Einige Wirkstoffe, die nur schwer abbaubar sind, bleiben jahrelang im Boden.
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Glyphosat und Co. belasten die Böden in Europa.
Foto: IMAGO/Funke Foto Services

Darum gehts

  • Studie zeigt: 70 Prozent der Böden Europas mit Pestiziden belastet
  • Fungizide häufigste Rückstände, Glyphosat auch auf Wiesen und im Wald gefunden
  • 373 Proben aus 26 Ländern untersucht, 54 Prozent Pilz-Wirkstoffe gefunden
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Keystone-SDADie Schweizer Nachrichtenagentur

Siebzig Prozent der Böden in Europa sind mit Pflanzenschutzmitteln kontaminiert. Das zeigt eine am Mittwoch in der Fachzeitschrift «Nature» veröffentlichte Studie. Dafür analysierten Forscher der Universität Zürich und neun weiterer Forschungseinrichtungen 373 Bodenproben aus 26 Ländern.

Unter den 63 gängigen Pflanzenschutzmitteln, die zur Untersuchung standen, wurden Fungizide am häufigsten in den Bodenproben festgestellt. Wirkstoffe gegen Pilze machten 54 Prozent aller Pestizide aus. Aber auch Herbizide, hier vor allem Glyphosat, und Insektizide fanden sie im Boden.

Wirkstoffe bleiben jahrelang im Boden

Und auch im Wald oder auf Wiesen, wo normalerweise keine Pestizide eingesetzt werden, konnten Pestizidrückstände im Boden festgestellt werden. Wahrscheinlich sei das auf die Verbreitung des Pflanzenschutz-Sprühnebels durch Winde zurückzuführen, vermuteten Forschende in einer Medienmitteilung am Mittwoch.

Die Studie zeige, «dass Pflanzenschutzmittel auch für unsere Böden eine sehr grosse Umweltbelastung darstellen», sagte Studienleiterin Maria J. I. Briones von der spanischen Universität Vigo. Einige Wirkstoffe, die nur schwer abbaubar seien, würden jahrelang im Boden bleiben, wo sie langfristig grosse Auswirkungen auf das Bodenökosystem nehmen.

Vögel, Bienen und Insekten leiden

Das Problem: Mit dem Einsatz von Pflanzenschutzmitteln werden nicht nur Schädlinge, sondern auch nützliche Bodenorganismen bekämpft. Ein Beispiel dafür sei der Mykorrhiza-Pilz: Dieser sei vom Pflanzenschutzmitteleinsatz besonders betroffen und spiele bei der Wasser- und Nährstoffaufnahme von Nutzpflanzen eine wichtige Rolle, teilte Bodenökologe Marcel van der Heijden am Mittwoch mit.

Während Pestizide dem Mykorrhiza-Pilz schaden, profitieren andere Organismen, insbesondere Arten von Bakterien, vom Pflanzenschutzmitteleinsatz. «Wahrscheinlich, weil andere Organismen reduziert werden», wie Studienerstautorin Julia Königer von der Universität Vigo vermutete.

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Oft werde nämlich gar nicht bedacht, dass Pestizide auch auf Organismen wirken, die nicht Ziel der eingesetzten Mittel sind, gab Studienleiterin Briones zu bedenken. Die schädlichen Auswirkungen auf Vögel, Bienen und andere Insekten seien lange bekannt und dokumentiert. Zum Schutz der Boden-Biodiversität fordern Forscher nun, die Studienergebnisse in den geltenden Vorschriften für Pflanzenschutzmittel zu berücksichtigen.

EU-Pläne kritisiert

Diese Forderung fällt in eine Zeit, in der die EU plant, Pflanzenschutzmittel zeitlich unbefristet zuzulassen. Aus einem Vorschlag der EU-Kommission im Dezember ging hervor, dass die bislang erforderlichen regelmässigen Neuzulassungen für Wirkstoffe abgeschafft werden sollen. Die gefährlichsten Substanzen sollen davon ausgenommen werden.

Bislang wird die Zulassung eines aktiven Wirkstoffs in der EU nur für einen begrenzten Zeitraum bis zu 15 Jahren erteilt und muss danach neu bewertet werden. Ohne erfolgreiche Erneuerung läuft die Zulassung aus.

Diese Änderung der EU bei Pflanzenschutzmitteln sei rechtswidrig, wie ein Gutachten mehrerer Verbraucher- und Umweltschutzorganisationen am Dienstag befand. Die Pläne der EU-Kommission führten zu einer «erheblichen Absenkung des Schutzniveaus für Umwelt und Gesundheit», kam die Analyse zum Schluss.

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